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Auf einen Schnack mit Oliver Schmitz

07.05.2015

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Oliver, was hast du beruflich gemacht bevor du Sprecher wurdest?
Mein Weg in den Sprecherberuf war nicht geradlinig. Nach dem Abitur ging ich zur Bundeswehr und habe anschließend eine Banklehre gemacht. Danach studierte ich Wirtschaftswissenschaften. Ich war also zunächst Diplomökonom.
Das ist wirklich kein geradliniger Weg. Und wie kamst du zum Sprecherberuf?
Ich arbeitete bei Sony Music als Produktmanager für die Kuschelrock CD-Reihe. Wir produzierten viele Werbespots dafür. So kam ich in Kontakt mit Sprechern und stellte schnell fest, dass mich ihre Arbeit sehr viel mehr faszinierte, als auf der anderen Seite der Scheibe im Studio zu sitzen.
Ich wusste einfach, dass Sprechen mein Ding ist, das habe ich gespürt.
Was hat dir an der Arbeit der Sprecher gefallen?
Ich fand es faszinierend, was für Emotionen Sprecher auf Knopfdruck mit ihrer Stimme erzeugen konnten. Erst dachte ich einfach „Das kannst du doch auch!“ Doch ich habe sehr schnell festgestellt, dass es eben nicht so einfach ist. Für mich begann dann ein langer Prozess, bis ich so weit war, selbst als professioneller Sprecher zu arbeiten.

Was hast du alles dafür getan, um deinen Traumberuf ausüben zu können?
Als Grundvoraussetzung hatte ich eine Stimme, die funktionierte und die sich gut anhörte. Aber mir fehlte natürlich der professionelle Hintergrund. Also nahm ich abends nach der Arbeit privat Schauspielunterricht und lernte, wie wichtig die richtige Atmung für das Sprechen ist. Jeden Tag übte ich lautes Lesen. Dabei habe ich mich auch selbst aufgenommen und diese Aufnahmen schulten auch mein Gehör.
Wann war es so weit, dass du deinen Beruf wechseln konntest?
Als ich 33 war, das war zur Jahrtausendwende, habe ich einen radikalen Cut gemacht. Es war so ein Jetzt oder gar nicht-Moment. Ich habe gekündigt und sofort begonnen, mich für Sprecherjobs zu bewerben. Da haben natürlich viele Menschen um mich herum erstaunt reagiert.
Was hat dir bei dieser schweren Entscheidung geholfen?
Ich wusste einfach, dass Sprechen mein Ding ist, das habe ich gespürt. Ich habe nie bereut, meine Ausbildung und mein Studium zum Ökonom gemacht zu haben, aber die kreative Seite in mir war irgendwann stärker.
Gab es einen Türöffner, zum Beispiel ein Auftrag, der für dich bedeutend war?
Das ist schwer zu sagen. Als ich begann, Werbespots für große Marken zu sprechen, wurde ich auch öfter gebucht. Ich wollte als Sprecher möglichst breit aufgestellt sein und habe mich um vielfältige Aufträge bemüht. Heute werde ich entweder direkt über meine Homepage angefragt oder über Tonstudios die wichtigsten Partner für meine Arbeit sind.
Welche persönlichen Hürden hast du auf diesem Weg überwunden?
Meine größte persönliche Hürde war sicherlich, diesen radikalen Cut zu machen und aus einem sicheren Job auszusteigen. Zu sagen, „Ich mache jetzt etwas anderes, und zwar etwas, das ich nie richtig gelernt habe!“ Das war ein großer Schritt. Doch das habe ich keine Sekunde bereut. Außerdem musste ich natürlich lernen, wie diese Branche funktioniert. Die nötige Selbstsicherheit im Job zu gewinnen, war meine zweite große Hürde.
Welche Eigenschaften aus deinem alten Job haben dir auf deinem Weg geholfen?
Ich habe eines immer gewusst: Wenn es mit dem Sprechen nicht funktionieren würde, dann hatte ich immer noch die Möglichkeit, wieder in meinen alten Job zurück zu gehen. Mein beruflicher Hintergrund als Wirtschaftswissenschaftler hilft mir außerdem, wenn ich als Präsentationstrainer arbeite.
Wo können wir dich aktuell zum Beispiel in den Medien hören?
Ich bin zum Beispiel für DEKA Investments zwei Mal im Monat zu hören und zu sehen. Ich spreche aktuell für das Focus Magazin und für ZDF, Arte und 3Sat spreche ich Reportagen und Dokus. Sehr viel Spaß macht natürlich die Gewinnspielfrage für die Championsleague im ZDF: „Wer hat die meisten Tore geschossen?“ oder ähnliches – Das ist meine Stimme.
Dieses ad hoc lesen ist eine Übungssache und muss trainiert werden, so wie ein Sänger jeden Tag übt, oder ein Instrumentalist.
Irgendwann kam auch das Hörbuchsprechen dazu. Was magst du an Hörbüchern?
Der erste Thriller, den ich für Audible gelesen habe, war Im Netz des Spinnenmanns von T. R. Ragan. Eine ganze Geschichte zu transportieren und den unterschiedlichen Charakteren eine Stimme zu geben, das war schon eine tolle Herausforderung für mich, denn es ist eine ganze Welt, die ich zum Leben erwecke. Das ist das schöne beim Hörbuch.
Hast du das Gefühl, stimmlich jetzt fertig ausgebildet zu sein?
Nein, dafür sind die Dinge, die ich mache, zu vielseitig. Wenn ich eine Reportage spreche oder eine Dokumentation, dann bekomme ich den Text kurz vor der Aufnahme. Dieses ad hoc lesen ist eine Übungssache und muss trainiert werden, so wie ein Sänger jeden Tag übt, oder ein Instrumentalist. Ich übe auch heute noch jeden Tag. Morgens lese ich erst unserer Tochter etwas vor, danach lese ich einen langen Artikel in der Zeitung laut, um für den Tag warm zu werden. Abends lese ich noch mal laut. Ich bin also in einem ständigen Training.
Was liest du ganz privat?
Ich lese ungefähr 2-3 Bücher im Monat aus allen möglichen Genres. Gerade zum Beispiel Gone Girl von Gillian Flynn. Ich lese auch gerne Autoren wie Haruki Murakami oder die Bücher von Walter Moers, so was liebe ich. Und auch Deutschstunde von Siegried Lenz habe ich gerne gelesen, einfach weil mich die Sprache sehr fasziniert hat.
Hast du so etwas wie Vorbilder?
Jemand, der mich absolut mit seiner Stimme gefangen nimmt, ist zum Beispiel Stefan Kaminski. Wenn man Kaminski On Air hört und sieht, sucht man unwillkürlich auf der Bühne nach anderen Sprechern. Doch da sind keine anderen außer ihm und der Musiker. Das ist für mich wirklich hohe Kunst!
Bist du heute froh über den Weg, den du gegangen bist?
Ja, sehr. Ich bereue nicht, zuvor einen anderen Beruf ausgeübt zu haben. Das eine wäre ohne das andere nicht möglich gewesen. Bei sich zu sein und das zu tun, wofür man geschaffen ist, da bin ich jetzt angekommen.

Alle Hörbücher mit Oliver Schmitz findet ihr hier.