Audible

Das Team: 10 Fragen an Torsten Surberg

28.08.2010

Torsten ist bei Audible dafür zuständig, dass die Kunden Hörbücher finden, die sie nie gesucht hätten, aber trotzdem gerne hören würden. Er trägt die genialsten T-Shirts und kämpft mutig als “Brandschutzbeauftragter” bei Audible gegen ohrenbetäubende Feueralarme.

Jetzt mal ganz ehrlich: Hörst du lieber oder liest du lieber?

Ich kann gar nicht lesen, deswegen habe ich mich ja bei Audible beworben. Hat in 2,5 Jahren bisher auch keiner gemerkt. Ehrlich gesagt, habe ich das Lesen seit Audible fast komplett aufgegeben. Ich sitze den ganzen Tag vor dem Bildschirm und abends sind meine Augen so müde, dass lesen gar nicht mehr geht. In meiner Freizeit beschäftigen mich vor allem meine beiden Kinder und so bleiben U-Bahn-Wege, Wartezeiten und ähnliches zum Hören. Immer ein Buch rumschleppen ist nervig, und außerdem kann man in der U-Bahn rumgucken, sich entspannen und eben hören. Allein 30 min hin zur Arbeit und 30 min zurück macht die Woche schon 5 Stunden und damit im Monat mindestens 1-2 größere Romane. Ein Volumen, das ich mir lesend zurzeit nicht erschließen könnte.

Unter den vielen Hörbuchsprechern hast du doch sicher einen Favoriten, oder?

Kommt immer ein wenig auf den Einzeltext an. Finde zum Beispiel Stephan Benson in den Wohlgesinnten die beste Sprecherleistung. Wie er einen so fesselnden Ton für diesen monströsen Text trifft, die Aggressivität, die Sachlichkeit, sein Ton für Täterschaft und Mitgetrieben-Werden und die vielen weitern Nuancen seines Vortrags machen den Text für mich zu einer unglaublichen Sicht auf die Entwicklung des Dritten Reiches. Hatte wirklich zum ersten Mal das Gefühl, eine angemessene Perspektive auf diese Zeit zu bekommen. Ein anderes Bravourstück ist Thomas Holtzmanns Interpretation von Holzfällen (über den habe ich in meinem Hörbuch-Schatz aber schon genug geschwärmt). Unabhängig von Texten ist David Nathan mein Lieblingssprecher. Ihn habe ich über seine H.P. Lovecraft-Lesungen zu schätzen gelernt. Die Gleichzeitigkeit von Ruhe und Spannungsgeladenheit, mit der er diese etwas antiquierten Schauerlichkeiten erzählt, trifft auf besondere Art und Weise den Geist dieser Texte. Ich mag vor allem wie er Rollen spielt ohne zu schauspielern. Jede Figur bekommt eine eigene Stimm-Nuance, ohne dass albernes One-Man-Hörspieltheater draus wird. Und last but not least möchte ich Reinhard Kuhnert aus den vielen tollen Sprechern herausheben, weil er mir mit dem Lied von Eis und Feuer für sehr lange Zeit ein treuer und immer großartiger Begleiter war.

Erinnerst du dich noch an dein schönstes Hörerlebnis?

Puh, oben schon so viel gelabert, da fällt mir viel, aber nichts so Spezielles ein. Vielleicht eine Hängematte in einer Spätsommernacht an einem Binnensee in Portugal mit einer Flasche Wein in der Astgabel, der Familie im Zelt schlummernd und sonst kein Mensch irgendwo. Perfekte Ruhe, Sternenhimmel und Reinhardt Kuhnert liest gerade aus dem Lied von Eis und Feuer von Frost und Kälte der nördlichen Königslande.

Es soll ja Menschen geben, die neben Hörbüchern auch Musik hören. Welches ist dein Lieblingslied?

Lieblingsmusikfragen überfordern mich – es gibt zu viel gute Musik, um sich auf einen Song festzulegen. Wahrscheinlichste Antwort, die abgesehen von temporären Highlights, Stimmungen und Phasen auch rückblickend über die letzten 20 Jahren nicht anders ausgefallen wäre: 90% aller Pixies-Songs sind meine Lieblingslieder. Als letztes die Schädeldecke abgeschraubt hat mir aber wohl der Edelkitsch der Avett Brothers I and Love and You oder die Dynamik von Mumford & Sons. Favourites der letzten Jahre waren Americana wie Shearwater, Mountain Goats, 16 Horsepower oder immer auch gern intelligente Electronica, wie beispielsweise Herbert oder Mikkel Metal oder, oder,oder…

Was ist für dich ein besonderer Tag oder anders gefragt: Wie muss ein Tag ablaufen, damit du glücklich bist?

