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Brüchige Welten - der Autor Andreas Eschbach im Interview

Von: Gast
26.10.2011

Das Studium der Luft- und Raumfahrtechnik brach Andreas Eschbach einst ab, blieb aber der Entdeckung neuer Welten auf dem Papier treu. Der Autor ist bekannt für seine düster-dystopischen Gedankengebäude, in denen eine nicht allzu ferne Zukunft dem Leser beklemmend nahe kommt – nicht umsonst halten ihn viele für die deutsche Antwort auf den amerikanischen Autor Michael Crichton (u.a. „Jurassic Park“).

In seinem neuen Roman „Herr aller Dinge“ entwirft Eschbach erneut eine Welt, die den  Fortschrittsglauben auf eine harte Probe stellt. Mühelos gelingt es dem Autor, Sozialkritik und neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft miteinander zu verbinden.

Im Interview mit Silvia und Paul erzählt Eschbach, warum seine Protagonisten oft zurückgezogen leben und er seine Romane manchmal lieber als Hörbuch verschenkt.

Hörbücher-Blog: Herr Eschbach, Mitte September erschien ihr neuer Roman Herr aller Dinge. In dem Buch behandeln Sie Themen wie die Kluft zwischen Arm und Reich, Politik, Umweltprobleme oder Nanotechnologie - keine leichte Kost. Welches dieser Themen war Ihnen das Wichtigste?

Andreas Eschbach: Die Vielfalt der Themen ist mir während des Schreibens überhaupt nicht aufgefallen. Die Grundidee vom technisch machbaren Überfluss hatte ich schon Mitte der 90er Jahre. Später sind dann immer mehr Einzelheiten dazugekommen wie Puzzlesteine, bis es schließlich rund war. Insofern kann ich nicht einen Aspekt rausgreifen. Das käme mir künstlich vor.

Hörbücher-Blog: Haben Sie eine Stelle in dem Roman, die besonders schwierig war, zu entwickeln?

Andreas Eschbach: Nein, gar nicht. Das hatte ich bei anderen Romanen schon manchmal. Bestimmte Stellen haken dann und man weiß nicht so recht, wie man es lösen soll. Das ging mir bei dieser Geschichte aber gar nicht so. Sie ist mir quasi aus der Feder geflossen.

Hörbücher-Blog: Uns ist aufgefallen, dass ihre Protagonisten oft sehr einsam und zurückgezogen leben. Was fasziniert Sie daran?

Andreas Eschbach: Ich lebe selbst auch eher zurückgezogen, daher stehen mir diese Figuren näher. Ich bin nicht der Mensch, der sich in großer Gesellschaft wohlfühlt, sondern suche die Einsamkeit. Das spiegelt sich in meinen Protagonisten wieder.

Hörbücher-Blog: Wovon lassen Sie sich inspirieren? Sind es Ereignisse aus dem realen Leben oder ist die Idee für eine Handlung einfach irgendwann da?

Andreas Eschbach: Ideen kommen erst mal gefühlt aus dem Nichts. Schaut man genauer hin, so entstehen sie natürlich keineswegs einfach so, sondern aus dem, was einen interessiert. Diese Gedanken bilden dann den Nährboden. Da man einem Stück Mist vorher allerdings nicht ansieht, dass darauf eine Rose wachsen kann, weiß man vorher auch nicht, was sich daraus entwickelt.

Hörbücher-Blog: Bei Ihren Büchern hat man das Gefühl, dass Sie sich sehr mit den Problemen unserer Welt auseinander setzen. Wollen Sie die Menschen damit aufrütteln, bewusster mit unserer Welt umzugehen?

Andreas Eschbach: Es ist keine Botschaft, sondern eher ein Gefühl, das ich habe und mitteilen möchte. Die Konstellation in meinem neuen Roman ist ja: Es gibt nur eine Erde, und wir müssen damit zurechtkommen. Und wie machen wir das? Mein Gefühl ist: Wir machen das schlecht.

