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Auf einen Schnack mit Peter Lontzek

16.06.2015

Fotos: © Maximilian Leitenbauer

Mit Peter Lontzek im legendären Kaffeehaus Grosz in Berlin
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Peter, wir treffen uns in dem Kaffeehaus Grosz am Kurfürstendamm in Berlin. Bist du oft hier?
Auf jeden Fall bin ich sehr gerne hier. Ich finde es schön, wenn Gebäude im alten Stil wieder hergerichtet wurden. Im Grosz findet man den alten Glanz von Westberlin und ich bin ein großer Fan davon. Deswegen liebe ich auch Städte wie zum Beispiel Prag. Diese Patina, diese alte Romantik lässt mich emotional sehr schnell eintauchen.
Du bist Wahlberliner, wo kommst du denn eigentlich her?
Ich bin im Sauerland aufgewachsen, bei Olpe, recht ländlich und ruhig. Meine Vorfahren kommen aber aus dem heutigen Polen.
Ist so ein Café auch ein Ort, an dem du dich zum Beispiel auf ein Hörbuch vorbereitest?
An Orten wie diesem treffe ich mich vor allem gerne mit Freunden und genieße die Atmosphäre. Hörbücher bereite ich am Liebsten in Ruhe zu Hause vor, oder ab und zu in Cafés, wo man draußen sitzen kann.
Und wie bereitest du dich auf deine Arbeit zu Hause vor?
Ganz grundsätzlich ist das Schauspiel der Ansatz mit dem ich auf meine Arbeit zugehe. Wenn ich synchronisiere, ist es vor allem das Spiel. Wenn ich ein Hörbuch vorbereite, lese ich den Text in Ruhe durch und frage mich, was löst er in mir aus, welche Assoziationen habe ich, welche Bilder entstehen bei mir. Diese speichere ich dann sofort emotional ab.
Welche Art des Schauspiels fasziniert dich?
Ich mag Schauspieler, die ein ernsthaftes Interesse an der Materie haben, die eine Verbindung zwischen ihrem persönlichen Interesse und dem Beruflichen entwickeln. Das sind häufig Leute, die sich viele Gedanken über ihre Arbeit machen und ihre Persönlichkeit einfließen lassen. Extrovertiertes Schauspiel wiederum ist nicht so mein Ding.
Hattest du Schauspielhelden, bevor du Schauspieler wurdest?
Also Clint Eastwood fand ich zum Beispiel schon immer toll. Wie er sich im Alter neu entdeckt hat, ließ auch meine Faszination neu entfachen. Man wollte keine alten Männer auf der Leinwand sehen und dennoch hat sich Eastwood entgegen der Trends ganz neu erfunden. Dieser Mann bleibt bei sich und geht konsequent seinen Weg. Diese Eigenschaft finde ich großartig.
Dein eigener Weg ging ja zunächst in eine ganz andere Richtung. Wie kam es dann zu deiner Entscheidung, Schauspieler zu werden?
Ich hab nach dem Abi zuerst Amerikanistik und Europäische Ethnologie studiert. Doch das hat für mich nicht gestimmt. Es fühlte sich nicht mehr gut an, da musste ich einfach gehen und dann hab ich mich für die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule vorbereitet. Ich habe damals allein auf meine Intuition gehört und die hat auch gestimmt.
Entscheidest du viel über dein Bauchgefühl?
Ja. Ich glaube, Intuition ist eine tiefe Wahrheit und ich entscheide wirklich viel über Intuition. Auch für Hörbücher zum Beispiel entscheide ich mich nach Bauchgefühl. Ich überlege dann, ob mich ein Text anspricht und ob ich ihn zum Leben erwecken kann.
Peter, wo verbringst du im Job im Augenblick die meiste Zeit?
Im Augenblick bin ich jeden Tag im Studio, mindestens 40 Stunden in der Woche. Dort arbeite ich entweder als Synchronsprecher oder ich lese Hörbücher. Beides hält sich gut die Waage.
Würdest du gerne mehr drehen oder auf der Bühne stehen?
Momentan habe ich selten Zeit dafür. Mir macht meine Arbeit sehr viel Spaß. Ich nehme mir die Freiheit, das zu tun, was ich interessant finde. Wenn ich gerne mehr drehen wollen würde, dann würde ich mich auch darauf konzentrieren. Meine Erfahrung ist, dass mit wachsendem Alter mehr interessante Angebote auf mich zukommen und ich gucke mal, was die Zukunft für mich bereithält.
Würde der Peter Lontzek mit 20 den Peter Lontzek von heute gut finden?
Ich denke, der junge Peter Lontzek würde das gut finden, was ich heute mache, ja. Ich wollte schon als Kind Schauspieler sein und das bin ich heute. Ich hab damals davon geträumt, tolle Filme zu synchronisieren und schöne Hörbücher zu sprechen, was ich jetzt mache.
Was hat sich zwischen dem jungen und dem heutigen Peter geändert?
Mit Anfang 20 lag der Fokus auf meiner Karriere. Ich hab sehr viel gearbeitet und meine ganze Kraft in die Arbeit gelegt. Damals habe ich nicht darauf geachtet, was ich sonst noch brauche im Leben oder woher ich meine Kraft hole. Ich wollte weiter kommen. Doch dann hat mal jemand zu mir gesagt, du kannst dein Leben jetzt planen, aber es wird bestimmt anders kommen. Dieser Satz nahm den Druck raus, mein Leben kontrollieren zu wollen. Ich habe mich auch anderen Dingen des Lebens zugewandt, die mich ausgleichen können.
