Audible

Cypherpunks – Wir sind Opfer der Geheimdienste

06.02.2014

[caption id=“attachment_32202” align=“aligncenter” width=“600”]IMG_0901 Höflicher E-Mail Verkehr im Jahr 2014[/caption]

 

Macht uns das Internet zu Opfern der Geheimdienste? Die„Cypherpunks“ Julian Assange, Andy Müller-Maguhn, Jacob Appelbaum und Jérémie Zimmermann sagen ja. Heute ist  endlich das deutsche Hörbuch Cypherpunks mit den Sprechern David Nathan, Uve Teschner, Elmar Böger und Peter Lontzek erschienen. Es geht um die wohl größten Nebenwirkungen und Risiken der weltweiten digitalen Vernetzung: Überwachung und Datenspeicherung. Das Buch ist zwar schon 2012 erschienen, aber aktueller kann das Thema gar nicht sein, wenn man bedenkt, dass auch BundeskanzlerInnen davon nicht ausgenommen sind. Kann man überhaupt etwas dagegen tun?

Abonniert unseren RSS-Feed

Egal ob Schulkind oder Großeltern, das Internet hat viele User. Wie es aussieht und funktioniert, übersteigt jedoch das Vorstellungsvermögen vieler. Irgendwo auf dem Meeresboden verlaufen Glasfaserkabel und im All schwirren Satelliten umher. „Das Internet fliegt inne Luft rum“, erklärte mein über 90-jähriger Opa einmal seinem ebenso alten, jedoch internetlosen, Nachbarn das Phänomen W-Lan.

Die Pubertät des Internets

Jérémie Zimmermann glaubt, „dass wir womöglich [gerade] das Erwachsenwerden, die Jugendjahre des Internets erleben“. Zimmermann ist Internet-Aktivist. Im Juni 2012 sitzt er zusammen mit Jacob Appelbaum (ebenfalls Aktivist), Andy Müller-Maguhn (Chaos-Computer-Club-Hacker) und Julian Assange (WikiLeaks-Gründer) in Großbritannien. Gesprächsthema: „Unsere Freiheit und die Zukunft des Internets“.

Edward Snowden ist zu diesem Zeitpunkt noch ein unbekannter NSA-Mitarbeiter. Erst ein Jahr später enthüllt er die weltweiten Überwachungs- und Spionagepraktiken von US-Diensten und bestätigt was Assange, Müller-Maghun, Appelbaum und Zimmermann in ihrem Buch Cypherpunks bereits festgehalten haben. Im Netz gibt es keine Privatsphäre. Niemand wird sich selbst erinnern können, was er vor vier Jahren gegoogelt hat, Google aber weiß es noch. Über jeden einzelnen Internetnutzer gibt es Daten, die jeden Mausklick dokumentieren - Server mit gesammeltem Wissen. Daten sind wertvoll und Wissen ist Macht. Das macht Angst.

In Cypherpunks wird der Schutz der Privatsphäre im Internet als ein noch unerschlossener Markt beschrieben und mit dem Händewaschen verglichen. Bevor die Menschheit sich die Hände wusch, musste ihr erst Angst gemacht werden vor diesen kleinen für das bloße Auge unsichtbaren Bakterien. Angst ist gut und Seife schafft Abhilfe. Aber wie schützt man sich vor der Überwachung im Netz?

Stell dir vor, es ist Internet und keiner geht hin

Der totalitären Überwachungsgesellschaft entkommt man nur, wenn man in eine Höhle flieht. Es ist eine nicht ganz ernstgemeinte Idee, die die Cypherpunks vorschlagen. „Ohne Internet beraubt man sich seiner eigenen Einflussmöglichkeiten“, heißt das Gegenargument der Netz-Aktivisten. Eine andere Lösung wäre die Kryptographie. „Mathematische Probleme lassen sich nicht mit Gewalt lösen“, indem man seine Kommunikation verschlüsselt, stellt man mathematische Probleme selbst her.

Freiheit oder Sicherheit?

Assange, Müller-Maghun, Appelbaum und Zimmermann sehen die Überwachung des Internets als eine „Große Bedrohung der Demokratie und Freiheit auf der ganzen Welt“, die sich nicht regulieren lässt. „Beim Strategischen Abschöpfen von Daten geht es darum alle zu erfassen, egal ob schuldig oder unschuldig“ heißt es. „Es wird immer an politischen Willen mangeln, staatliche Spionage aufzudecken.“ Genau diesen vermissten viele Deutsche nach der Spionageaffäre 2013. Was ebenfalls fehlte, war ein größerer Aufschrei der Bevölkerung.

Wer interessiert sich schon für das, was ich bei Facebook teile? Wenn wirklich sämtliche Daten, Mails, Gespräche und Informationen aus dem Internet gespeichert werden, sind diese amerikanischen Server voll mit Fotos von Essen, Katzen und Kleinkindern. Millionen Gespräche, die irgendein NSA-Praktikant mit High School- Deutschkenntnissen ins Englische übersetzen muss, hören sich so an:

„Ich liebe dich.“ „Ich liebe dich mehr.“ „Nein, ich liebe dich mehr.“

„Leg du auf!“ „Nein, du!“ „…“

Auch Assange und Co. bestreiten nicht, dass der Mensch, sobald er Lesen und Schreiben gelernt hat, „Bullshit“ im  Internet verbreitet. Aber es geht um mehr. Terrorismusbekämpfung, Kinderpornographie, Geldwäsche und Drogen sind laut den Cypherpunks Vorwände für flächendeckende Überwachung. Es geht um Grundrechte, um Meinungsfreiheit und Zensur. Wie durch Internetüberwachung Menschen verfolgt werden, hat unter anderemdie Revolution in Ägypten im Jahr 2011 gezeigt.

Wer mehr über das Thema „Überwachungsstaat“ erfahren möchte, dem sei neben dem Hörbuch Cypherpunks auch dieses Video empfohlen:

Was ist eure Meinung zu den „Cypherpunks“ und ihren Thesen? Geht ihr seit den Enthüllungsskandalen anders mit dem Internet um? Grüßt ihr die NSA in Ihren Mails oder schreibt ihr wieder Briefe? Wascht ihr euch die Hände oder habt ihr euch schon eine Höhle im Wald gesucht? Wie sieht sie eurer Meinung nach aus, die Zukunft des Internets? Diskutiert mit uns!

Hier geht es zum Hörbuch Cypherpunks von Julian Assange, Andy Müller-Maguhn, Jacob Appelbaum und Jérémie Zimmermann.

Wer das Hörbuch lieber auf Englisch anhören möchte, erhält hier die englischsprachige Version des Hörbuchs. Keinen Artikel verpassen? Dann abonniere jetzt den RSS Feed des Hörbücher-Blogs!