Hörbücher-Blog: Wie stehen Sie zum Medium Hörbuch? Hören Sie Hörbücher?

Andreas Eschbach: So gut wie nie. Ich lese sehr viel schneller, als mir vorgelesen werden kann und wäre deshalb sehr nervös beim Hören. Aber ich bin froh, dass es Hörbücher gibt, weil andere Menschen einfach einen anderen, einen akustischen Zugang zu Geschichten haben. Einem guten Freund hab ich meine Bücher geschickt und er kam aus rätselhaften Gründen nie dazu, sie zu lesen. Seit ich ihm meine Hörbücher schenke, ist er ganz begeistert.

Andreas Eschbach: Herr aller DingeHörbücher-Blog: Die Hörbuchfans, die auf unserer Plattform Hörbücher herunterladen, favorisieren ganz klar ungekürzte Hörbuchfassungen. In Zusammenarbeit mit Lübbe Audio ist „Herr aller Dinge“ das erste ihrer Hörbücher, das es auch ungekürzt gibt. Wie stehen Sie zu Kürzungen bei der Hörbuchfassung?

Andreas Eschbach: Ich staune immer, dass es tatsächlich Leute gibt, die 800 Seiten auf ein Viertel kürzen und trotzdem das Wesentliche des Buches wiedergeben können. Ich könnte das nicht. Wenn ich es könnte, wären meine Bücher auch bestimmt kürzer. Ich höre mir die gekürzten Fassungen aber immer gerne an, weil ich denke, da kann man noch lernen mehr auf den Punkt zu kommen. Das finde ich eigentlich immer recht spannend.

Hörbücher-Blog: Für die Hörer, die Sie noch nicht kennen: Mit welchem ihrer Bücher / Hörbuch sollte man ihrer Meinung nach starten?

Andreas Eschbach: Ich denke, „Herr aller Dinge“ ist sicherlich kein schlechter Anfang. Von da an rückwärts.

Hörbücher-Blog: Von der Vergangenheit ein Blick in die Zukunft: Im November erscheint ihr neuer Roman „Hide Out“. Um was geht es in diesem Roman, und wird es ihn auch als Hörbuch geben?

Andreas Eschbach: „Hide Out“ ist die Fortsetzung des Romans „Black Out“. Darin schalten Menschen ihre Gehirne zusammen und werden so zu einer Art Superintelligenz. Auf diese Weise verliert die Menschheit jedoch gleichzeitig ihre Individualität. Das Ganze ist als Trilogie angelegt, der nächste Band wird nächstes Jahr erscheinen.

Hörbücher-Blog: Herr Eschbach, vielen Dank für dieses Gespräch!

Der Hörbücher-Blog verlost ein signiertes Leseexemplar von “Herr alle Dinge”! Einfach bis zum 04.11.2011 in den Kommentaren folgende Frage beantworten: Welches Studium brach Andreas Eschbach ab? Das Buch wird unter allen richtigen Lösungen verlost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Update: Wir setzen noch eins drauf und verlosen zusätzlich jeweils 2 Freikarten für die Lesungen in Hamburg (08.11.) und München (14.11.)! Bitte bis zum 04.11.2011 in den Kommentaren die Stadt Eurer Wahl angeben. Die Namen der Gewinner kommen dann auf die Gästeliste der jeweiligen Lesung. Ihr könnt natürlich auch bei beiden Verlosungen mitmachen.

Termine für die Autorenlesung von „Herr aller Dinge“:

18.11.2011 19:30 Jülich
17.11.2011 20:15 Bielefeld
16.11.2011 (offen) Ochsenhausen
15.11.2011 20:00 Erdmannhausen
14.11.2011 20:30 München
11.11.2011 (offen) Lampertheim
10.11.2011 19:30 Detmold
9.11.2011 20:15 Hannover
8.11.2011 20:15 Hamburg
7.11.2011 20:30 Kiel
Weitere Infos zu den Lesungen von Andreas Eschbach