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Auf einen Schnack mit Michael Hansonis

23.01.2015

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Unterwegs in Kreuzberg mit Michael Hansonis

Wir treffen uns vor dem legendären  SO36 in der Oranienstraße in Kreuzberg. Was bedeutet dieser Ort für dich? Das SO36 war für mich immer ein besonderer Ort. Hier hab ich die Dead Kennedys gesehen und einige andere damals für mich wichtige Bands. Das war Anfang der 1980er Jahre, ich war 20 Jahre alt. Natürlich wollte ich mit meinen Bands Les Immer Essen und King Candy auch hier spielen, aber dazu kam es leider nie. Wenn wir dann in anderen Clubs spielten, war es einfach toll in Berlin zu sein. Die Atmosphäre war immer super. Welche Lebenseinstellung ist dir aus dieser Zeit geblieben? Man soll immer seinen Anfängergeist bewahren. Mit Anfängergeist meine ich nicht Stümper sein, sondern die Frische des Anfangs und die Begeisterung zu behalten. Darum bemühe ich mich auch als Sprecher. Zwar reproduziere ich beim Hörbuch Sprechen Texte, aber ich will mir die Begeisterung bewahren. Wann hast du eigentlich entdeckt, dass du Hörbücher lesen möchtest? Zum Hörbuch Lesen kam ich durch Elke Heidenreich. Wir kennen uns schon länger und sie hat mir die Türe geöffnet, so dass ich das erste Hörbuch sprechen konnte. Das war Die Chirurgin von Tess Gerritsen. Ich habe dann beim Lesen entdeckt wie viel Spaß mir das macht.
Man muss seinen eigenen Schatten umarmen.
Gibt es eine Eigenschaft an dir, die du gerne loswerden würdest? Ich finde alle persönlichen Eigenschaften sind zu etwas da. Das ist der Grund warum wir überhaupt leben. So würde vielleicht auch ein Zen Lehrer antworten: „Man muss seinen eigenen Schatten umarmen.“ Viele erleben diese Art von Gelassenheit zwischen 40 und 50, wenn man merkt, dass das Leben nicht nach einem bestimmten Model ablaufen muss. Bekommst du gerne Besuch? In Köln war ich ein richtiger Messy. Meine Wohnung war relativ groß aber nie aufgeräumt. Gitarrenseiten, Pizzakartons, Klamotten, überall lag etwas herum und man stolperte mehr durch meine Wohnung als dass man ging. Deswegen wollte ich dort nie gerne Besuch. Seit ich in Berlin lebe ist das aber total anders. Hier ist meine Wohnung klein und ordentlich und ich bekomme jetzt sehr viel lieber Besuch. Was ist das peinlichste Lied auf deinem Handy? Felicita von Albano und Romina Power. Den Song werde ich, auch wenn’s peinlich wird, irgendwann covern! Wann warst du das letzte Mal richtig mutig? Ich bin eigentlich ständig mutig, weil ich mich ständig einmische und meine Meinung sage. Ich kann einfach nicht den Mund halten, z.B. wenn Leute in der U-Bahn pöbeln. Ob das jetzt mutig ist oder blöd von mir weiß ich nicht. Das ist ja sehr relativ. Wie erkundest du eine Stadt? Zu Fuß. Ich laufe mir wirklich die Füße wund. Ich war in diesem Jahr in Lissabon und bin jeden Tag etliche Kilometer gelaufen, um die Stadt zu erkunden. So habe ich das anfangs auch in Berlin gemacht. Ich finde das Beste, was man machen kann, ist eine Stadt zu Fuß zu erkunden. Wofür lohnt es sich deiner Meinung nach Schlange zu stehen? Für eine Karte eines Elvis Costello Konzertes vielleicht. Also wenn ich ein gutes Konzert hören möchte, stehe ich auch schon mal länger an, ja. Gab es einen magischen Augenblick in diesem Jahr für dich? In diesem Frühjahr war ich wegen einer Verletzung in Portugal lahm gelegt. Ich musste eine Nacht in der Ambulanz eines Krankenhauses in Setubal bleiben und habe dort in dieser Nacht wie von selbst 3 Songs geschrieben. Das war eine wunderbare Nacht für mich.

 Alle Hörbücher mit Michael Hansonis findet ihr hier.