Der Durchschnittsmann, der die Weltmächte erzittern ließ

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17.09.19

Er ist kein Draufgänger wie James Bond und ist auch ansonsten eher unauffällig, kein Liam-Neeson-Typ, am ehesten noch Matt Damon. Und trotzdem hat er die Weltmächte USA und Großbritannien gefährlich ins Straucheln gebracht: Edward Snowden. Jetzt hat er seine Biografie geschrieben.

Es wird gemunkelt, dass das Manuskript der Biografie, die der 36-jährige US-Amerikaner Edward Joseph Snowden geschrieben hat, gehütet wird wie die britischen Kronjuwelen. Nichts dringt nach Außen. Nur, dass ein junger Mann, gebürtig aus dem eher verschlafenen Atlantikküstenstaat North Carolina, aufgeschrieben hat, wie er zwei Weltmächte dabei ertappte, wie diese Gesetze brachen: Sie spionierten Menschen aus, sie überwachten, was Menschen in nicht-öffentlicher Weise miteinander teilten. Weltweit. Und wie dieser Ed Snowden dann seine Informationen an die Filmemacherin Laura Poitras und den Guardian-Journalisten Glenn Greenwald übermittelte, wie er fliehen musste und schließlich, 2013 war das, in Russland Asyl erhielt.

All das ist bekannt. Es gibt viel Material über Edward Snowden: Porträts in Zeitungen, einen Film, Versuche der Annäherungen, Interviews. Jetzt schreibt der Mann, der mit 29 sein Heimatland verließ, seine Geschichte zum ersten Mal selbst auf. Was wird er erzählen?

Wird er erzählen, wie er 1999 sein Informatikstudium begann, dass er zwischenzeitlich als Soldat im Irak-Krieg diente und schließlich, zurück in den USA, die Universität ohne Abschluss verließ? Dass er als IT-Sicherheitstechniker beim US-amerikanischen Auslandsgeheimdienst CIA von Beginn an auf geheime Informationen und auch Dokumente zugreifen konnte und wie er sich dabei fühlte, als er bemerkte, dass sein Heimatland sich nicht an die Regeln hielt?

Ein Mann mit Agenda

Edward Snowden ist ein Mann mit einer Agenda: „Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht. Eine Gesellschaft, in der alles, was ich mache und sage, aufgenommen wird.“ So akribisch, wie er seine Karriere vorantrieb, erst beim CIA und später als Mitarbeiter des National Security Agencys (NSA) in Hawaii, lässt er durchblicken, ging er auch sein Whistleblower-Dasein an. Zumindest hat er später erklärt, den Job auf Hawaii nur angenommen zu haben, um die angebliche Spionage der USA aufzudecken.

Tatsächlich lebte der damals 29-Jährige sehr privilegiert auf der Vulkaninsel. 200.000 Dollar pro Jahr soll er verdient haben mit seiner Tätigkeit beim amerikanischen Militärgeheimdienst. Er lebte zusammen mit seiner Freundin Lindsay Mills, einer Akrobatin und Tänzerin, die übrigens inzwischen zu ihm nach Moskau gezogen ist. Ihr Leben lässt sich mehr oder weniger gut auf ihrem Instagram-Kanal verfolgen, der etwas künstlerisch, etwas edgy daherkommen will. Manchmal darf auch Edward Snowden mit aufs Bild.

Seine Freundin - und wohl inzwischen Ehefrau - Lindsay Mills hatte Ed Snowden abrupt auf Hawaii im gemeinsamen Haus zurückgelassen, als er beschloss, die Dokumente, die bewiesen, dass die NSA die weltweite Internetkommunikation beobachtete und überwachte, öffentlich zu machen. Diese Dokumente, die deutlich machten, dass der Geheimdienst Telefonate mitgeschnitten hatte, Chats und SMS. Auch den Teil, in dem dokumentiert wurde, dass besonders im Rahmen des G20-Gipfels die britische Regierung systematisch Unterhaltungen und Dokumente der anderen Nationen ausspioniert hatte. Edward Snowden kopierte das Beweismaterial sorgfältig. Dann meldete er sich krank und flog nach Hongkong, von wo aus er diese Dokumente an die Washington Post und an den Guardian schickte.

Permanent Record: Meine Geschichte

Autor:
Edward Snowden
Sprecher:
N.N.
Spieldauer:
13:12
Typ:
Ungekürztes Hörbuch

Veröffentlicht wurden sie dann am 6. Juni 2013. Es war eine Bombe, die einschlug und die mit diesem Schlag das Leben der Menschen in den westlichen Demokratien auf den Kopf stellte. Die vermeintliche Sicherheit in einer Zivilgesellschaft zu leben, in der der Schutz der Privatsphäre gegeben ist, dieses Grundvertrauen wurde zerstört. Und Edward Snowden wurde für diese Tat vom FBI angezeigt, nachdem er sich selbst als Whistleblower zu erkennen gab. Der Vorwurf: Diebstahl von Regierungseigentum, widerrechtliche Weitergabe geheimer Informationen sowie Spionage. Für Snowden begann eine kurze, heftige Odyssee, die in der russischen Hauptstadt endete.

Dort lebt er seitdem, kann das Land nicht verlassen und ist dennoch überall präsent. Die Technik macht es möglich, dass er, wie er sagt, zwar an einen Ort gebunden, aber dennoch überall sein könne. Nun kommt er den Menschen sogar noch ein Stück näher: Er erzählt ihnen in seinen eigenen Worten die Geschichte seines bewegten Lebens.

Exkurs: Hinter den Kulissen

Als Snowden im Juni 2013 gerade den größten Geheimdienst-Skandal der Welt ausgelöst hatte und die halbe Welt ihn suchte, versteckte ihn sein Anwalt versteckt an einem Ort, an dem ihn niemand suchen würde: bei Flüchtlingsfamilien in Hongkong. Der Audible Original Podcast „Der Moment“ gibt hautnahe Einblicke in die Situation der sieben Flüchtlinge in Hongkong.

Mehr dazu: Das Schicksal der Snowden-Unterstützer.

In geheimer Mission

Mehr über Männer und Frauen in geheimer Mission lest Ihr in unserem Artikel über die Top 10 Agententhriller.