Audible

Indianergeheul und der Wind des Orients: Hörbücher von Karl May

Von: Gast
30.03.2012

Gastbeitrag von Roderich Haug, Lektor des Karl-May-Verlags zum 100. Todestag von Karl May

Karl May begleitet mich nun seit fast 20 Jahren meines Lebens intensiv, dabei bin ich ein eher „spät berufener Mayaner“. Natürlich habe auch ich als Junge im klassischen Einstiegsalter einige seiner Erzählungen gelesen, aber es gab damals Altersgenossen, die ungleich mehr der Grünen Bände verschlungen hatten. Das war in der ersten Hälfte der 1970er-Jahre. Danach verlor ich den guten May – ich muss es gestehen – für längere Zeit etwas aus den Augen. Erst gegen Ende meines Germanistikstudiums begegneten wir uns so richtig wieder, als ich im Sommer 1993 die ersten Aufträge als freier Mitarbeiter des Karl-May-Verlags übernehmen durfte. Daraus wurde bald ein Volontariat und seit Frühjahr 1995 bin ich nun Verlagslektor hier im Hause. 17 weitere Bände der Gesammelten Werke sind inzwischen erschienen, mehr als 30 Sonderbände zu der grünen Reihe und viele weitere Titel rund um Leben und Werk des Radebeuler Abenteuerträumers. Und ja – es macht immer noch Spaß. Seit etlichen Jahren haben wir unser Programm um Hörbücher und ebooks erweitert und sind immer noch mitten drin, das Angebot weiter auszubauen.

Zu den ungekürzten Karl May Hörbüchern

Wer war Karl May?

Schreiben konnte er: unglaublich schnell, unglaublich viel und unglaublich erfolgreich. So ist es kein Wunder, dass die Auflagen seiner vielen Werke sogar bei Einzeltiteln in die Millionen gehen und Karl May bis heute der mit Abstand meistgelesene deutschsprachige Schriftsteller ist. Allein in deutscher Sprache liegen inzwischen 100 Millionen Bände vor, weltweit erreichen die Werke in derzeit 42 Sprachen geschätzt das Doppelte.

Karl May hatte kein leichtes und in der Jugend ein besonders schweres Leben. Am 25. Februar 1842 wurde er in Ernstthal im sächsischen Erzgebirge geboren und wuchs in ärmlichsten Verhältnissen auf. Nach entbehrungsreicher Kindheit und Jugend strebte er den Lehrerberuf an. Leider geriet er dann – mehr durch eine Verkettung unglücklicher Umstände und seelische Nöte als durch wirklich kriminelle Absichten – auf die schiefe Bahn, sieben Jahre Gefängnis waren die Folge. Doch andererseits hätte er ohne die ‚dunklen Flecke‘ in den frühen Jahren die ihm angeborene Fantasie vielleicht nie in dem uns bekannten Maße entfalten können und wäre – wenn überhaupt – ein nur mittelmäßiger Schriftsteller geworden.

Wie dem auch sei – bewundernswert ist allemal, dass er nicht resignierte, sondern sich ins normale Leben zurück kämpfte. Nachdem er nicht mehr Lehrer sein durfte, nahm er eine Tätigkeit als Zeitschriften-Redakteur an; dabei entdeckte und entwickelte er schnell eigenes erzählerisches Talent, bis er ausschließlich als freier Schriftsteller arbeitete.

Karl Mays Werke

Schon von Anfang an schrieb er auch Geschichten, die im Orient und im Wilden Westen spielen. Weltberühmt wurde er durch seine großen Reiseerzählungen wie Durch die Wüste, Durchs wilde Kurdistan, Winnetou, Old Surehand.

Mit diesen Werken hat er die Vorstellungen ganzer Generationen vom Leben und Schicksal der Indianer und von jenen Weltgegenden, die wir ‚den Orient‘ nennen, entscheidend und bis heute anhaltend geprägt. Das ungewöhnlich große Interesse und die Sympathie, die die amerikanischen Ureinwohner gerade in Deutschland genießen – nicht zuletzt ein Verdienst Karl Mays.

Aber er ist noch viel mehr als der Vater von Old Shatterhand und Winnetou, Kara Ben Nemsi und Hadschi Halef Omar. Zu seinem Werk gehören weitere Abenteuer aus aller Herren Länder genauso wie historische Erzählungen, Dorfgeschichten und Humoresken aus seiner erzgebirgischen Heimat, Gedichte, die symbolischen Erzählungen des Spätwerks und aufschlussreiche autobiografische Schilderungen und Lebenserinnerungen.

18991900 unternahm May eine große Orientreise, 1908 fuhr er nach Nordamerika. Die Eindrücke dieser Reise verarbeitete er in seinem letzten Buch Winnetous Erben.

Überhaupt sind Werk und Biografie Mays miteinander verflochten wie bei kaum einem zweiten Autor. In verwandelter Form, häufig an erfundene exotische Orte verlagert, von turbulentem, fantastischem Geschehen umhüllt, sind in die Karl-May-Bücher viele persönliche Erlebnisse eingeflossen.

Legenden um Karl May

Es gibt wohl keinen anderen deutschsprachigen Schriftsteller, der zu Lebzeiten und weit über den Tod hinaus von so widersprüchlichen Legenden umrankt war wie Karl May. Und ähnlich konträr fielen Urteile über sein Schaffen aus. Die Bücher fanden enthusiastischen Beifall, weckten aber auch Neid und Verleumdung. Die Anfeindungen häuften sich immer mehr und arteten schließlich in eine regelrechte Hetzkampagne gegen den greisen Dichter aus. Die ständigen Querelen, Prozesse und Pressefehden zermürbten ihn nicht nur seelisch, sondern zunehmend auch körperlich. Am 30. März 1912 verstarb May in Radebeul.

Die Hörbücher von Karl May

Passend zum 100. Todestag des großen Schriftstellers gibt es viele seiner Werke ungekürzt auch als Hörbuch – von Winnetou, in den Orient bis hin zum Buschgespenst!

Wir konnten hierfür zwei großartige Sprecher für die Lesung der Erzählungen gewinnen.

Der erklärte May-Fan Peter Sodann – bekannt als Kommissar Ehrlicher in der Reihe TATORT – widmet sich hierbei den orientalischen Abenteuern Kara Ben Nemsis und Hadschi Halef Omars sowie Geschichten aus Mays Heimat im Erzgebirge. Seine Lesung der Erzählung Das Buschgespenst wurde für den Deutschen Hörbuchpreis 2010 in der Kategorie „Das besondere Hörbuch / Bester Krimi” nominiert.

Der Rundfunkmoderator und Synchronsprecher Heiko Grauel nimmt sich der abenteuerlichen Erlebnisse Winnetous und Old Shatterhands in den weiten Prärien und Gebirgen Nordamerikas an und hat zudem mit zwei Bänden auch schon einen Abstecher mit May-Helden auf die südamerikanische Hälfte des Doppelkontinents gemacht.

Zu den ungekürzten Karl May Hörbüchern