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Auf einen Schnack mit Gabriele Blum

08.07.2015

Mit Sprecherin Gabriele Blum im Biergarten Schleusenkrug in Berlin
Steckbrief Gabriele BlumGabriele, wie lange bist du eigentlich schon Schauspielerin?
Also eigentlich müsste ich mein 45-jähriges Bühnenjubiläum feiern. Allerdings habe ich nicht die ganze Zeit am Theater gearbeitet, sondern habe viele ganz verschiedene Projekte gemacht.
Wolltest du jemals was anderes machen als Schauspielerin zu sein?
Ich komme aus einer Theaterfamilie. Schon als Vierjährige wollte ich Schauspielerin werden und unbedingt im Rampenlicht stehen. Mit der Zeit stellte ich fest, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, wahrgenommen zu werden, ganz ohne Rampenlicht. Deswegen mag ich auch das Hörbuch Sprechen so gerne. Ich liebe diese Arbeit im Verborgenen, die in Phantasiewelten entführen kann.
Vor vielen Jahren, 1983, hast du mit 7 Kollegen die legendäre Bremer Shakespeare Company gegründet. Wie kam es dazu?
Begonnen hat die Bremer Shakespeare Company aus purer Begeisterung für Shakespeare. Ich war eine Spielzeit lang am Theater in Castrop-Rauxel engagiert und spielte Desdemona in Othello. Wir wollten echtes Volkstheater machen und orientierten uns an Robert Weimanns Theorien zum Shakespeare Theater. Diese Theaterform faszinierte einige des Ensembles so sehr, dass wir auch nach Othello mit Shakespeare weiter machen wollten. So kam es schließlich zur Gründung der Bremer Shakespeare Company.
Und wieso Bremen als Standort des Theaters?
Das war ein großer Zufall. Die Kammerspiele des Bremer Theaters in der berühmten Boettcherstraße waren gerade geschlossen worden, doch die Bremer waren sehr offen für volksnahe und direkte Theaterformen. Also wagten wir es, dort unser Theater zu gründen, mieteten das verwaiste Haus und entwickelten dort ein ganz neues Theaterkonzept.
Wie würdest du das Besondere an eurer Truppe beschreiben?
Wir erforschten das direkte Spiel mit dem Publikum, das Durchbrechen der unsichtbaren „Wand“ zwischen uns. Jedes Stück, das wir spielten, musste deswegen auch ganz neu von uns übersetzt werden und viel entstand durch Improvisation. Die Bremer Shakespeare Company war ein echtes Kollektiv und auf der Bühne prallten unsere Gegensätze aufeinander. Deshalb waren unsere Stücke auch so explosiv. Die Company war unser Kind, unsere Familie. Ich empfinde diese Zeit auch heute noch als sehr erfüllt und will sie nicht missen.
Hat dich diese intensive Auseinandersetzung mit dem Shakespeare Theater als Schauspielerin verändert?
Ja, sehr. In der Tragödie auch die Komödie zu suchen und umgekehrt, das hatte ich vorher nicht gekannt. Ich lernte auch, harte Brüche zu spielen, denn Shakespeare wechselt ständig die Haltungen und Emotionen seiner Figuren. Das war für mich eine fast sportliche Herausforderung und ich habe es geliebt! Dadurch bin ich auch als Schauspielerin viel selbstbewusster geworden.
Du hast auch als Dozentin und als Coach gearbeitet, was rätst du heute jungen Schauspielern?
Ich rate jungen Leuten immer: „Zeig dich! Hab etwas zu sagen! Erfülle nicht das, was du glaubst, was gerade wichtig ist, sondern das, was dich ausmacht.“ Ich bin überzeugt, dass diese Authentizität sich trotz aller weichgespülten Formate durchsetzt.
Wie sieht dein aktueller Terminkalender aus?
Ziemlich voll, was ich klasse finde! Im Sommer 2015 hat Hamlet Premiere, das der wunderbare Sprecher und Company-Kollege Peter Kaempfe bearbeitet hat und mit mir zusammen im Monbijou-Theater in Berlin inszeniert. Drei Schauspieler werden elf Rollen spielen. Ich weiß nur: Das wird garantiert spannend!
Gabi, bist du eigentlich jemand, der sich seineTräume erfüllt?
Wenn es finanziell hinhaut, absolut! Letztes Jahr zum Beispiel habe ich mit dem Auto eine Tour durch Kalifornien gemacht. Damit habe ich mir einen großen Traum erfüllt. Jetzt denke ich gerade sehr intensiv an Schweden. Das Licht dort ist einzigartig und inspiriert mich zum Zeichnen. Da oben so ein kleines rotes Häuschen mit Garten, das wär’s!
Würdest du für Geld jemals beim Dschungelcamp mitmachen?
Nein, dafür habe ich zu lange beim Fernsehen gearbeitet. Ich weiß, wie es hinter den Kulissen zugeht. Aber ich sehe mir ganz gerne Casting Shows wie zum Beispiel The Voice of Germany an. Es gibt da unglaubliche Talente und viele sehr mutige Menschen. Das bewundere ich sehr, diese jungen Menschen, die sich etwas trauen, auch wenn es vielleicht nicht in kommerziell angesagte Konzepte passt.
Hast du jemals eine Rolle abgelehnt und es bereut?
Nach dem Film Heimat erhielt ich das Angebot, bei einer später sehr erfolgreichen Serie mitzumachen. Wir hatten jedoch gerade unsere Bremer Shakespeare Company gegründet und ich entschied mich daher gegen dieses Angebot. Ich weiß nicht, ob diese Rolle meiner Karriere eine ganz andere Wendung gegeben hätte, vermutlich schon. Aber dafür das Leben mit der Company missen? Niemals!
Alle Hörbücher mit Gabriele Blum findet ihr hier.