Sprachliche Feinfühligkeit fasziniert mich.
Und was heißt das für dich und deinen Beruf?
Mein Beruf ist für mich nach wie vor eine Herzensangelegenheit und ich liebe ihn sehr. In schwierigen Arbeitssituationen versuche ich, mir diese Liebe nach vorn zu holen, damit ich nicht stecken bleibe. Er ist jedoch nicht der einzige Lebensinhalt, das wäre fatal. Das Wichtigste im Leben sind für mich die zwischenmenschlichen Beziehungen, meine Familie und meine Freunde. Ich lebe mir selbst gegenüber bewusster und nutze meine freien Zeiten, um meine Hobbys zu pflegen.
Was für Hobbys sind das denn?
Ich gehe zum Beispiel sehr gerne schwimmen. Meine Schwimmtasche hab ich immer dabei, so dass ich auch zwischen zwei Synchronterminen ein paar Runden drehen kann. Und ich bewahre mir die Liebe zu Büchern. Ich lese ganz bewusst nur Dinge, die ich wirklich privat lesen möchte. Und dann treffe ich auch einfach gerne Menschen, wie zum Beispiel hier in diesem Café.
Welche Bücher magst du ganz privat am Liebsten?
Ich mag sehr gerne Krimis und Thriller. Die Stieg Larsson Trilogie hat mich richtig gepackt. Diese Bücher sind atmosphärisch so dicht, dass ich das Gefühl hatte, ich bin dabei. Ich mag aber auch Autoren wie Hans Josef Orteil. Die große Liebe habe ich vor kurzem gelesen. Wenn er über Gefühle schreibt, ist das so präzise und genau, das trifft es einfach. Unglaublich bewegend! Sprachliche Feinfühligkeit fasziniert mich.
Weißt du eigentlich, wie viele Hörbücher du bisher gesprochen hast?
Ja klar! Ich habe um die 30 Hörbücher gesprochen und kann mich an jeden Titel erinnern. Mein erstes Hörbuch war Phantom - Gefahr aus der Tiefe von Markus BennemannDer Mann aus dem Safe von Steve Hamilton war auch ein tolles Buch. Oder die Baldacci-Bücher, da war ich gleich beim ersten Skript Feuer und Flamme! Am 25. Juni 2015 erscheint der Thriller Sternenturm von William R. Forstchen. Ich hatte echt Glück und durfte schnell Bücher lesen, die mir persönlich auch richtig gut gefielen.
Welche der Serien, die du synchronisierst, magst du besonders?
Ich synchronisiere eine sehr schöne Serie namens Rectify. Die 2. Staffel wurde gerade fertig und die Serie kam gerade auf DVD raus. Die Geschichte fand ich von Anfang an spannend: Ein Mann versucht nach 20 Jahren Haft sich in der jetzigen Welt zurecht zu finden. Diese Serie ist einfach gut gelungen! Sensibel geschrieben und gespielt, tolle Musik, unglaublich gute Detailaufnahmen und Tiefgründigkeit. Rectify fordert viel von mir und berührt mich. 
Siehst du überhaupt noch selbst synchronisierte Filme an?
Ja klar sehe ich mir synchronisierte Filme an, und wenn mir ein Sprecher oder eine Sprecherin auffällt, den oder die ich nicht kenne, sehe ich auch nach, wer das ist. Früher habe ich nicht viel TV gesehen, aber jetzt nutze ich gerne Streaming Portale. Auf Netflix habe ich erst kürzlich diese Serie Bates Motel angesehen. Die Synchronfassung fand ich toll. Ich habe die Leute, die das synchronisiert haben, darauf angesprochen und ihnen gesagt, dass ich begeistert bin.
Ich spreche häufig die reflektierten, nachdenklichen und sensiblen Typen.
Auf welche Typen wirst du eigentlich am meisten besetzt?
Ich spreche häufig die reflektierten, nachdenklichen und sensiblen Typen. Genauso oft spreche ich aber auch die „Bösen“. Zwischen diesen Polen bewegen sich die meisten meiner Rollen. Dann kommt, wie in der kanadischen Serie Saving Hope, noch der charmante Arzt-Typ dazu, der für alle ein offenes Ohr hat. (grinst)
Peter, noch drei letzte Fragen: Wie würdest du dich selbst beschreiben?
Ich bin ein großer Mann mit der Seele eines Kindes. Ich bin empathisch und nehme mich selbst und andere Menschen ernst. Bei der Arbeit lasse ich mich emotional auf Projekte ein, dafür bin ich aufgeschlossen.
Ich bin ein großer Mann mit der Seele eines Kindes.
Was ist die peinlichste Musik auf deinem Handy?
Ganz bestimmt Looking for Freedom von David Hasselhoff.
Was macht dich glücklich?
In einem Song von Ich und Ich gibt es die Textzeile: So soll es sein so kann es bleiben… Dieses Gefühl kann in verschiedenen Situationen kommen: Alleine am Meer, das für mich eine Ruhe- und Kraftquelle ist. Glücklich kann ich auch in einem Gespräch sein. Wenn ich das Gefühl habe, ich bin in diesem Moment genau richtig, ich verpasse nichts, und ich fühle mich wohl, dann bin ich glücklich.

Alle Hörbücher mit Peter Lontzek findet ihr hier.