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Sibylle Berg: Der Mann schläft

Von: Gast
05.10.2011

Tanja Puttfarcken, Jahrgang 1974, ist die Vormittags-Moderatorin bei Radio Schleswig-Holstein (R.SH) in Kiel und hat seit drei Jahren eine wöchentliche Hörbuch-Rubrik in ihrer Sendung. Als Radio-Mensch per se „hör“-affin, muss sie außerdem jeden Tag eine Stunde lang zur Arbeit fahren – und zurück! So sind Hörbücher schon oft ihre „Lebensretter“ gewesen – im Stau vor dem Elbtunnel und auch sonst.

Heiter, putzig, lebensbejahend…all das sind die Bücher von Sibylle Berg nicht! Die Welt ist im Allgemeinen schlecht und im Besonderen kein Ponyhof. Da steht der Mensch nun, einsam und ängstlich, voll von kindlichen Träumen, Wünschen und falschen Vorstellungen und dem Universum, samt der darin lebenden Mitmenschen, ist das auch noch komplett schnurz. Im Hörbuch Der Mann schläft hat eine Frau Anfang Vierzig nach jahrelangem Suchen, Ausprobieren, Scheitern und Von-Vorn-Anfangen endlich einen Menschen gefunden, den sie und der sie ertragen kann.

Zusammen leben sie ihre kleine, unaufgeregte Liebe. Dieser Mensch, der Mann genannt wird, verschwindet bei einem gemeinsamen Urlaub in Asien von einem Tag auf den anderen spurlos. Der Frau bei ihrer verzweifelten Suche zuzuhören ist nicht lustig und nicht unterhaltsam. Es ist quälend aber auch unglaublich berührend. Was nicht zuletzt an Katja Riemann liegt. Die liest mit spröder Stimme, kalt manchmal, fast monoton. Und so ist das Gesamtkunstwerk auf eine morbide Art und Weise faszinierend…ungefähr so wie ein Verkehrsunfall. Erkenntnis am Ende: andere Menschen haben auch ein Scheißleben – kann auch tröstlich sein…irgendwie.