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Eragons Rückkehr - die Paolini-Lesung in München

19.04.2012

Die Paolini-Lesung in MünchenDie Paolini-Lesung in München

Es ist 18.00 Uhr, die Pforten der Reithalle München haben sich geöffnet und schlagartig stürmen hunderte Jugendliche in den Saal. Fantasy-Autor Christopher Paolini ist auf Lesereise mit seinem Zyklus Eragon. „Hier passiert gleich was!“ denke ich und sehe mich im Publikum um. Unruhig zappelt ein Junge hinter mir auf seinem Stuhl. Er heißt Hannes. „Christopher Paolini schreibt einfach die geilsten Fantasy-Bücher überhaupt“, strahlt er mich an. Ich schätze ihn auf zwölf Jahre, seine blonden Haare fallen ihm ins Gesicht. Er pustet sie alle paar Sekunden in die Luft, es fällt ihm schwer, den Beginn der Lesung abzuwarten. In seiner Hand: Der vierte Band der Eragon-Reihe, Das Erbe der Macht, ein großes schweres Buch mit grünem Einband. Natürlich hat er es schon durchgelesen, erklärt er mir.

Schnell ist es richtig voll geworden in der Reithalle, das gedimmte rote Licht taucht den Saal in eine fast feierliche Atmosphäre. „Das hat schon was“, rufe ich den beiden Mädchen zu, die links von mir sitzen. Die Teenager nicken mir nur abwesend zu, ihre Augen sind schon auf die Bühne gerichtet, wo der Moderator gerade erscheint. Es ist Marc Langebeck, der Moderator der Kika-Sendung Quergelesen. Er begrüßt die Menge und kündigt dann ohne Umschweife Christopher Paolini an. Plötzlich stürmt der Autor auf die Bühne, gefolgt von Andreas Fröhlich, dem Erzähler seiner Hörbücher - brechender Applaus.

Christopher Paolini trägt ein graues Hemd und Jeans. Er sieht jung aus, aber nicht jungenhaft. Der Saal verstummt augenblicklich, als er die ersten Seiten seines Buches vorliest. Mit tiefer lauter Stimme und großen Armgesten trägt er die Sätze vor. „Das hat was“, denke ich wieder und bekomme eine Gänsehaut. Es würde mich nicht wundern, wenn Saphira gleich um die Ecke geflogen käme. Tosender Beifall, als Paolini seine Lesung beendet. „Das ist echt krass!“ höre ich die beiden Mädels links neben mir rufen. „Findest du, er sieht gut aus?“ Für einen kurzen Augenblick frage ich mich, wen der drei Männer auf der Bühne sie meinen.

Morgenröte zukünftiger Fantasy-AutorenMorgenröte zukünftiger Fantasy-Autoren

Andreas Fröhlich beginnt nun den deutschen Teil der Lesung. Er kündigt an, welche Stelle er gleich lesen wird und überall werden Seiten geblättert, um mitlesen zu können. Hannes hinter mir grinst. Die Mädchen schwelgen im siebten Himmel. Ich muss immer an die Drei ??? denken, wenn ich Fröhlichs Stimme höre, spüre aber, dass er auch für diesen Text wie geschaffen ist. Während er liest, sind alle wie gebannt. Fröhlich macht seine Arbeit wirklich sehr gut.

Nach etwa einer Stunde beginnt der Teil der Lesung: Das Publikum darf dem Autor Fragen stellen. „Zuerst auf Englisch oder auf Deutsch?“ fragt ein junger Mann, etwa 20 Jahre alt. „Herr Paolini, warum musste Eragon Alagesia verlassen?“ Paolini antwortet prompt: „Das ist eine sehr gute Frage. Ich spürte, dass Eragon zu stark wurde für Alagesia. Er musste raus. Er musste losziehen und seinen Horizont erweitern.“

Ein kleines Mädchen steht nun von ihrem Platz auf: „I have an important question, Mr Paolini.“ In einem perfekten Englisch erläutert sie ihre Entdeckung: „Ich glaube, Sie haben da einen schweren Fehler gemacht.“ Alle Köpfe im Saal drehen sich mit einem Mal nach ihr um. Das kleine Mädchen lässt sich nicht beirren und erläutert eine Stelle, in der Eragon sieben heimliche Worte zugeflüstert werden, die er nur in größter Not nutzen darf. „Aber diese sieben heimlichen Worte kommen danach nicht mehr vor und ich möchte Sie jetzt fragen: Haben Sie die Worte vergessen?“ Paolini antwortet ruhig und gelassen - unglaublich, wie präsent ihm alle Details seines Büches sind. „Diese sieben Worte“, so erklärt er, „werden noch eine große Rolle spielen. Ich weiß genau, wann und wie ich sie einsetzen werde, aber der Zeitpunkt ist einfach noch nicht gekommen. Die sieben Worte sind so wichtig, dass ich ein ganzes Buch darüber schreiben könnte. Du hast wirklich gut aufgepasst!“ Das Mädchen wirkt zufrieden.

Paolini umringt von FansPaolini umringt von Fans

Nun ergreift ein Junge das Wort, vielleicht elf Jahre alt. Er steht ganz vorn und schaut Paolini direkt in die Augen. „Herr Paolini“, beginnt er mit fester Stimme, „mein Freund und ich möchten gerne den fünften Band von Eragon schreiben. Haben Sie Tipps für uns?“ Ein Raunen geht durch den Saal, der Moderator blickt verwirrt zu dem Jungen, dann zu Paolini. Der Autor lacht freundlich. Keine Spur von Irritation in seinem Gesicht. „Wenn du gerne schreiben möchtest, dann lass dich von nichts und niemandem abhalten“, beginnt er. „Schreibe jeden einzelnen Tag in deinem Leben, lasse keinen Tag aus. An Weihnachten hast du einen Tag Pause, aber an allen anderen Tagen musst du schreiben – auch an deinem Geburtstag!“ Der Junge und das Publikum hören Paolini aufmerksam zu. „Schreibe über das, was du am meisten liebst. Und das Allerwichtigste: Gib niemals auf! Niemals!“ Der Junge setzt sich beseelt hin. Er sieht nicht so aus, als wolle er aufgeben.

Der Moderator ergreift noch einmal das Wort: „Ist denn nun eigentlich der fünfte Band von Ihnen geplant oder nicht?“ Auf diese Frage haben alle gewartet. Mit einem verschmitzten Lächeln erklärt Paolini: „Irgendwann. Ich weiß nicht, wann ich zurück nach Alagesia kehren werde, aber eines Tages werde ich es sicher tun. Vielleicht dauert es einen Monat, vielleicht zehn Jahre, ich weiß es wirklich nicht. Aber es wird eines Tages so weit sein.“ Die ersten Kinder stürmen schon zum Signiertisch, noch bevor der Moderator seine letzten Worte gesprochen hat. Paloni schreibt in jedes einzelne Buch, ruhig, gelassen und mit echter Freude.

Aufgepasst: Wir verlosen zwei handsignierte Bücher von Paolini (Eragon 1 und 4). Schreibt uns einfach in den Kommentaren, welches euer Lieblingsband ist und warum! Update: Wir haben die Gewinner/innen ausgelost und benachrichtigt - vielen Dank an alle, die mitgemacht haben!