Audible

Das gesprochene Wort – Literatur zum Hören

11.03.2016

Buchlesungen erfreuen sich großer Beliebtheit und das aus gutem Grund: Anspruchsvolle Belletristik bekommt eine eigene Note, wenn sie vorgelesen wird. Da die Stimme eines Autors oder Schauspielers den Worten eine stärkere Suggestivkraft verleiht, kann der Zuhörer sich ganz auf die Erzählung einlassen. Mittlerweile haben sich auch Lesungen mit mehreren Sprechern etabliert. Diese „Live-Hörspiele“ haben ihren ganz eigenen Reiz, werden die Zuhörer selbst zu Szenaristen. Mit Hörbüchern und Audiodramen wie sie Audible im Programm hat, lässt sich zeitgenössische Literatur jederzeit zu Hause genießen. Wir haben für Sie hörenswerte Neuerscheinungen herausgesucht.

Preis der Leipziger Buchmesse 2016

Am 17. März ist es wieder soweit: Der Preis der Leipziger Buchmesse wird zum elften Mal an herausragende Werke in den Kategorien „Belletristik“, „Sachbuch/Essayistik“ und „Übersetzung“ vergeben. Einige Nominierungen können schon jetzt als hochwertige Hörbuch-Fassungen gehört werden.

Frank Heibert wurde für seine Übersetzung von Richard Fords „Frank“ nominiert. Der Held der Geschichte, Frank Bascombe, hat sich als kauziger Chronist us-amerikanischer Lebensverhältnisse bereits einen Namen gemacht. Mittlerweile 68 Jahre alt äußert er sich erneut zur Lage des Landes, die ganz unter dem Eindruck der Verwüstungen des Hurrikan Sandy steht. Die tiefsinnigen Betrachtungen werden exzellent vorgetragen von Christian Brückner, der vielen Hörern als Synchronstimme von Robert de Niro im Ohr ist.

Der große Dramatiker Roland Schimmelpfennig wurde für sein Romandebüt nominiert. In „An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“ (gelesen von Axel Wostry) gruppiert der Autor die Schicksale seiner Protagonisten um einen Wolf. Das abgemagerte Tier stromert Richtung Berlin und löst damit eine Kette von Ereignissen aus, die die Urängste der Menschen zu Tage fördern.

Ebenfalls auf der Liste der potentiellen Preisträger zu finden: „Der goldene Handschuh“, geschrieben und gelesen von Heinz Strunk. Dem Autor ist es gelungen, die todtraurige Geschichte über den Frauenmörder Fritz Honka unnachahmlich komisch zu erzählen. Wer könnte also dem „empathischen Porträt eines Erniedrigten“ (Deutschlandradio Kultur) besser Ausdruck verleihen als der Hamburger Satiriker selbst?

Unter Schriftstellerinnen: Juli Zeh und Ronja von Rönne

Auch im aktuellen Roman von Juli Zeh „Unterleuten“ ist das Sprichwort „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ stets präsent. Als ein Windpark in der Nähe eines Dorfes in Brandenburg gebaut werden soll, bricht der schwelende Konflikt zwischen den Bewohnern offen aus: Wendegewinner gegen Wendeverlierer und alle gegen zugezogene Städter, die ihr ländliches Idyll ohne Wenn und Aber verteidigen. Helene Grass, Tochter von Günter Grass, versteht es hervorragend, mit ihrer Stimme die Hölle hinter der Anfangs beschaulichen Fassade zu entfesseln.

Die Welt-Kolumnistin und gefeierte Nachwuchsautorin Ronja von Rönne hat mit „Wir kommen“ einen beeindruckenden Debütroman über die emotionale Katatonie unserer Zeit hingelegt. Ihre Protagonisten suchen das Extreme, um sich überhaupt noch zu spüren – und scheitern schließlich an der eigenen Unfähigkeit, echte Gefühle zuzulassen. Die junge Autorin liest ihren Erstling selbst.

Unüberhörbare Brisanz: Literatur zum politischen Zeitgeschehen

Obwohl bereits 1951 geschrieben, wurde der „Der Überläufer“ von Siegfried Lenz erst jetzt veröffentlicht. Der große deutsche Autor hatte seinen Roman über die letzten Kriegstage an der Ostfront bis zu seinem Tode unter Verschluss gehalten, nachdem dieser vom Verlag abgelehnt wurde – zu groß war die Angst vor der politischen Stimmung im aufflammenden Kalten Krieg. Das Werk wird eindrücklich von Theaterschauspieler Burghart Klaußner vorgetragen.

Die verheerenden Auswirkungen von Kriegen bekommen wir auch heute noch zu spüren: Menschen aus Syrien und Afghanistan fliehen vor Gewalt und Tod nach Europa. Michael Köhlmeyer erzählt in „Das Mädchen mit dem Fingerhut“ die Geschichte eines namenlosen sechsjährigen Mädchens, das in einer westeuropäischen Stadt herumstreunt – ohne Eltern und der Sprache nicht mächtig. Ein Flüchtlingskind? Der Autor lässt diese Vermutung zu ohne diese explizit werden zu lassen.

Nicht vom Krieg aber von bitterer Armut erzählt John Irving in „Straße der Wunder“. Wer den Autor kennt weiß, dass er es stets schafft, auch schwierige Themen mit einer heiteren Leichtigkeit zu untermalen. Und so verwundert es nicht, dass die beiden mexikanischen Müllkippenkinder Kraft ihrer Fantasie dem Elend entfliehen können. Schauspieler Johannes Steck liest die Geschichte einfühlsam mitreißend.

Der besondere Tipp: Rainer Maria Rilke als Hörspiel

Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“ mit den Sprechern Jens Harzer, Stephanie Eidt und Wolf-Dietrich Sprenger lässt das Paris der Zwanziger Jahre neu entstehen – und ermöglicht einen frischen Blick auf Maltes Gefühls- und Gedankenwelt. Das „Prosabuch“ ist eine Ansammlung (fiktiver) tagebuchähnlicher Skizzen, die lose miteinander verbunden sind und durch die Stimmen zu einer Collage montiert werden.

Große Literatur bei Audible

Hörbücher und Hörspiele ermöglichen anspruchsvollen Lesern einen anderen Zugang zur Literatur. Wenn Autoren ihre Werke selbst lesen oder namenhafte Schauspieler eine stimmlich einzigartige Interpretation darbieten, eröffnen sich neue Sichtweisen – selbst auf schon bekannte Inhalte. Bei Audible gibt es eine breite Auswahl an zeitgenössischer Belletristik, Klassikern, Lyrik und Dramen, die hochwertig produziert wurden. Sämtliche Titel lassen sich auf Computer, Laptop, Smartphone oder Tablet abspielen. Dank Lesezeichen steigen Sie selbst dann, wenn Sie zum Hören von einem auf das andere Gerät wechseln, immer wieder an der richtigen Stelle ein.

Text: Sabine Listmann