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Der Gott der kleinen Dinge von Arundhati Roy

22.12.2010

Der Gott der kleinen Dinge Autorin: Arundhati Roy Sprecherin: Barbara Auer Spieldauer: 3 Stunden, 46 Minuten

Dieses Hörbuch ist eines meiner Lieblingsbücher. Ein halb-autobiographischer Roman, eine traurige und grausame Geschichte, die auf eine unvergleichbar poetische und bildreiche Art erzählt wird.

In Der Gott der kleinen Dinge geht es um die Geschichte einer privilegierten, christlichen Familie der indischen Mittelschicht in den 60er Jahren, zunächst erzählt aus Sicht der siebenjährigen Rahel und ihrem Zwillingsbruder Estha. Die Großmutter der Zwillinge betreibt eine erfolgreiche Mixed-Pickles-Fabrik, die Mutter der beiden verließ den Vater, der sich als Säufer und Schläger entpuppte und lebt fortan mit den Kindern wieder beim Rest der Familie (Großmutter, Tante, Bruder, Köchin mit Familienanschluss), da ihr als geschiedene (zudem noch interkonfessionell verheiratete) Frau kein würdiger Platz in der indischen Gesellschaft mehr eingeräumt wird.

Eines Tages kommt die britische Exfrau des Bruders mit der gemeinsamen Tochter während der Sommerferien nach Indien zu Besuch. Von diesem Tag an verändert sich das Leben der ganzen Familie, denn beim unschuldigen Spielen passiert ein schreckliches Unglück. Der Handwerker Velutha, der zur Kaste der Unberührbaren gehört und der liebste Freund der Kinder und der heimliche Geliebte der Mutter ist, wird zu Unrecht dafür verantwortlich gemacht.

Die willkürliche Grausamkeit, die Hierarchien der indischen Klassen- und Kastengesellschaft, aber auch familiäre Spannungen, Machtverhältnisse und persönliche Missgunst - all das trägt dazu bei, dass die Geschichte eine Wendung nimmt, mit der niemand mehr glücklich werden kann. Auch die Zwillinge werden gegen ihren Willen zu Mittätern gemacht und ihrem sicheren Nest entrissen. Eine Belastung, die vor allem den Jungen, Estha, zeitlebens nicht mehr loslassen wird. 26 Jahre später, nach ihrer Rückkehr an den Ort, der einst ihre Heimat war, erzählt die erwachsene Rahel die Ereignisse dieses schicksalhaften Tages und rollt dazu in vielen Rückblenden auf, was die Grundlagen dafür bildeten, dass es jemals soweit kommen konnte.

In “Der Gott der kleinen Dinge” nimmt Arundhati Roy kritisch Stellung zu vielen gesellschaftlichen und politischen Themen, die auch heute noch eine Rolle spielen. Ihre Popularität, die sie mit diesem mehrfach preisgekrönten Buch erlangte, setzt sie aktiv ein, um auf politische Missstände, Verletzung der Menschenrechte und Ungerechtigkeiten hinzuweisen  - nicht nur in Indien.

Barbara Auer liest den Text auf eine wunderbar ruhige, warmherzige Art, die einem die Personen wirklich näher bringt. Einzig dass es nicht die ungekürzte Fassung ist, könnte ein Kritikpunkt sein. Dennoch zaubert dieser Text Bilder in den Kopf, die man niemals mehr vergessen wird. Unbedingt hören, absolut empfehlenswert!