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Für Kids mit Leseschwäche gilt: gleichzeitig Hören!

18.11.2016

Studien zeigen, dass sich durch simultanes Hören und Lesen das Textverständnis verbessert, wenn man unter Leseschwäche leidet.

Von Erin McReynolds, Deutsch von Ute Esken

Für Schüler mit Lese-Rechtschreib-Schwäche (LRS) kann schon das Lesen einfachster Sätze ermüdend sein. Nehmen wir zum Beispiel Clara Thorsen, 8, eine begabte Drittklässlerin aus Nashville. Bei ihr wurde im letzten Jahr eine schwere Leseschwäche diagnostiziert. Selbst an einem guten Tag und nach Monaten intensiver Leseförderung durch die Schule werden für Clara nach nur ein paar Minuten Lesen die Sätze oft zu unverständlichem Kauderwelsch.   “Seit sie sich im Bett aufsetzen konnte, wollte sie Bücher haben”, erinnert sich ihre ebenfalls von LRS betroffene Mutter, Anna Thorsen. „Bald mussten wir traurig feststellen, dass sie keine Bücher lesen konnte, so sehr sie sie auch liebte und wollte.“   Hörbücher sind schon länger ein großes Geschäft und über die Jahre besonders bei Berufspendlern populär geworden. Zunehmend werden sie aber auch von Schülern mit Leseproblemen benutzt, und zwar mit Methoden, die simultanes Lesen und Hören eines Textes erlauben. Experten sagen, dass Technologien wie „Whispersync for Voice“ von Audible wichtige Werkzeuge geworden sind, um den Lesefluss gerade bei denen zu verbessern, die sich damit besonders schwer tun. Diese Tools befähigen sie zum Lesen von Inhalten, die ihnen sonst unzugänglich bleiben würden.  

Leseverständnis nimmt beim Hören zu

Es gibt erst wenig Forschung, die sich mit der Effektivität solcher Technologien speziell bei LRS befasst. Aber in anderen Lernbereichen belegen einige Studien die Wirksamkeit. So haben z.B. Forscher an der Victoria University in Neuseeland herausgefunden, dass Englischschüler bei Tests zum Leseverständnis besser abschneiden, wenn sie die Texte eine Woche lang lesen und hören, als ihre ausschließlich lesenden Mitschüler.   Auch die Hirnforschung bestätigt die Vorteile gleichzeitigen Lesens und Hörens. Mehrere neurologische Studien belegen, dass der präfrontale Cortex im Gehirn bei aufmerksam lauschenden Schülern genauso aktiv ist, als würden sie gedruckten Text lesen. Ein vom National Center on Universal Design for Learning veröffentlichter Artikel erklärt: Dieselben Fähigkeiten, die Kindern bei der Verarbeitung gesprochener Sprache helfen – „Voraussagen, Beobachtung, Verbinden mit Hintergrundwissen und Zusammenfassung“ – werden auch verwendet, um geschriebene Sprache zu verarbeiten. Das hat eine enorme Bedeutung, denn es räumt auf mit dem alten Mythos, dass das Hören eines Buches kein „richtiges“ Lesen sei. Selbst für Menschen ohne eine Lesebehinderung wird das Hören eines Textes so „zur echten Alternative zum Gedruckten“.

 

Leseerfahrung auf mehrere Sinne verteilen

Die Fachwelt ist sich einig: Wir brauchen mehr Forschung mit Fokus auf simultanes Lesen und Hören, um Kindern mit LRS zu helfen. In der Zwischenzeit zeigt die Erfahrung, dass die Methode wirklich funktioniert. LRS ist, technisch gesehen, eine Schwäche, die auf geschriebenen Buchstaben beruht. Mit intellektuellen Fähigkeiten hat das gar nichts zu tun. LRS bezeichnet die Unfähigkeit, Wörter zu entschlüsseln, ihren „Code“ zu knacken oder die notwendige Verbindung zwischen Buchstaben und Lauten herzustellen. Das bedeutet: Ein Fünftklässler kann altersgerechte Bücher möglicherweise problemlos verstehen. Tatsächlich lesen kann er/sie aber nur Bücher für Drittklässler.   An der Eagle Hill Southport Schule für Kinder mit Lern- und Entwicklungsdefiziten in Fairfield, Connecticut, ist das bei vielen Schülern der Fall. “Wenn wir Schülern, die nicht dekodieren können, Bücher im Hörformat geben, ermöglichen wir ihnen ein höheres Lese-Level”, sagt Sharon Plante, eine Sonderpädagogin der Schule. Die Schüler von Eagle Hill benutzen iPads mit einer Standardeinstellung, die Text in Sprache umsetzt und ihnen erlaubt, einzelne Textpassagen zu markieren oder sich auch mal eine ganze Seite laut vorlesen zu lassen. Dadurch wird die Leseerfahrung auf mehrere Sinne verteilt.   “Wenn ein Kind gleichzeitig hört und hinschaut, unterstützt das die Verbindung zwischen Klang und Symbol”, sagt Jamie Martin, ehemalige Lehrerin und Technologieberaterin in Connecticut. „Je mehr Sinne man einsetzt, umso mehr bleibt im Kopf hängen.“

