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Fortsetzung der Millennium-Trilogie: Eine gute Idee?

Von: Saba
23.07.2015

Millennium-Trilogie

Am 9. November 2014 jährte sich der Todestag des schwedischen Journalisten Stieg Larsson zum zehnten Mal. 2015 nähert sich das 10-jährige Jubiläum von Verblendung, dem ersten Teil Larssons berühmter Millennium-Trilogie. Zu dessen Anlass soll unter der Federführung von Journalist und Autor David Lagercrantz ein vierter Teil veröffentlicht werden: Verschwörung, gesprochen von Dietmar Bär. Zu den Kritikern dieses Vorhabens gehört auch Stieg Larssons langjährige Lebensgefährtin Eva Gabrielsson, die das Vorhaben für geschmacklos und geldgierig hält.

Zum Hintergrund der Millennium-Trilogie

In Stieg Larssons Krimi-Reihe, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde, geht es um den Wirtschaftsjournalisten Mikael “Kalle” Blomkvist und die Hackerin Lisbeth Salander, einem ungleichen Ermittlerduo, das gemeinsam grauenhafte Mordreihen aufklärt. Rund 75 Millionen Buch-Exemplare gingen in 50 Ländern über die Theken. Weiter wurde die Trilogie in Schweden und Hollywood verfilmt. Es gibt eine gekürzte Hörbuchfassung, gelesen von Dietmar Bär, und eine ungekürzte, mit Dietmar Wunder als Sprecher. Zudem wurde eine Hörspiel-Reihe veröffentlicht.

Der Erfolg der Reihe basierte nicht so sehr auf hervorragendem Schreibstil, sondern viel mehr auf der Authentizität des Autors. Der Einstieg in Vergebung zum Beispiel, ist etwas mühsam, was jedoch durch die Lesung von Dietmar Wunder gut aufgefangen wird. Und auch die Tatsache, dass beide Protagonisten über lange Strecken komplett separat voneinander handeln, wirkt in der Hörversion sehr organisch.

Als Teenager wurde der Autor Zeuge davon, wie seine Freunde ein Mädchen vergewaltigten und griff nicht ein. Diese Schuld trug er bis zu seinem Tod mit sich und verarbeitete sie in seinen Romanen. Ein wiederkehrendes Thema in der Trilogie ist die Gewalt gegen Frauen und ihre Ächtung. Expo, das als Sprachrohr gegen Schwedens extreme Rechte fungierte, diente als klares Vorbild für das Millennium Magazin, für das Protagonist Blomkvist arbeitet. Auch die Gefahren investigativer Recherche, mit denen sich seine Hauptfigur konfrontiert sieht, waren Stieg Larsson selbst nicht fremd.

Nach Larssons Tod

Larsson, der damals unerwartet auf dem Weg zu seinem Büro einem Herzinfarkt erlag, soll ursprünglich zehn Teile der Millennium-Reihe geplant haben. Gabrielsson verfügt über das unfertige Manuskript eines vierten Teils, doch wird dessen Inhalt nicht in dem neuem Buch vorkommen. Nach seinem plötzlichen Tod ging Stieg Larssons gesamtes Vermögen an seinen Vater und seinen Bruder. Seine Lebensgefährtin hatte sich lange Zeit einen erbitterten Rechtsstreit mit ihnen geliefert, in dem es vor allem um die Buch- und Filmrechte ging.

David Lagercrantz, Autor von Fußballer Zlatan Ibrahimovics Memoiren, hielt die Fortsetzung der Trilogie für “notwendig”. Seiner Ansicht nach seien die beiden Protagonisten so voller Leben, dass sie weiter existieren müssten, erklärte der Schriftsteller der schwedischen Tageszeitung Aftonbladet. Die Trilogie fortzusetzen sei auch eine Art dem Autoren Respekt zu zollen. In dem Interview machte der Journalist klar, dass er zwar mit von Larsson entwickelten Protagonisten arbeitet und so sein Vermächtnis fortsetzt, doch dass er auch seinen eigenen Beitrag zur Entwicklung der Geschichte beisteuert.

Authentizität der Millennium-Trilogie in Gefahr?

VerschwoerungManche können es sicher nicht erwarten, Blomkvist und Salander erneut zu begegnen. Doch was die Millennium-Trilogie so besonders machte, war die Tatsache, dass ein Teil von Larssons Persönlichkeit und seine feministischen Ideale in diesem Werk stecken. Wer weiß mit welchem Ziel er die Trilogie wirklich geschrieben hat: um Profit mit einer Geschichte zu machen, die von all seinen Erfahrungen beeinflusst ist oder um damit Aufmerksamkeit zu gewinnen? Beides muss sich natürlich nicht gegenseitig ausschließen.

Nur ist fraglich, ob die Fortsetzung der Serie ohne seine Mitwirkung, also ohne seinen Erfahrungsschatz und seine persönlichen Überzeugungen mit einfließen zu lassen, in seinem Sinne wäre. Gabrielssons Vorwürfe scheinen nicht ganz ohne Hand und Fuß zu sein, wenn man überlegt welchen Profit der Verlag mit so einer Fortsetzung machen kann. Zudem verfolgt Journalist Lagercrantz mit diesem Auftrag vermutlich nicht ganz selbstlose Motive. Die Idee, die Millennium-Serie nach zehn Jahren wieder auferstehen zu lassen, ohne dass der eigentliche Autor Einfluss auf die Story nehmen kann, wirkt so zweifelhaft, dass sie vielleicht genau das hätte bleiben sollen… eine Idee.