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Auf einen Schnack mit Charles Rettinghaus

10.12.2014

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Ein Spaziergang mit Charles Rettinghaus um den Schlachtensee in Berlin

Charles, das ist ein schönes Fleckchen. Bist du oft hier? Ich gehe hier öfter mit meinem Hund spazieren. Auch wenn ich kein großer Naturmensch bin, aber diesen See mag ich sehr gern. Als ich 1986 nach Berlin kam, war das einer der ersten Gewässer, die ich erkundet habe. Ich hatte damals den Traum, hier zu wohnen. Da drüben wohnt zum Beispiel Götz George. Doch leider ist es hier unbezahlbar, so viele Bücher kann ich gar nicht einlesen (lacht).

Du bist seit vielen Jahren Synchronsprecher. Erkennt man dich oft an deiner Stimme? Ja, das passiert immer wieder. In letzter Zeit sagen mir Menschen öfter, ich sei der Held ihrer Jugend. Sie meinen dann zum Beispiel meine deutsche Stimme von Jean-Claude Van Damme, den ich ja seit fast 25 Jahren synchronisiere. Damit und auch mit Serien wie Star Strek sind viele aufgewachsen. Andere kennen dann vielleicht Bibi und Tina. Die Jüngeren kennen mich eher als deutsche Stimme von Jamie Foxx. Daran merke ich immer wieder wie facettenreich mein Job ist, auch was die Altersspanne angeht.

Was macht im Augenblick den Großteil deiner Arbeit aus? Ich hatte immer das Glück, dass ich viel synchronisieren konnte. In den letzten zwei bis drei Jahren habe ich dazu einige Filme und Serien gedreht und auch mehr Hörbücher gesprochen. Vieles davon resultierte übrigens aus meiner Synchronarbeit. Meine Stimme ermöglichte mir sozusagen, mehr und mehr als Schauspieler vor der Kamera zu stehen und auch als Hörbuchsprecher gefragt zu sein.

Ich durfte einmal sogar neben Jean Reno und Ed Harris als Best Supporting Actor stehen. Das war unglaublich für mich!
Gab es in deiner Karriere eigentlich einen besonderen Moment, von dem an sich vieles geändert hat? 2010 habe ich in Dortmund einen Kurzfilm gedreht. Die Hälfte der Rolle wurde über das Telefon gespielt, es lief also sehr viel über meine Stimme. Mit diesem Film haben wir auf vielen amerikanischen Festivals Preise bekommen. Ich habe sogar einmal neben Jean Reno und Ed Harris als Best Supporting Actor stehen dürfen. Das war unglaublich für mich! Diese Preise werden natürlich auch von Agenturen wahrgenommen und so begann sich einiges zu entwickeln.

Gehst du heute noch zu Castings? Ich muss natürlich auch zum Casting. Casting bedeutet ja immer die Frage, kriegst du die Rolle oder kriegst du sie nicht, und ich bin davor immer noch sehr aufgeregt. Wenn ich daher für eine Rolle empfohlen werde und der Produzent mich ohne Casting besetzt, empfinde ich das als großes Glück.

Gibt es noch Herausforderungen für dich? Oh ja, immer wieder! Ich habe vor kurzem Sommer 1927 von Bill Bryson gelesen, eine tolle Geschichte. Das Buch hat mich jedoch ganz schön heraus gefordert. Ich denke dann schon bei der Aufnahme an die kritischen Menschen, die sich manchmal in ihren Rezensionen sehr unfreundlich äußern. Vielleicht habe ich wieder Dinge falsch gemacht, aber ich gebe mir bei meiner Arbeit immer Mühe. Es wäre schade, wenn Menschen nur das wahrnehmen, was ihnen nicht gefällt und nicht die Arbeit, die man gut gemacht hat.

Das Internet ist manchmal gnadenlos, oder? Einerseits sind es die Menschen, die sich anonym auslassen, andererseits würde ich heute mit mehr Erfahrung natürlich vieles anders machen. Mein erstes Hörbuch klingt ganz anders als das letzte, das ist ja logisch. Online ist jedoch alles zu finden, das ist manchmal richtig ärgerlich. Auch beim Synchron oder bei früheren Filmen denke ich manchmal ‘Oh Gott, was habe ich denn da gemacht?’

Früher habe ich auch mal gesungen. Da gibt es noch gruselige Dinge von mir!
Wie gehst du mit diesen Dingen um? Ich sehe das so: Alles hat seine Zeit. Man macht Dinge, die man im Moment gut und richtig findet und einige Zeit später empfindet man das alles vielleicht als furchtbar. Das gehört dazu. Ich habe früher zum Beispiel gesungen. Auch da gibt es gruselige Dinge von mir, aber so ist das eben. Ich mag das auch, damit zu spielen. Ich gebe jedes Mal mein Bestes und lerne dazu, und in einem Jahr gebe ich wieder mein Bestes. Wenn alles gut läuft, sind dazwischen Fortschritte festzustellen.

Denkst du viel über das Altern nach? Eigentlich fange ich jetzt erst an über das Altern nachzudenken. Das Feld wird größer, in dem man Leute kennt, die sterben. Ich wünsche mir für mich, dass ich im Alter immer noch arbeiten kann. Es geht mir nicht nur darum Geld zu verdienen, sondern ich möchte auch im Alter noch etwas tun können.

Könntest du auch auf dem Land leben? Das kann ich mir schon vorstellen, ja. Ich würde dann gerne ein kleines Studio haben und Bücher einlesen und dann zum Beispiel am Wasser wohnen. Eine schöne Vorstellung, oder?

Worauf könntest du nie verzichten? Auf meine Familie. Meine Kinder sind mir das Wichtigste. Ich möchte möglichst immer ein gutes Verhältnis zu ihnen haben, das liegt mir sehr am Herzen.

In welchen Filmen bist du im Moment zu hören? Am 15. Januar 2015 wird der Musicalfilm Annie mit Jamie Foxx in die Kinos kommen. Das ist wirklich ein großartiger Film. Außerdem ist der Film Der Richter absolut empfehlenswert. Mit Robert Downey Junior und Robert Duwall. Ich würde mal schätzen, er wird dafür einen Oscar bekommen.

Wie sieht Weihnachten bei euch aus? Als meine Kinder ganz klein waren, war das natürlich toll, die großen Augen vor dem Weihnachtsbaum! Auch jetzt mache ich meine Pute und alle müssen klatschen, wenn ich sie an den Tisch bringe. Dann müssen alle sagen: „Oh Papa, hast du das toll gemacht!“ Und wenn ich dann reinbeiße und sage „Oh, ist die gut!“ dann müssen alle antworten, „Hm, schmeckt die gut!“ (lacht). Das Schöne ist aber, dass wir dann alle zusammen sind. Die Massen von Konsum machen mir keinen Spaß.

Alle Hörbücher von Charles Rettinghaus.