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Autor Anthony Ryan - der neue Fantasy-Geheimtipp

Von: Saba
25.09.2015

Noch ist er wenig bekannt, doch mit dem Auftakt von Rabenschatten hat Anthony Ryan schon einige Fantasy-Liebhaber für sich gewinnen können. Wie es mit neuen Namen in einem Genre so ist, werden auch sofort Vergleiche bemüht - in Ryans Fall sind es zum Beispiel Autoren wie Patrick Rothfuss oder George R.R. Martin. Ist das Lied des Blutes also nur ein neues Lied von Eis und Feuer? Ist Vaelin der neue Kvothe?

Über Anthony Ryan

Der 1970 geborene Schotte begann seine Trilogie als self publisher bevor Penguin Books die Reihe übernahm. Bei der Recherche fällt gleich auf, dass der Autor noch nicht mal einen hochprofessionellen und durchgestylten Webauftritt hat, sondern seine Fans mit einem Wordpress-Blog auf dem Laufenden hält - was irgendwie sympathisch ist. Zudem ist interessant, dass er sowohl Fantasy verfasst, als auch SciFi-Geschichten.

...aber der Titel!

Zunächst ein mal muss gesagt werden, dass Das Lied des Blutes tatsächlich ein Titel ist, der hinsichtlich des sensationellen Erfolgs von Game of Thrones etwas unkreativ wirkt. Jedoch sind Titelschemata à la “Der/die/das xyz des abc” im Fantasy-Genre nicht selten. Da sei verziehen, dass dem Namen des ersten Teils der Rabenschatten-Saga das Alleinstellungsmerkmal fehlt.

Der Erzählstil

Martins und Ryans Fantasy-Sagen unterschieden sich zuerst durch ihre Erzählstruktur. Beim Lied von Eis und Feuer folgt das Publikum von Anfang an diversen Protagonisten und aus deren Perspektive wird auch der Handlungsverlauf der anderen Charaktere dokumentiert. Ryans Erzählstil in Das Lied des Blutes ähnelt sehr dem von Patrick Rothfuss. Es gibt einen Hauptprotagonisten -  Vaelin Al Sorna. Sein Schicksal wird in der Gegenwart aus der Ich-Perspektive des kaiserlichen Berichterstatters Lord Vernier beschrieben. Doch die eigentliche Geschichte findet in der Vergangenheit statt - erzählt aus der Perspektive Al Sornas.
Al Sorna wird zunächst als Widersacher gemalt, um dann mit diesem Bild zu brechen.

Vaelin al Sorna - Held und Widersacher

Anthony Ryan - Das Lied des Blutes (Rabenschatten 1)Als Junge wird Al Sorna nach dem Tod seiner Mutter von seinem Vater an einen Kriegerorden übergeben. Fortan ist er auf sich selbst gestellt und erinnert darin ein wenig an Kvothe aus Rothfuss' Königsmörder-Chronik. Der rigide und brutale Alltag des 6. Ordens ähnelt dem der Nachtwache in Martins Büchern. Die Ordensbrüder entsagen sich ihrer Familie und dürfen weder ehelichen noch Kinder zeugen. Allerdings steht auf dieses Vergehen nicht die Todesstrafe sondern die Auszahlung und der Ausschluss. 
Am Anfang der Geschichte als “Hoffnungstöter” vorgestellt, wird Al Sorna ganz klar zunächst als Widersacher dargestellt - um dann durch die Aufarbeitung seiner Geschichte mit diesem Bild zu brechen. Auch das erinnert an Kvothe, der unter anderem als “Königsmörder” bekannt ist. Jedoch ist Al Sorna eine weniger widersprüchliche Figur, sondern jemand der stets nach bestem Wissen und Gewissen handelt und von seinem moralischen Kompass selten in die Irre geführt wird.

Das Königreich

Auch Anthony Ryan hat für seine Trilogie eine mittelalterliche Kulisse gewählt, der es ebenfalls nicht an magischen Elementen, konkurrierenden Königreichen oder diversen Glaubensrichtungen mangelt. Dass das nichts Neues ist, muss nicht erwähnt werden. Interessant ist, wie der Glaube in König Janus’ Reich durch die verschiedenen Orden aufrechterhalten, verteidigt und vollstreckt wird. Es ist davon auszugehen, dass das Thema Katechismus im Verlauf der Sage weiter vertieft wird.

Politik vs. Abenteuer

AAnthony Ryan - Der Herr des Turmes (Rabenschatten 2)Bei allen drei Autoren geht es hoch her, ihre Geschichten handeln von Krieg und Frieden, von Ehre und Betrug und natürlich von Gut und Böse. Bei George R.R. Martin ist das dominante Motiv die Politik (und wurde schon oft in Zusammenhang mit den Rosenkriegen gebracht). Ryan ist da traditioneller und erzählt bisher einen lupenreinen Helden-Epos. Nach der Auflösung des ersten Teils jedoch, bleibt abzuwarten, welche Richtung die Entwicklungen in Der Herr des Turmes einschlagen.
Anthony Ryans Stärke liegt insbesondere in seiner Geradlinigkeit.

Solides Debüt

Die Beobachtung dieses Rezensenten zeigt womit der Autor wirklich überzeugen kann: “Anthony Ryans Stärke liegt insbesondere in seiner Geradlinigkeit. Eine Geradlinigkeit, die einerseits den Erzählstil an sich charakterisiert, die aber auch die Art und Weise kennzeichnet, in der sich der Protagonist und dessen Umfeld vor den Augen des Lesers entwickeln.”  Ryan ist weniger Martin als Rothfuss, zeigt jedoch mit seinem handwerklich soliden Debüt, dass er das Potenzial hat, einer der bekannteren Namen des Fantasy-Genres zu werden.
Der Herr des Turmes, der zweite Teil der Rabenschatten-Trilogie, erscheint am 28. September 2015.