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Bond, Bourne und Tesseract: Der Geheimagent im Wandel der Zeit

12.08.2014

Als das Agentenleben noch schillernd und übersichtlich war: James-Bond-SpielzeugautoAls das Agentenleben noch schillernd und übersichtlich war: James-Bond-Spielzeugauto. JD Hancock, CC-BY-SA 2.0
Wie der Geheimagent zur Doppelnull wurde

Der gemeine Zahn der Zeit nagt an jedem Berufsbild. Dazu wissen nicht nur Telefonistinnen, Spirographen-Hersteller und häuslebauende Bundespräsidenten eine wehmütige Ballade anzustimmen. Auch der uns jahrzehntelang so liebgewonnene Geheimagent des alten Schlages steht ob der jungen Konkurrenz ganz kurz vor der popkulturellen Zwangsrente. Wie konnte es dazu kommen?

Als 1952 James Bond , der Archetyp aller Geheimagenten, durch die Feder Ian Flemings das Licht der Welt erblickte, war diese noch in Ordnung. Im Westen gab’s Aston Martins, Walther PPKs und Martinis - im Osten katzenstreichelnde Choleriker mit Hang zu taktischen Nuklearsprengköpfen. Die damaligen Voraussetzungen für den Job des Doppel-Null-Agenten waren das fachgerecht umgekehrte Aufsagen des eigenen Namens, an Markenfetischismus grenzende Kennerschaft in Fragen der Luxus-Artikel-Branche und ein, heute eher im Bereich der Chick-Lit zu findender, Spleen was die Zubereitung alkoholischer Getränke angeht.

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Bösewichte und Beischlaf - mit der Lizenz zum Hedonismus

Um die Bösewichte auf Ihren geheimen Raumstationen oder in ihren Vulkan-Abschussbasen zur Strecke zu bringen, musste der Geheimagent keine Selbstzweifel durchstehen oder Traumata aufarbeiten. Er ließ sich einfach mit einer unerhörten Spesenkasse in ein exotisches Land fliegen, betrank sich am Morgen ein bisschen am Pool und ging dann ins Casino. Dort angelangt, wartete schon eine Gespielin des Bösewichtes auf Herrn Bond, die sich ganz doll fest vorgenommen hatte ihn umzubringen, es aber aus irgendeinem Grund immer bis nach dem Schmusen verschob, und es dann ob James Bonds Schmusequalitäten einfach nicht mehr fertigbrachte. Jene, die Bond nicht beschlafen wollte (besonders zickige Weiber, unattraktive Männer mit Stahlgebissen, dicke Chinesen die Hüte schmeißen) wurden durch das Drücken auf eine Uhr oder auf einen hübschen Federhalter in die Luft gesprengt und die Welt war gerettet. Soweit, so einfach.

Der Spion, der nicht siegte: Bourne und Tesseract

Und heute? Sieht der Held aus einem guten Dutzend Romanen und Verfilmungen doch sehr alt aus. Geradezu ausgemustert gegen seine sportlichen jungen Kollegen. Heute gelten im Geheimdienstgeschäft eben andere Qualitäten. Wo das markige Nennen des Namens früher zum Berufsethos gehörte, können sich die modernen Geheimagenten nicht mal mehr an ihren Namen erinnern, wie in Robert Ludlums Bourne-Reihe oder sie heißen schmalspurig „Viktor“, wie in Tom Woods Codename Tesseract. Das klar umrissene Weltbild von damals ist einem undurchsichtigen Gewühl aus Verschwörungen gewichen.

Wie sich unsere echte Welt nicht mehr in dies- und jenseits der Mauer einordnen lässt, so kommt auch für den Agenten von Heute die Gefahr aus allen Richtungen. Der schon 1980 zum Leben erweckte Jason Bourne kämpft erst einmal gegen sein eigenes Trauma und erst dann, auf sich alleingestellt, gegen ein Gestrüpp aus Geheimdiensten und oligarchischen Großkonzernen. Dem noch einmal deutlich aktuellerem Viktor aus Codename Tesseract ist es sogar weitgehend egal gegen wen er kämpft – Hauptsache die Bezahlung stimmt. Hier hat die harte Realwirtschaft Einzug in die einst so sorgenfreie Welt der Geheimdienste gehalten.

Der Traum ist aus, es lebe das Trauma

Frauen tauchen zu allem Überfluss nur sehr spärlich im Leben der beiden modernen Agenten auf. Und wo es früher einen wohlmeinenden Klaps auf den Po gab, gibt der Held von heute gerne mal eine Kopfnuss auf Damenschädel oder nimmt das schöne Geschlecht direkt als Geisel. Vorbei die Zeiten als man sich erst von einer orientalischen Schönheit massieren lassen durfte, um dann locker ihren halbherzigen Mordversuch zu vereiteln und nach der Entwaffnung zwangsläufig die Entkleidung folgte.

Überhaupt das Körperliche: Der Agent von heute sprintet, hopst, schwitzt Blut und Wasser und holt sich schmerzhafte Brüche und Blessuren. Die Erzfeinde fliegen nicht mehr per Knopfdruck in die Luft oder enthaupten sich durch falsch geworfene Messerhüte selbst. Viktor und Bourne müssen sich permanent mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln ihrer Haut erwehren. Und der Lohn all dieser Mühen ist nicht länger das Bond-Girl unter der Palme, sondern das blanke Überleben und womöglich ein bisschen Aufklärung darüber, wer einem eigentlich nach dem Leben trachtet. Man merkt: Die Realität ist auch bei den Geheimagenten angekommen. Das mag einem Bond nicht so gefallen, dem Hörer moderner Agenten-Thriller gefällt es aber umso mehr.

Unsere geheimen Agenten-Aufträge für euch bei Audible:

Die Serie rund um den den Auftragskiller Tesseract von Tom Wood

Das Bourne-Duell von Robert Ludlum und Eric van Lustbader

Carte Blanche: Ein James-Bond-Roman von Jeffery Deaver

Agent Shaw in David Baldaccis Die Kampagne

Und natürlich der Agent, der die Frauenherzen höher schlagen lässt: Bond - James Bond.

Casino Royale (James Bond 1)Leben und sterben lassen (James Bond 2)Moonraker (James Bond 3) Diamantenfieber (James Bond 4)Liebesgrüße aus Moskau (James Bond 5)

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