Wieder keine Einzelantwort möglich, da die Abwechslung den Spaß bringt. Perfekt ist vielleicht vormittags mit den Kids rumzualbern, nachmittags Fußball gucken und Bier trinken und abends mit Frau und Freunden Party zu machen oder auf ein Konzert zu gehen. Das ist aber unfair gegenüber den Tagen, an denen man sich mit Fischen unter Wasser treiben lässt oder in der Sonne eines Musikfestivals steht oder mit treibender elektronischer Musik Berge mit dem Snowboard runter rast oder mit einem Cocktail unter Palmen sitzt, mit dem Auto durch die Wüste fährt oder, oder, oder…

Bist du gerne unterwegs? In welches Land würdest du gerne reisen?

Was ne Frage? Nö, ich sitze am liebsten im Keller und bohr in der Nase. Bin gern und viel unterwegs. Reisen will ich überall hin, wo es warm ist und ich noch nicht war – mal abzüglich von Krisengebieten (was die Auswahl ja nicht unwesentlich einschränkt). Mein liebstes Reiseland bislang war Mexiko, aber ich liebe auch den amerikanischen Westen und seinen Big Sky.

Was wolltest du schon immer gerne mal machen und hast es bisher nicht geschafft?

Fallschirmspringen.

Gibt es jemanden, den du unbedingt mal treffen möchtest?

Derrida – wobei ich hoffe nicht die nächsten 50-60 Jahre. Dann wäre das aber der besondere Schenkelklopfer, den auf einer Wolke des Herrn wiederzutreffen. Ne Schwachsinn, eigentlich keine Ahnung. An bekannten Personen interessiert mich eigentlich nur deren Funktion, Werk etc.

Auf welchen Internetseiten trifft man dich am häufigsten? Schließen wir mal Google & Audible.de aus.

Habe keine Zeit mich im Internet zu treffen, beziehungsweise keine Lust diese zu investieren – total alte Schule: Reality V1 rules. Internetseiten? Viel und nirgends, aber meist zweckgebunden, sonst vielleicht Fußballseiten zur Entspannung und Süddeutsche, weil ich keine Papierzeitung habe.

Und zu guter letzt: Welches Hörbuch ist gerade auf deinem iPod?

Die Arena – Stephen King.

Ein perfektes Buch im Königreich zwischen Pulp und großem Wurf. Ich mag Americana und Stephen King baut in diesem Buch einen hermetischen Subkosmos auf, der einen grandiosen Blick auf Typen und Sozialstrukturen in einem amerikanischen Kaff eröffnet. Der Trick ist, dass alles von einem Alien/Monster/Maschinen-Ding (ich weiß es echt nicht, weil ich noch nicht durch bin) in Form einer unsichtbaren, unzerstörbaren und undurchdringlichen Kuppel dominiert wird, die diesen Kosmos erst richtig zu sich selbst bringt. Es ist wie wenn man einen Kessel mit Wasser erhitzt. Es ist nichts anderes drin, nur der Inhalt verhält sich viel extremer. Keine Raumschiffe, kein Monsterfirlefanz - nichts, nur eine Kuppel. Und dieses Ding macht auch nichts – außer das, was eine Mauer eben so macht: Absperren. Und die Bewohner dieser Enklave? Sie machen auch, was sie immer gemacht haben, aber wie im dampfenden Kessel unter mehr Druck. 100 Punkte für diese coole Idee, ihre schriftstellerische Umsetzung und ein Hörbuch, das in über 40 Stunden diesem Gedankenspiel Raum zur vollen ungekürzten Entfaltung gibt - ach ja auch volle Punktzahl für David Nathan, der die Normalität des Abartigen mal wieder kongenial zu sprechen weiß.

Wenn du uns kurz die 3 Blogs nennen kannst, die du empfehlen möchtest?

  1. The World’s only reliable Newspaper: http://weeklyworldnews.com/
  2. Lebenshilfe: http://evil-guide.tripod.com/
  3. Was fürs Auge: http://airporttaxivan.com/