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Auf einen Schnack mit Richard Barenberg

03.12.2014

Steckbrief Richard Barenberg_1100Im Kaffeehaus Einstein mit Richard Barenberg

Warum hast du das Café Einstein in der Kurfürstenstraße in Berlin ausgesucht? Es ist für mich das schönste Einstein Café, das es gibt. So ein richtiges Kaffeehaus gibt es in Berlin eher selten und das Schöne ist, dass das Aufnahmestudio, in dem ich gerade arbeite, ganz in der Nähe liegt.

Du bist also ein Kaffeehaus-Typ? Ja absolut! In meiner Heimatstadt Bamberg war ich früher häufig im Café Müller, das war während der Schulzeit mein zweites Wohnzimmer. Wenn ich jetzt zum Beispiel während einer Tournee in einer neuen Stadt bin, lasse mich gerne treiben und suche mir ein schönes Café, wo ich in Ruhe sitze und mir die Menschen ansehe. Was essen sie? Wie sprechen sie? Das weckt mich innerlich wieder auf, denn in Berlin tue ich vieles automatisiert und achte weniger darauf, wie die Menschen um mich herum wirklich sind.

Mein erstes Hörbuch war wie eine Einstiegsdroge
Wann hast du dein erstes Hörbuch gesprochen? Anfang 2012 habe ich mit dem Hörbuchsprechen begonnen. Das erste Buch hieß Das Buch Der Fünf Ringe von Musashi Miyamoto, ein Sachbuch. Damals war ich aufgeregt, weil es ein ganz neues Projekt für mich war. Als Einstieg ist so ein kurzes Sachbuch prima, man könnte sagen eine gute Einstiegsdroge. Mein zweites Hörbuch war dann die Karrierebibel von Jochen Mai, auch ein Sachbuch. Und so hat sich das dann entwickelt.

Was gefällt dir beim Hörbuchsprechen besonders gut? Diese Arbeit liegt sehr stark in meinen eigenen Händen, das hat mir von Anfang an gut gefallen. Ich mag die Verantwortung. Seit 2012 spreche ich nun Hörbücher und spüre richtig, wie mich diese Arbeit bereichert. Ich lerne viel dazu, inhaltlich aber auch über mich selbst und ganz grundsätzlich über diese Arbeit. Es ist außerdem schön zu spüren, dass die Leute es gerne mögen wenn ihnen jemand vorliest, denn das tue ich wirklich gerne.

Hat dich etwas bei der Hörbuchproduktion überrascht? Ja! Man ahnt zunächst nicht, wie lange es dauert, ein Hörbuch zu produzieren. Neben meiner Arbeit als Sprecher ist auch ein Lektorat daran beteiligt. Natürlich ist der Tontechniker sehr wichtig und später gibt es auch einen Abhörer. Selbst ich habe ja nur den Bruchteil einer Vorstellung, wer da alles beteiligt ist. Als ich ein Hörbuch einmal direkt bei Audible im Büroeigenen Studio aufgenommen habe, wurde mir bewusst, wie viele Menschen daran arbeiten.

Was ist der schönste Moment während einer Hörbuchproduktion für dich? Der Moment, in dem man in der Geschichte angekommen ist, zusammen mit dem Aufnehmer oder Regisseur. Das ist dann ganz ähnlich wie beim Theater, wenn der Kontakt zum Publikum entsteht. Da passiert etwas Irrationales.

Was war eine ganz besondere Produktion für dich, wo so etwas passierte? Vor einiger Zeit habe ich Das Gleichgewicht der Welt von Rohinton Mistry aufgenommen. Ein wirklich tolles Buch und ich hoffe, wir sind dem gerecht geworden. Während der Aufnahme entstand eine richtige Verbindung zwischen mir und dem Aufnahmeleiter und ich las einmal sogar 30 Seiten komplett ohne Unterbrechung. Das, was da mit uns passierte, war für uns wie ein magischer Moment. Großartig!

Das Hörspiel ist für mich die Krone in der Audioproduktion
Kann man dich auch in HörSPIEL-Produktionen hören? Ja, ich habe eine sehr kleine Rolle bei Ender’s Game gespielt. Dann habe ich auch im Hörspiel Der Seelenbrecher von Sebastian Fitzek mitgesprochen. In der neuen Cybercrime-Hörspielserie Glashaus spreche ich den Kalle.

Was gefällt dir bei Hörspielproduktionen? Das Hörspiel ist für mich die Krone in der Audioproduktion. Es vereint so viele unterschiedliche Künste. Damit meine ich einerseits die verschiedenen Stimmen, aber vor allem auch den Sound oder die Geräusche, die ja zum großen Teil extra für das Hörspiel gemacht werden. Da sind also Schauspieler, Tontechniker, Geräuschemacher, Regie und alle arbeiten als Team. Das macht mir sehr viel Spaß.

Hörst du selbst Hörbücher oder Hörspiele? Ich höre privat sehr gerne Hörspiele, zum Beispiel höre ich tatsächlich noch Die Drei ??? oder John Sinclair. Auf langen Autofahrten höre ich auch hin und wieder ein Hörbuch.

Ist der Schauspielerberuf eigentlich so wie du ihn dir früher als Student vorgestellt hast? Ich glaube erst wenn man wirklich etwas macht erkennt man, was alles möglich ist. Das ist ja nicht nur mit dem Schauspielstudium so, das ist doch bei allen Berufen so, die man lernt und dann später richtig ausübt. Klar, ich hab Schauspiel studiert mit dem Blick auf Theater und Dreh. Aber es hat sich in der Zwischenzeit vieles geändert und ich entdecke immer mehr Dinge, die ich in meinem Beruf machen kann.

Bist du gerne freiberuflich tätig? Die Freiberuflichkeit kenne ich jetzt mit allen Licht- und Schattenseiten, denn ich bin jetzt seit 2003 freischaffend, also schon eine ganze Weile. Ich empfinde das, was ich tun kann als sehr privilegiert. Ich darf anderen Menschen Bücher vorlesen und darf damit mein Geld verdienen. Das ist doch eine der schönsten Dinge, die man machen kann.

Ist es dir wichtig, was andere von deiner Arbeit denken? Früher hat mich das sehr gestört wenn man Fragen gestellt bekam wie „Und? Was machst du vormittags?“ oder „Wann bist du denn mal wieder im Fernsehen zu sehen?“, aber jetzt sehe ich das gelassen und nehme mir die Zeit zu erklären was ich tue und woraus mein Beruf besteht.

Du bist in Indonesien geboren und in Bamberg aufgewachsen. Fühlst du dich von beiden Kulturen sehr beeinflusst? Ich bin zwar auf Java geboren, doch meine Familie lebte schon lange in Bamberg. Ich bin sehr deutsch groß geworden. In Bamberg war ich perfekt integriert, hab Fußball gespielt, war Ministrant und so weiter. Natürlich gibt es einen kulturellen Einfluss, den ich auch in mir spüre. In meiner Familie ist zum Beispiel immer Open House und Gastfreundschaft ist selbstverständlich. Diese Offenheit gegenüber anderen Menschen hat meine Mutter mir mitgegeben. Das ist auch für meinen Beruf sehr wichtig.

Alle Hörbücher von Richard Barenberg.