Diese Filme sind als Hörbücher besser

Diese Filme sind als Hörbücher besser
14.02.18

Pünktlich zur Berlinale diskutieren wir die bekannte Frage: Film, Buch oder Hörbuch?

Sie ist wieder da: die Berlinale! Auf Berlins kulturellem Großevent lassen zahlreiche Länder und Film-Genres die cineastischen Muskeln spielen und zeigen auf der Leinwand, was sie zu bieten haben. Für Film-Freunde heißt das vor allem, dass es einiges zu gucken gibt: Von namenhaften Neuerscheinungen bis zu Klassikern der Vergangenheit ist von allem ein bisschen was dabei.

Hörbuch vs. Buch vs. Film

Klar, dass es auch zahlreiche Buchverfilmungen ins Programm schaffen und die zukünftige Umsetzung literarischer Stoffe sogar ausdrücklich gefördert wird. Bleibt nur offen, ob der Film dem Buch dann auch gerecht wird, womit wir wieder bei der viel diskutierten Frage der Literaturverfilmungen sind: Buch, Film oder sogar Hörbuch? Bevor wir jetzt groß die Diskussion um Unterschiede der einzelnen Medien aufmachen, schauen wir uns dieses Mal lieber an, worauf es letztendlich ankommt: Die Meinung der Konsumenten.

Die Quellen

Wie schneidet also dieselbe Geschichte in ihren Umsetzungen als Buch, Film und Hörbuch ab? Grundlage unseres Vergleichs bilden Nutzerbewertungen von einschlägigen Internetportalen. Für die Film-Versionen greifen wir dabei auf die International Movie Database, kurz IMDB, zurück. IMDB ist die ultimative Anlaufstelle für Ankündigungen, Hintergrundinformationen oder Daten von Schauspielern, Regisseuren oder eben Filmen. Besucher können jeden Film auf einer Skala von 1 bis 10 bewerten, was mitunter von Nutzern in sechsstelliger Höhe vorgenommen wurde. Eine große Datenmenge also, die einen guten Querschnitt zur Bewertung eines Films bietet.

Um die Qualität eines Buches einschätzen zu können, geht Goodreads ins Rennen. Anhand eurer bisherigen Lieblingsbücher könnt ihr euch hier Empfehlungen aussprechen lassen oder euch Einschätzungen anderer Lesefreunde holen. Bei populären Büchern kommen dabei teilweise über eine Millionen Bewertungen zusammen, die einem Titel maximal fünf Sterne geben können. Die Hörbuch-Version eines Stoffes erhält ihre Einschätzung von den Nutzerbewertungen auf Audible. Somit haben wir am Ende eine Geschichte jeweils bewertet in den drei Ausführungen Film, Buch und Hörbuch.

Die Diagramme

Um die Bewertungen zu vergleichen, haben wir jeweils zwei der drei Medien in einem Streudiagramm gegenübergestellt, in dem jeder Punkt einen Titel darstellt. Die Position des Titels auf x- und y-Achse bildet die Bewertung des Titels in jeweils einem Medium ab. Das Ergebnis sind drei Diagramme, die jeweils Hörbuch und Buch, Hörbuch und Film sowie Buch und Film vergleichen. Die Daten stammen von knapp über 100 Titeln und beinhalten populäre Namen wie Forrest Gump, 50 Shades of Grey und Der Pate. Um welchen Titel genau es sich handelt, seht ihr, wenn ihr mit der Maus über den entsprechenden Datenpunkt fahrt.

Auswertung der Daten

Im ersten Diagramm, dem Vergleich von Buch und Hörbuch, sammelt sich der Großteil der Datenpunkte in der oberen rechten Ecke. Buch und Hörbuch liegen in der Gunst ihrer Nutzer also größtenteils gleichauf. Bei genauerer Betrachtung fällt allerdings auf, dass die Hörbuch-Varianten wesentlich häufiger eine Bewertung von über 4,5 Sternen erhalten. Ein ohnehin gutes Buch kann durch einen talentierten Sprecher also noch zusätzlich an Qualität gewinnen, ohne dass vom eigentlichen Inhalt des Buches etwas verloren geht – dies ist zumindest eine mögliche Interpretation des Diagramms. Die Entscheidung zwischen diesen beiden Medien hängt also von der persönlichen Vorliebe ab: Lesen oder lieber lesen lassen?

Beim Film sieht das hingegen etwas anders aus. Zunächst fällt auf, dass das zweite und dritte Diagramm sich in der Verteilung der Datenpunkte sehr ähneln. Statt sich in einem Bereich zu sammeln, breitet sich die Punktemenge in Richtung niedrigerer Bewertungen aus, was an der größeren Streuung der User-Reviews liegt. Während eine Geschichte als Buch und Hörbuch eher gut abschneidet, erhalten die Verfilmungen oft genug auch schlechte oder mittelmäßige Bewertungen. Grund hierfür könnte die erhöhte Komplexität des Films sein, bei dem, simpel gesagt, mehr schiefgehen kann: Schlechte Drehbuch-Adaption oder Schauspieler sind nur zwei mögliche Gründe für enttäuschte Kinobesucher. Dazu kommt die im Vergleich zum (Hör-)Buch geringe Spieldauer des Mediums Film. Ein 400 bis 500 Seiten langer Roman ist nur schwer ohne Abstriche in einen 120-minütige Spielzeit zu zwängen, wodurch Teile der ursprünglichen Idee auf der Strecke bleiben. Vermutlich häufigster Grund für das gängige Urteil: „Das Buch war besser als der Film!“ Zudem sollte im Hinterkopf behalten werden, dass hauptsächlich gute oder erfolgreiche Bücher verfilmt werden, wodurch keines der Bücher mit weniger als 3 Sternen bewertet wurde.

Hörbuch gegen Film

Abschließend wollen wir euch anhand der zusammengestellten Daten noch einige Hörtipps mit auf den Weg geben. Dazu haben wir die 20 Titel ermittelt, in denen das Hörbuch wesentlich besser als der Film bewertet wurde. Um die beiden unterschiedlichen Bewertungs-Skalen von IMDB und Audible so direkt vergleichen zu können, haben wir deren Differenz auf Basis des z-Scores berechnet. Dieser berücksichtigt das Mittel aller Bewertungen des jeweiligen Mediums und die Standard-Abweichung, um die einzelnen Werte zu standardisieren. So lassen sich auch zwei unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe (Audible 1 bis 5; IMDB 1 bis 10) miteinander verrechnen. Das Ergebnis sind 20 Titel, in denen ihr aus Zuschauer-Sicht auf den Film verzichten und stattdessen lieber zum Hörbuch greifen solltet. Dies trifft beispielsweise auf die gerade erst verfilmte Romanvorlage Schneemann von Jo Nesbø zu oder das Sci-Fi-Epos Dune von David Lynch.

Eine negative Differenz zwischen den Bewertungen hingegen sollte euch zum Griff ins DVD-Regal ermutigen. Titel wie Forrest Gump, Das Schweigen der Lämmer oder der recht aktuelle Nocturnal Animals von Regisseur Tom Ford überzeugten als Film deutlich mehr als das entsprechende Hörbuch. In der folgenden Tabelle findet ihr die 10 Titel, in denen der Film wesentlich besser als das Hörbuch bewertet wurde.

Was ist eure Meinung?

Liegt es schlicht am größeren Risiko des Films? Findet ihr Hörbücher generell besser? Oder muss es grundsätzlich erstmal das Buch sein? Schreibt uns eure Meinung!


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