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Geheime Zeichen – Verschwörungen in der Literatur

Von: Gast
01.05.2013

Umberto Eco - Der Name der RoseGeheimnis und Verschwörung Teil II In dieser dreiteiligen Serie von unserem Gast-Autor Arno Meteling geht es rund um Verschwörungstheorien und Geheimgesellschaften. Hier findet ihr den ersten Teil: Freimaurer, Illuminaten und Co – Geheimbünde damals und heute

Spy vs. Spy: Geheime Dienste Schweigen und Verrat, Geheimnisse, Intrigen und Verschwörungen gehören zur Geschichte der Menschheit – und damit auch zu den Grundthemen der Literatur. Am deutlichsten sind sie wohl im Spionage- oder Agententhriller, der sie geradezu professionalisiert. Beispielhaft sind sicher die Romane von Ian Fleming (James Bond), Len Deighton (Harry Palmer) oder John Le Carré (George Smiley) – mit Serienhelden, die auch prominent verfilmt worden sind.

Im Spionageroman stehen die Helden mindestens einem unsichtbaren Netzwerk gegenüber. Das kann ein feindlicher Geheimdienst sein, die Organisation eines Superbösewichts oder auch der eigene Geheimdienst und die eigene Regierung. Die Figuren werden dabei ab einem bestimmten Punkt häufig isoliert. Sie wissen nicht mehr, wem sie vertrauen können, wer nun für wen arbeitet oder welche Ziele der eigene Geheimdienst verfolgt. Verräter, Doppelagenten und Maulwürfe gehören deshalb zu jeder guten Spionagegeschichte. Immer geht es darum, dass die eine Seite etwas verdeckt, das die andere Seite herausfinden möchte. Neben der Verfolgung oder der Überwachung gehören deshalb das Codieren und Decodieren geheimer Botschaften zu den entscheidenden Überlebenstechniken für Spione.

Dan Brown (c) Philip ScaliaDas Phänomen: Dan Brown Das Entziffern geheimer Zeichen ist auch die Hauptbeschäftigung in den Verschwörungsromanen von Dan Brown – und der Erfolg gibt ihm Recht! Es scheint genau das zu sein, was die Leser wollen. Warum aber werden gerade Browns Romane zu Mega-Bestsellern? Was ist sein Betriebsgeheimnis? Hier drei Vorschläge:

(1) Der Tourismus-Aspekt: London, Paris und Rom bieten inzwischen Touren zu den Schauplätzen der Romane an. Dass sich hinter ganz realen und bekannten Orten Geheimes verbirgt, inspiriert natürlich die Fantasie eines jeden Lesers, der die Städte kennt.

[caption id=“attachment_23245” align=“alignright” width=“175”] Ein Kryptex wie es bei Sakrileg von Dan Brown vorkommt[/caption]

(2) Die Religions-Aspekt: Gerade der katholischen Kirche lassen sich leicht finstere Geheimnisse aus tiefster Vergangenheit unterstellen. Wer weiß schon, was sogar heute noch hinter den Mauern des Vatikans vor sich geht? Die reiche Symbolik der Kirchengeschichte tut ihr Übriges dazu.

(3) Die Erzähl-Aspekt: Browns Verschwörungsromane sind einigermaßen untypisch für das Genre. Nicht nur ist die Sprache sehr einfach gehalten, sondern auch die Situation ist immer übersichtlich und klar. Achtet einmal darauf, wer erzählt! Auch die geheimen Botschaften werden schnell und vor allem eindeutig entschlüsselt. Es bleibt nichts offen, es gibt keine Mehrdeutigkeit. So herrscht trotz der Rätsel immer auch eine beruhigende Atmosphäre des Bescheid wissens.

Der echte „Symbolo(lo)ge“: Umberto Eco Umberto Eco, emeritierter Professor der Universität Bologna, beschäftigt sich von Berufs wegen mit der Entzifferung von Zeichen. Er ist Semiotiker und erforscht, wie Zeichensysteme funktionieren. Als Romanautor hat er immer wieder Zeichendeutung und Verschwörungstheorie zusammengeführt. Auffällig handeln seine Romane allerdings eher von Fehldeutungen – so entpuppen sich die Zeichen der Apokalypse in Der Name der Rose (1982) als betrügerisches Ablenkungsmanöver, die Protokolle der Weisen von Zion sind eine antisemitisch motivierte Fälschung in Der Friedhof in Prag (2010), und die Geheimgesellschaften im Roman Das Foucaultsche Pendel (1988) existieren sogar nur, weil sie als Produzenten geheimer Botschaften zusammenfantasiert werden!

Illuminatus-TrilogieFnord! Oder: Verschwörung Goes Pop! Völlig aufgegangen in die Popkultur ist das Denken in Verschwörungen mit der Illuminatus-Trilogie (1969-1971) von Robert Anton Wilson und Robert Shea. Die Romane sind eine wilde Mischung über Sex, Drogen und das Wirken der unterschiedlichsten Geheimbünde. Hier wird zum ersten Mal auch auf die geheimnisvolle Bedeutung der Zahl „23“ in der Geschichte der Menschheit hingewiesen – siehe zum Beispiel hier. In Deutschland ist die Buchreihe spätestens durch den Film 23 – Nichts ist so wie es scheint (1998) über den Hacker Karl Koch bekannt geworden.

Noch ein Tipp: Wer seinen Verschwörungs-Pop-Cocktail lieber im Comic-Format hat, sollte sich unbedingt einmal Grant Morrisons The Invisibles (1994-2000) anschauen!

 

Fortsetzung folgt!