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Im Studio: Regisseurin der Highland-Saga - Ingeborg Bellmann

20.05.2015

Fans von Diana Gabaldon haben lange drauf gewartet. Jetzt ist sie endlich erschienen, die ungekürzte Hörbuch-Version der Highland-Saga. Wir waren im Hörbuchstudio dabei und konnten mit Regisseurin Ingeborg Bellmann über die Produktion dieses Mammut-Projektes sprechen.

Eine Saga, die in die Zeit passt

Wann und wie bist du zum ersten Mal mit der Highland-Saga in Berührung gekommen? Erst durch die Produktion? Oder hast du sie schon Jahre vorher gelesen?
Ich habe sie tatsächlich erst durch Produktion kennen gelernt. Da kommt man häufiger mit Texten in Kontakt, von denen man gar nicht wusste, dass man sie mögen würde. Diese Saga ist eine Wucht. Sie passt genau in unsere Zeit.
Inwiefern passt das gerade gut?
Claire, die Hauptfigur, rutscht in der Geschichte 200 Jahre zurück in die Vergangenheit und ist plötzlich in einer anderen Welt. Ganz aktuell gibt es Menschen, denen es in gewisser Weise ähnlich geht, die vor Krieg, Not und Verzweiflung fliehen. Auch sie landen in einer fremden Welt, einem völlig neuen Leben, sind Fremde, Outlander, wie Claire. Die Geschichte mit diesem Blick zu sehen, finde ich hoch spannend. In beiden Fällen geht es um das plötzliche Fremdsein, das sich Zurechtfinden müssen. Und wenn man so will, bringt uns Diana Gabaldon bei, auch bei dem was aktuell gerade passiert, mitzufühlen und zu verstehen.

Das Glück der Vollständigkeit

Die Saga besteht aus sieben dicken Büchern. Wie bereitet man sich auf ein so großes Projekt vor?
Der erste Band hat mehr als 1000 Seiten, die muss man erst einmal lesen. Obwohl die Geschichte aus der Perspektive von Claire erzählt wird, kommen sehr viele verschiedene Figuren vor, die müssen ja alle gezeichnet werden und dazu muss man ihren Charakter kennen. Viele Figuren sind in einem ähnlichen Alter, zum Beispiel Jamie und sein Schwager Ian. Jamie ist jemand, der dir nie hinterrücks ein Messer in den Rücken jagen würde. Ian hat im Kampf ein Bein verloren, der ist schon ein Stück weit gebrochen. Solche Unterschiede muss man herausarbeiten und dann bei der Aufnahme darauf achten, dass sie beibehalten werden. Die Figuren müssen genug Raum haben, ihre Temperamente zu entwickeln, aber man muss sie auch noch unterscheiden können. Ich lese die 1000 Seiten also mindestens zwei Mal, arbeite den Text durch, und dann beginnt die Arbeit im Studio.
Was ist das Schöne oder das Spezielle an dieser Produktion?
Dass wir das Glück haben, die Highland-Saga komplett einzulesen. Bei einer gekürzten Fassung würden wahrscheinlich genau die Kapitel wegfallen, in denen Claire über sich reflektiert: Wer bin ich? Wie sieht mein Leben aus? Meine Zukunft? Wie soll ich mich entscheiden? Es geht um diese Zerrissenheit in einem neuen Leben: Wohin gehört Claire? In das alte oder das neue Leben? Das sind Lebensfragen, die jeden von uns berühren und die wir uns alle stellen. Ich glaube, dafür und auch für die wunderbare erotische Lust, muss man diese Saga einfach mögen.

Was einem bei so einer intensiven Arbeit natürlich auch auffällt, ist, wie ökonomisch Diana Gabaldon arbeitet. Die Dramaturgie ist schlicht bewundernswert. Dialoge, Szenen, Beschreibungen, Reflexionseinheiten … und was sie Jamie am Ende zumutet. Also sie traut sich was und dabei wird alles emotional so gut portioniert erzählt, dass man es als Hörer ertragen kann. Das ist wirklich große Kunst, Chapeau!

Wie ist das an so ein Mammut-Projekt um zu setzen?
Die Geschichte ist toll, sie ist toll übersetzt, das fließt einfach. Und ich habe das Glück mit Birgitta Assheuer arbeiten zu können, die einen wirklich langen Atem hat und die Spannung sowohl über die ganze Strecke, als auch in den einzelnen Kapiteln und Szenen hält. Und so wie Birgitta Asshauer die Geschichte erzählt, das ist schon große Kunst. Die Highlands leben. Die Menschen leben. Das ist toll. Da möchte man sofort hinfahren.

Außerdem haben wir das Riesenglück in einem Studio zu arbeiten, das ausnehmend schön und technisch exzellent ausgestattet ist. Was bei dem Kostendruck heutzutage keine Selbstverständlichkeit ist.

Buch, Hörbuch und TV-Serie

Ende Mai erscheint auch eine TV-Serie zur Highland-Saga. Wirst du dir die angucken?
Ich guck da bestimmt rein. Einfach um mal zu sehen, wie sie gemacht ist und weil man ja auch Bilder im Kopf hat. Ich würde das Hörbuch und die Serie aber gar nicht so verbinden. Film ist Handlung, das Buch folgt anderen Gesetzen. Ich denke Hörbuch und Buch sind sich am nähesten, aber die Serie wird einfach anders sein.
Hast du Angst, dass deine eignen Bilder im Kopf durch die Serie kaputt gehen?
Nein. Wahrscheinlich werde ich bei den Figuren ein bisschen umdenken müssen, weil Jamie im Buch zum Beispiel sehr groß, kräftig und rothaarig ist, in der Serie ist er wahrscheinlich nicht so groß und kräftig ist und hat auch keine roten Haare. Film ist einfach eine andere Kunstform. Man sollte Buch und Film wie zwei unterschiedliche Sachen betrachten, dann hat man Freude an beidem.

Die Welt im eigenen Kopf

Zurück zu Hörbüchern: Was ist für dich das Schönste am Geschichten hören?
Ich bin Hörspiel-Regisseurin geworden, weil ich mit dem Radio und einem großen Repertoire an Stimmen und Erzählformen groß geworden bin. Wenn jemand gut erzählen kann, ob im Radio, Zuhause am Tisch, in der Kneipe, wo auch immer, passiert etwas, im besten Fall beginnt eine Reise und im eigenen Kopf entsteht eine neue Welt.
Vielen Dank für das Gespräch.
Zum Hörbuch Feuer und Stein (Outlander 1)

Interview mit der Sprecherin der Highland-Saga, Birgitta Assheuer.