Audible

Das Team: 10 Fragen an Stephan Kössler

27.09.2010

Stephan ist bei uns verantwortlich für alle Arten von Text und hat zuvor als Journalist im Musikbereich gearbeitet. Er prüft alle Texte, die auf unserer Website erscheinen oder unser Haus als Marketing-E-Mail verlassen, auf Richtigkeit - oder er schreibt sie gleich selbst. Stephan sorgt also für sprachliche Qualität und kämpft darum, uns die mühsam angelernten Anglizismen abzugewöhnen. Ansonsten ist Stephan immer für ein schnelles Kickerspiel zu haben, liebt Musik, in der am besten irgendwie Gitarren vorkommen, und greift ab und an gerne auch noch selbst zur Klampfe.

Jetzt mal ganz ehrlich: Hörst du lieber oder liest du lieber?

Inzwischen höre ich fast lieber, da ich das besser in meinen Alltag integrieren kann. Sprich: Ich höre viel unterwegs. Allerdings bin ich dabei natürlich nicht immer zu 100 Prozent aufmerksam. Deshalb hebe ich mir „anspruchsvollere“ Bücher gerne auch mal zum Lesen zu Hause auf. Vor allem im Urlaub greife ich dann tatsächlich noch am liebsten zum guten alten Buch. Zu Hause liegt gerade: „Vindings Spiel“ von Ketil Bjørnstad.

Unter den vielen Hörbuchsprechern hast Du doch sicher einen Favoriten, oder?

Hier ganz klar zwei Namen: Andreas Fröhlich und Dirk Bach. Eragon war eines meiner ersten Hörbücher und ich finde es wahnsinnig beeindruckend, wie Andreas Fröhlich den einzelnen Figuren sprachlich Charakter gegeben hat. Paradebeispiel dafür ist der Zwerg Orik mit seinen Grunzlauten. Hier nutzt Fröhlich den Freiraum, den man als Sprecher hat, ideal aus, um der literarischen Vorlage „etwas“ hinzuzufügen, eine Interpretation. Natürlich hängt es immer von der Vorlage ab, ob man sich als Sprecher besser zurücknimmt und „einfach nur“ vorliest oder sich stärker selbst als Künstler einbringt. Aber eines ist für mich klar: Es gibt kein „neutrales“ Vorlesen, das Hörbuch hat gegenüber dem Buch eine „zusätzliche“ Komponente, zur Kunst des Autors kommt die Kunst des Sprechers. Das ist aber auf keinen Fall wertend gemeint im Sinne von „Hörbücher sind besser als Bücher“ – es sind bei genauerer Betrachtung nur zwei Paar verschiedene Schuhe. Wo Autor und Sprecher kongenial zusammenwirken – um wieder zur Ausgangsfrage zurückzukehren - das sind die von Dirk Bach gelesenen Bücher von Walter Moers. Wo die überschäumende Fantasie und der Sprachwitz von Moers auf die Extravaganz und positive Verrücktheit von Dirk Bach trifft, entsteht aus einem Urknall der Imagination für mich am Ende nichts Geringeres als die pure Perfektion. Göttlich!

Erinnerst du dich noch an Dein schönstes Hörerlebnis?

Eines meiner schönsten Hörerlebnisse war sogar „live“: Simon Jäger und David Nathan in einer „Prima-Vista“-Lesung in der Kulturbrauerei in Berlin. Passagen aus Die Känguru-Chroniken. Habe mich selten so weggeschmissen wie damals in der Kulturbrauerei. Glücklicherweise habe ich das Hörbuch zu Die Känguru-Chroniken danach auch bei uns im Programm gefunden, gelesen vom Autor Marc-Uwe Kling selbst. Auch das ein wunderbar unverkrampft komischer Hörgenuss.

Es soll ja Menschen geben, die neben Hörbüchern auch Musik hören. Welches ist dein Lieblingslied?

