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Auf einen Schnack mit Dana Geissler

05.03.2015

Steckbrief_Dana Geissler_640x460Dana, du hast in letzter Zeit viele Bücher für Audible gelesen. Was ist dir besonders in Erinnerung geblieben?

Eine sehr schöne Produktion war Die Berufene von M. R. Carey, das war ein tolles Buch. Sehr gerne habe ich auch den Liebesroman gelesen, Was am Ende noch so bleibt von Babsy Tom und ich habe die Trilogie von Deborah Harkness beendet. Übrigens habe ich auch einen Krimi lesen können, Verschleppt von Petra Richartz, das war klasse!

Warum hat dich der Krimi besonders gefreut?

Das Böse ist ein schönes Genre! Ich lese häufig Geschichten von Liebe und Heldinnen, die durch ferne Länder reisen. Sehr gefühlvoll und schön. Aber meine Stimme passt auch sehr gut zum Bösen. Ich habe zum Beispiel Final Cut von Veit Etzold gelesen. Man geht beim Lesen eines Krimis spielerisch ganz anders vor, viel cooler eigentlich.

Seit ich Hörbücher spreche, hat sich meine Wertigkeit verschoben. Ich bin stolz auf meine Arbeit.

Was kann das Hörbuchsprechen dir als Künstlerin bieten?

Sehr viel. Beim Sprechen kann ich ganze Welten entstehen lassen und zwar durch meine eigene Kraft. Ich bin die Künstlerin und meine Stimme wird von Leuten gehört, gekauft und geliebt. Das ist doch das Brot des Schauspielers, dass du etwas gestalten kannst und wahrgenommen wirst.

Was ist deiner Meinung das Wichtigste in deinem Job?

Ich habe so viel gesprochen, dass ich kurzfristig dachte: „Gib mir einen Text, ich lese ihn dir fehlerfrei runter. Doch dann kam die Trilogie von Deborah Harkness. Als in einer Szene ungefähr 20 Figuren aufeinander trafen, die vorher in verschiedenen Handlungssträngen agiert hatten, war das eine unglaubliche Herausforderung. Es hat mich einmal mehr gelehrt, dass gute Vorbereitung das A und O ist. Und gerade ist Das Buch der Nacht, Teil 3 der All Souls-Serie erschienen.

Hat dich das Hörbuchsprechen eigentlich verändert?

Früher habe ich viel Wert darauf gelegt, mehr zu drehen, auf der Bühne zu stehen und das Sprechen war eher eine Nebensache. Aber mittlerweile empfinde ich das Sprechen als einen wirklich tollen Bereich meines Berufes. Die Wertigkeit hat sich verschoben und ich bin stolz auf meine Arbeit. Außerdem empfinde ich es als große Freiheit, so arbeiten zu können.

Was genau bedeutet Freiheit für dich?

Ich habe mich, meine Stimme und den Text. Damit arbeite ich. Das ist ein großer Luxus! Aber es geht ja nicht nur um den Beruf: Mein Sohn ist im letzten Jahr ausgezogen und ich genieße auch diese neue Freiheit. Es klingt banal, aber plötzlich habe ich wieder Zeit, mich abends mit einer Freundin zu treffen. Ich kann mit meinem Mann in den Urlaub fahren, wann wir wollen und ich kann einen Dreh annehmen, auch wenn ich dafür länger weg sein muss. Das ist Freiheit!

Mir wurde vorausgesagt, dass ich im Alter ab 50 Jahren erfolgreich sein würde.

Du liest beim Hörbuchsprechen gerne von einem Tablet, statt von Papier. Warum?

Früher habe ich immer stapelweise Manuskriptseiten mit mir herum geschleppt und dabei häufiger mal ein paar Seiten verloren. Jetzt habe ich immer alles bei mir. Die Vorbereitung wird durch das iPad viel einfacher und während der Aufnahme bin ich viel mehr in der Geschichte, ich lese konzentrierter als mit Papierseiten.

Wo holst du dir eigentlich dein Feedback und Anregungen?

Auf keinen Fall im Internet! Wenn ich ein Buch gelesen habe und mir die Kommentare dazu angucke, gibt es zwar viele gute Bewertungen, aber mich stört dann die eine, die das Hörbuch schlecht bewertet hat. Ich lerne aber immer dazu. Mittlerweile bestätigt mich die Tatsache, dass ich immer wieder gebucht werde und sich meine Hörbücher offenbar gut verkaufen.

Du bist viel umgezogen und lebst jetzt seit einiger Zeit in München. Wann fühlst du dich wohl in einer Stadt?

Ich mag ehrlich gesagt die Anonymität, die ich hier habe. In Köln war ich mit dem ganzen Haus befreundet, das war wunderbar, konnte aber auch manchmal anstrengend werden. Was mir in München allerdings fehlt, ist der Weitblick. In Köln lebten wir in einer Wohnung mit Dachterrasse und ich konnte über die ganze Stadt sehen. Jeden Abend stand ich dort oben, genoss diese Weite und war glücklich!

Gibt es ein Motto, nach dem du lebst?

Ich habe kein Motto, aber ich genieße den Augenblick und den Moment. Das Geschäft ist für einen Schauspieler launisch. Man hat ein Engagement und plötzlich wird es nicht verlängert. Dann kommen neue Drehangebote und alles sieht wieder ganz anders aus. Diese Umbrüche sind für mich nichts Neues. Ich bin heute entspannter, habe weniger Angst. Da ist vielleicht mein Motto: Irgendwas kommt immer!

Glaubst du an dein Horoskop?

Ja, das tue ich. Allerdings nicht einfach an Sternzeichen. Astrologie ist für mich keine Glaubensfrage sondern eine Betrachtungsweise. Es gibt keinen Einfluss von den Sternen auf uns, sondern es geht um die Sternen- und Planetenkonstellation zum Zeitpunkt deiner Geburt, und man betrachtet sie nach dem Prinzip: wie oben so unten. Mit dieser Konstitution trifft man auf den aktuellen Sternenhimmel und kann ihn so interpretieren.

Wow, das klingt nach einem Profi…

Mein früherer Mann, der Vater meiner Tochter, ist Astrologe und durch ihn habe ich viel über Astrologie gelernt. Diese eher wissenschaftliche Herangehensweise an mein Horoskop hat mir in meinem Leben schon sehr viel geholfen. Mit Anfang 20 wollte ich zum Beispiel der Prognose nicht glauben, dass ich erst mit 50 Jahren erfolgreich sein würde. Aus heutiger Sicht weiß ich, dass etwas sehr Wahres darin steckt. Ich gehe jetzt mit vielen Zukunftsfragen viel gelassener um und ernte tatsächlich die Früchte, die ich in den früheren Jahren gesät habe.

Alle Hörbücher mit Dana Geissler findet ihr hier.

Fotos: © Hagen Schnauss, 2014