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Die große Angst in den Bergen von Charles Ferdinand Ramuz

16.02.2011

Die große Angst in den Bergen Autor: Charles Ferdinand Ramuz Sprecher: Christian Brückner Spieldauer: 05 Std. 24 Min. (ungekürzt)

Für den Freund schiefer Vergleiche ist dieses Hörbuch in etwa „Heidi“ meets „Das weiße Band“ oder alternativ, die wohl wortgewaltigste Beschreibung eines richtig amtlichen Hüttenkollers.

An unsere Ohren wird die Geschichte eines kleinen Alpendorfes  zu Anfang des letzten Jahrhunderts getragen. Nicht ganz einstimmig beschließen die Jüngeren dieses Dorfes, eine von düsteren Legenden und Erinnerungen verfolgte Alp, hoch oben auf einem einsamen Berg, wieder in Betrieb zu nehmen.

Soweit, so berechenbar.

Die Handvoll Männer, die sich trotz  hartnäckiger Warnungen der Alten auf den Weg zur düsteren Alp machen, treffen allerdings weder auf blutrünstige Yetis, Bergziegenvampire, Schweizer Werwölfe noch auf andere einschlägige Horror-Klischees. Es gibt auch keine halluzinierenden, die Apokalypse weissagenden, spontan von Epilepsie befallenen Kinder oder verkappte Kannibalen. Es wird absolut niemandem irgendetwas abgeknabbert.

Denn der Autor, der schweizer Nationaldichter Charles Ferdinand Ramuz, konzentrierte sich bei Die große Angst in den Bergen ganz auf das Innenleben der Angst. Er erschuf die Berge, die Landschaft, das Grauen und die Kälte ganz aus den Gefühlen und Gedanken der Protagonisten - von Innen nach Außen. Die unausweichliche Katastrophe nimmt ihren Anfang in den Köpfen der Menschen.

Und genau hier kommt die großartige Lesung von Christian Brückner ins Spiel. Er flüstert, raunt und spricht uns die Hilflosigkeit und die schleichend-lähmende Angst direkt ins Ohr. Mit ganz feinen Nuancen lässt er die Gedanken und Paranoia jedes einzelnen Charakters lebendig und unverwechselbar werden. Seine Stimme liest sich atemlos den einsamen Berg herauf um dann mit jeder einzelnen, geschickt gesetzten Pause die dünne Luft der menschlichen Psyche herauf zu beschwören. Die Lesung Brückners lässt uns von der ersten Sekunde an keinen Zweifel daran, dass die Menschen des Dorfes dem Untergang geweiht sind. Doch wie sich dieser Untergang langsam und schleichend vollzieht, das interpretiert Christian Brückner hier mit absoluter Perfektion!