Audible

Der Märchenhorror kommt zurück – Dark Fantasy

Von: Gast
23.08.2013

Sugar skull girl in tophat Sugar skull girl in tophat © Elisanth- Fotolia.com
Unzweifelhaft kann man von einem Boom zweier Genres in jüngster Zeit sprechen – in Literatur, Film, Fernsehen oder (Computer-)Spiel. Fantasy und Horror scheinen den Nerv der Zeit exakt zu treffen. Ein anderes Phänomen ist die unbekümmerte Vermischung vieler Genres – wie zum Beispiel der Einsatz klassischer Monster des Horrors im Mädchenliebesroman. Damit man diese Kreuzungen im Bücherregal auch findet, brauchen sie natürlich auch einen Namen – zum Beispiel „Dark Fantasy“ für Fantasyhorror oder Horrorfantasy.
Abonniert unseren RSS-Feed
Gerade die Kombination von Fantasy und Horror führen aber auch zum Anfang beider Genres zurück – nämlich ins 18. und 19. Jahrhundert. Genauer: zur Schauerromantik der Gothic Novel, zum Märchen und vor allem zur deutschen Romantik, die nicht nur zum ersten Mal in der Literaturgeschichte ein verklärtes Bild vom Mittelalter zeichnet, sondern auch Fantastik, Wahnsinn, Gespenster und märchenhafte Zauberei zum Thema erhebt. Abseits der bekannten „Dark Fantasy“-Reihen gibt es dabei noch einiges zu entdecken:

Das Lied der Dunkelheit

Peter V. Brett: Das Lied der Dunkelheit Peter V. Bretts Lied der Dunkelheit (2008) muss man aufmerksamen Fantasylesern wahrscheinlich gar nicht mehr vorstellen. Der auf fünf Bände angelegte „Demon Cycle“, von dem inzwischen drei realisiert sind, war von Anfang an ein Riesenerfolg. Die Geschichte ist dabei nicht sonderlich kompliziert – allerdings hat es die äußerst blutige Grundidee in sich: Sobald es dunkel wird, kommen Dämonen aus den Tiefen der Erde, um die Menschen zu jagen und zu fressen. Die Erzählung davon, wie der „Bannzeichner“ Arlen, die Heilerin Leesha und der Jongleur Rojer in dieser düsteren Welt zurechtkommen und was sie nach und nach über die Dämonen in Erfahrung bringen, macht den Roman zu einem wahren Pageturner.

Der Kinderdieb

Brom: Der Kinderdieb Gerald Brom wird vielen Fantasyfreunden als Illustrator ein Begriff sein – für Rollenspiele, Sammelkarten- und Computerspiele, Comics und Romane. Mit Der Kinderdieb (2009) versucht er sich zum ersten Mal als Romancier – und beschreitet dabei einen interessanten Weg: Er nimmt sich der fantastischen Peter Pan-Geschichte an, treibt ihr alles Kindische aus und erhöht den Anteil an Horror und Gewalt. Peter sucht nämlich nicht irgendwelche Kinder, sondern eben „Verlorene“, meist von ihren Eltern missbrauchte oder von anderen drangsalierte Kinder, die er für seine Armee rekrutiert. Denn auf Avalon, der Insel der Magie, herrscht Krieg – gegen Monster, die Brom sichtlich den keltischen und nordischen Mythologien entnimmt. Die Hörfassung hat Uve Teschner für euch eingelesen.

Die Insel der besonderen Kinder

Ransom Riggs: Die Insel der besonderen Kinder Kinder spielen auch die Hauptrolle in Ransom Riggs Debütroman Die Insel der besonderen Kinder (2010), gelesen von Simon Jäger. Alles beginnt ganz harmlos damit, dass Jacobs Großvater Abraham ihm immer gruselige Geschichten erzählt – von ganz besonderen Kindern auf einer Insel – und von den Monstern dort. Eines Tages findet der 15-jährige Jacob dann seinen Großvater im Wald – tödlich verwundet. Und er sieht ein Monster! Obwohl ihm die Eltern erklären, dass der Großvater, ein polnischer Jude, in ein Waisenhaus auf eine walisische Insel geschickt wurde, um ihn vor den Nazis in Sicherheit zu bringen, lassen die Gedanken an das Monster Jacob nicht los, und er fährt mit seinem Vater zu der Insel…

Fiebertraum

George R. R. Martin: Fiebertraum Zuletzt vielleicht nicht ganz konventionelle Fantasy – aber eine Empfehlung wert: George R. R. Martin ist spätestens seit der Fernsehadaption seiner A Song of Ice and Fire-Bestseller-Reihe sicher einer der bekanntesten Fantasyautoren der Welt. Aber er hat natürlich schon vorher viel geschrieben – einiges an guter Science Fiction und auch Fiebertraum (1982). Dieser Roman über den Mississippi-Flussschiffer Abner Marsh und seine Begegnung mit dem geheimnisvollen Vampir Joshua York ist ein literarischer Glücksfall. Selten zuvor konnte man den amerikanischen Süden so atmosphärisch und magisch erfahren – und das alles im Rahmen einer spannenden wie originellen Vampirgeschichte. Der feste Sprecher der Werke von George R. R. Martin ist Reinhard Kuhnert.

Dieser Beitrag kommt von unserem Gastautor Dr. Arno Meteling – Literatur- und Medienwissenschaftler in Köln. 

Was haltet ihr von märchenhaften Schauergeschichten? Ist das überhaupt richtiger Horror?

Keinen Artikel verpassen? Dann abonniere jetzt den RSS Feed des Hörbücher-Blogs!