Nur eins? Unmöglich! Die Antwort ist außerdem stark abhängig von der Tagesform, der Jahreszeit und vielen anderen Dingen. Es gibt aber ein Gesetz, dass auf 99 Prozent meiner Lieblingslieder zurifft: Es muss in irgendeiner Art und Weise Blues im Spiel sein – und das meine ich nicht auf das musikalische Genre beschränkt. I put a spell on you ist so ein Titel aus meiner ewigen Liste, am liebsten gesungen von Nina Simone; aber auch die kürzlich erschienene Version von Jeff Beck und Joss Stone finde ich gelungen. Zeitlos gut auch Chill out (Things gonna change) von John Lee Hooker und Santana. Einer der perfektesten Versuche, ein Lied auf Platte festzuhalten, ist außerdem All Along The Watchtower in der Version von Jimi Hendrix. Überhaupt gefallen mir Dylans Lieder meist besser, wenn sie von Könnern interpretiert werden. Und um wenigstens noch schnell ein paar „zeitgenössische“ Sache zu nennen: Wandering Eye von Fat Freddy‘s Drop oder Enough’s Enough von Jamie Lidell stehen derzeit auch weit oben auf meiner Liste. Und noch so vieles mehr…

Was ist für dich ein besonderer Tag oder anders gefragt: Wie muss ein Tag ablaufen, damit Du glücklich bist?

Ganz wichtig: Erst mal ausschlafen. Auch wenn manche Zeitgenossen behaupten, es sei nur eine Sache der Gewohnheit – an frühes Aufstehen werde ich mich wohl nie gewöhnen. Das ist schon mal die halbe Miete. Ansonsten muss gar nicht so viel passieren, dass ich glücklich bin: sich mit guten Freunden oder auch einfach nur mit interessanten Menschen zu treffen, reicht vollkommen aus. Wenn natürlich an so einem Tag dann auch noch die Sonne strahlt, Werder gewinnt und gute Musik am Start ist – umso besser…

Bist Du gerne unterwegs? In welches Land würdest Du gerne reisen?

Oh, es gibt noch so viele Orte auf dieser Erde, die ich gerne besuchen würde. China würde mich z. B. stark reizen, da mich einiges in der chinesischen Kultur sehr fasziniert.

Was wolltest Du schon immer gerne mal machen und hast es bisher nicht geschafft?

Diese Frage zu beantworten.

Gibt es jemanden, den Du unbedingt mal treffen möchtest?

Herrn Rossi. Würde ihn nämlich gerne mal nach dem Glück fragen.

Auf welchen Internetseiten trifft man Dich am häufigsten? Schließen wir mal Google & Audible.de aus.

Da muss ich wohl zu allererst Facebook nennen; allerdings gilt das mit dem Treffen natürlich nur für meine Freunde und Bekannten. Bis auf ein paar Ausnahmen kenne ich meine Facebook-Freunde dabei wirklich auch persönlich, ich bin eher restriktiv in den Datenschutzeinstellungen und „sammle“ keine Freundschaften. Zu meinem absoluten Standard-Surfprogramm gehören auch die Seiten von Kicker, Spiegel, Last.fm und MusikWoche, danach franzt mein Online-Verhalten relativ schnell aus und ist extrem launisch und von aktuellen Interessen getrieben. Musik- und Kulturseiten sind aber immer oben mit dabei.

Und zu guter letzt: Welches Hörbuch ist gerade auf Deinem iPod?

Gerade Speak German! von ‚Sprachpapst‘ Wolf Schneider. Ich muss nicht selten über das Deutsch-Englisch-Kauderwelsch schmunzeln, das wir hier bei uns im Büro praktizieren. Da ist es von Zeit zu Zeit ganz angebracht, sein Sprachbewusstsein wieder etwas zu schärfen. Es warten außerdem noch Die Eleganz des Igels von Muriel Barbery, Too Much Happiness von Alice Munro und Briefe in die chinesische Vergangenheit von Herbert Rosendorfer. Das Buch von Rosendorfer habe ich vor Jahren bereits einmal gelesen und würde es jetzt gerne mal hören. Falls nicht wieder irgendetwas Aktuelles dazwischen kommt…

Wenn Du uns kurz die 3 Blogs/Webseiten nennen kannst, die Du empfehlen möchtest:

  1. Deutsch-amerikanisches Verständnis: http://southeastschnitzel.wordpress.com/

  2. Journalismus: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/

  3. Essen: http://www.einfach-lecker-essen.com/