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Jürgen Domian: Der Gedankenleser

Von: Gast
07.10.2011

Mein Name ist Ute Distel und ich bin Hörbuchhörerin und Bloggerin aus Leidenschaft. Zunächst aus Zeitmangel kaufte ich mir vor ca. 10 Jahren mein erstes Hörbuch, das ich dann im Auto auf dem Weg zur und von der Arbeit hörte. Ein Stau verlor ganz plötzlich seinen Schrecken, im Gegenteil, der Stau war eine willkommene Möglichkeit, länger dem Hörbuch zu lauschen. Mittlerweile habe ich schon über 770 Hörbücher gehört und es vergeht kaum ein Tag, an dem ich nicht mindestens eine Stunde Hörbuch höre – meist länger. Vor eineinhalb Jahren begann ich mit meinem Hörbuchblog, auf dem ich alle bisher gehörten Hörbücher vorstelle und zu den meisten auch meine Meinung schreibe.

Hörbuch_GedankenleserDer Gedankenleser Autor: Jürgen Domian Sprecher: Jürgen Domian Spieldauer: 4 Std. 51 Min.

In Der Gedankenleser wird der siebenundvierzigjährige Journalist Arne Stahl bei einem Gewitter auf offenem Feld plötzlich vom Blitz getroffen. Er überlebt, doch als er im Krankenhaus wieder zu sich kommt, hört er plötzlich die Gedanken anderer Menschen. Um nicht als geisteskrank zu gelten, erzählt er niemandem von dieser Fähigkeit. Auch nicht seiner Frau. Und von ihr erfährt er, dass sie ihn nie geliebt hat, dass sie ihn eigentlich nur erträgt. Auch sein Freundeskreis und die Kollegen denken anders über ihn, als er aufgrund ihrer Äußerungen dachte.

Doch wie viel Wahrheit erträgt der Mensch? Das ist eine Fragestellung in dem Buch. Arne hat durch seine neue Gabe einen exklusiven Blick hinter die Kulissen, sprich, er hört zum Einen, was sein Gegenüber ihm sagt, hört aber gleichzeitig auch das, was sein Gegenüber eigentlich denkt. Und dazwischen liegen oft Welten! Diese Widersprüche werden in dem Hörbuch sehr gut ausgedrückt. Doch wie viel Wahrheit erträgt der Mensch überhaupt, ohne dass er sich gekränkt fühlt oder dass er den anderen für schäbigen Abschaum hält? Ist es also unserer Zivilisation zuträglicher, dass sich alle mehr oder weniger ständig belügen?

Und nun zur zweiten Fragestellung: wie lebt man richtig? Für Arne war der einzige Ausweg zunächst nach Lappland zu gehen. Über ein Jahr verbringt er dort, meist völlig alleine in der Natur und wenn er doch mit Menschen zusammentrifft, dann hört er zwar die Gedanken, versteht sie aber nicht, da er die Sprache nicht kennt. Für ihn ein völlig entspannender Zustand. Und dort lernt er ausgerechnet einen Österreicher kennen. Er hält genug Abstand, damit er keine Gedanken von ihm hört und so entwickelt sich eine tiefe Freundschaft. Doch wie ehrlich ist diese Freundschaft?

Dieses Hörbuch hat mich sehr fasziniert. Ich liebe es, wenn man beim Hören ständig Denkanreize bekommt, sich auch noch danach viele Fragen stellt und sich oft und gerne an das Buch erinnert.