 

Wie “Whispersync for Voice” Clara half

Schon bald nach ihrer Diagnose las Claras Mutter ihrer Tochter den Lernstoff laut vor, damit sie in der Klasse Schritt halten konnte. Aber das war nur eine Lösung auf Zeit. “Ich bekam die Info, dass Kapitel sieben über Frösche dran war, und das las ich ihr dann laut vor. Das war okay für eine Achtjährige. Aber als sie älter wurde, war das nicht mehr okay“, sagt Thorsen. Also suchten sie und ihr Ehemann einen Weg für Clara, um sowohl Schulbücher als auch Freizeitlektüre unabhängiger lesen zu können.   Zuerst probierten sie zwei Angebote aus, die sich speziell an Menschen mit LRS richten. „Bookshare“ benutzt eine Computerstimme, um aus einer Auswahl tausender Bücher vorzulesen. Dazu gehören auch Lehrbücher, und der Service ist für Schüler mit diagnostizierter Leseschwäche in den USA kostenlos. Nach der Diagnose legte Thorsen für ihre Tochter einen Account an. Eins der ersten Bücher, die sie mit „Bookshare“ ausprobierten, war aus der beliebten „Greg’s Tagebuch“-Reihe. Clara hasste es. Die Roboterstimme sprach Wörter falsch aus, und die Comic-Illustrationen der Serie blieben völlig außen vor.   Der andere Lernservice, “Learning Ally”, wurde 1948 von der öffentlichen Bibliothek in New York als Angebot für Blinde gegründet. Auf Schallplatten lasen Bibliotheksmitarbeiter vor. Der Dienst wurde ursprünglich für Veteranen aus dem Zweiten Weltkrieg ins Leben gerufen, die mit verletzungsbedingten Sehbehinderungen heimkehrten. Heute erhält man durch ein Abo Zugang zu den vorgelesenen Büchern. Ein neues Feature, genannt „Voice Text“, spielt den Ton ab und markiert gleichzeitig den Text auf Laptops, Tablets, Handys und anderen Geräten. Mehrere Staaten und Schulbezirke, inklusive Kaliforniens Gemeindecolleges, finanzieren die Abos für Schüler mit Leseschwäche.

 

Mehr als 5.800 deutschsprachige Titel kompatibel

Aber für Clara war die beste Lösung die “Whispersync for Voice”-Funktion von Audible, nutzbar über die Kindle App für iOS und Android ebenso wie auf dem Amazon Fire Tablet.   Anders als Programme, die Text in Sprache umsetzen, bietet Whispersync for Voice die Möglichkeit, ein professionell (meist von Schauspielern, manchmal sogar von Stars) eingelesenes Hörbuch abzuspielen, während gleichzeitig der Text auf dem Bildschirm hervorgehoben wird. Diese unterhaltsamen, fesselnden Stimmen - wie zum Beispiel die von Topsprecher David Nathan in “Alice im Wunderland” - verhindern, dass Kinder das Interesse verlieren, und sprechen sie viel mehr an. Audible listet mehr als 5.800 Hörbücher in deutscher Sprache, die über „Whispersync for Voice“ abgespielt werden können. Um den Dienst zu verwenden, kaufen Nutzer das Kindle e-Book und fügen dann das verbilligte Hörbuch von Audible hinzu.   Für Thorsen war es eine besonders persönliche Erfahrung, Clara bei ihrem Kampf mit der Leseschwäche zuzusehen. Anders als bei ihrer Tochter wurde ihre LRS erst als Erwachsene diagnostiziert. Als Folge sind ihr viele Angebote entgangen, die ihr die Schulzeit vereinfacht hätten. Ihr Ziel als Mutter ist es, Clara da zu unterstützen, wo es möglich ist, zusammen mit ihren Lehrern. Und dann - so sagt sie - soll Clara lernen, den Kampf gegen die LRS auf eigene Art zu gewinnen. So, wie sie selbst es getan hat.   “Ich habe an der Vanderbilt University Jura studiert, und ich kann noch nicht mal ‘Instandhaltung’ buchstabieren. ‚Reinrassig‘ kann ich auch nicht schreiben. ‚Broccoli‘ – unmöglich“, sagt Thorsen. “Ich möchte, dass sie an den Punkt kommt, an dem sie sagt: ‘Ich werde diese Hilfen verwenden.’ Ich glaube, es geht nur um das Selbstbewusstsein zu wissen, was man braucht.”   Mehr Informationen zu Whispersync for Voice gibt es hier.

Der Originaltext erschien auf dem Blog unserer US-Kollegen: Audible Range.

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