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Auf einen Schnack mit Sabina Godec

19.03.2015

Mit Sprecherin Sabina Godec im Senckenberg Museum Frankfurt
Steckbrief_Sabina Godec_640x460Sabina, was liebst du besonders an deiner Heimatstadt Frankfurt?
Es ist eine kleine, aber trotzdem sehr lebendige und bunte Stadt, es gibt hier viel zu erleben. Außerdem liegt Frankfurt sehr zentral, man kann jede andere Stadt in kurzer Zeit erreichen, das macht mich flexibel. Ich mag auch die Leute hier. Frankfurter sind nicht zu kühl oder zu ruppig, aber trotzdem ehrlich, das gefällt mir. Alles in allem ist es ein Heimatgefühl und auch meine Familie und meine Freunde, was mich mit Frankfurt verbindet.
Beruflich scheinst du auch sehr zufrieden zu sein in Frankfurt?
Ja, für mich war und ist mein Lebensmittelpunkt Frankfurt beruflich ideal. Seit ich mit meiner Stimme arbeite, passierten viele Dinge wie von selbst. Es gibt hier einerseits viel Werbung zu sprechen, Computer Spiele und auch Synchron. Zum anderen gefällt mir mein Job als feste Trailerstimme bei 3Sat sehr. Jetzt kommen mehr und mehr Hörbuch Produktionen dazu, was mich sehr freut.
Ich suchte mir erst mal einen Job, der mit Kunst nichts zu tun hatte.
Sabina, wie bist du denn eigentlich Sprecherin geworden?
Das war ein Weg mit vielen Umwegen. Ich war früh künstlerisch interessiert, allerdings in einer ganz anderen Kunst: Ich zeichnete und malte viel und gerne. Aber natürlich musste ich mir irgendwann meinen Lebensunterhalt verdienen, daher beschloss ich, mir erstmal einen Job zu suchen, der mit Kunst nichts zu tun hatte und arbeitete in einem Büro.
Wie ging es dann weiter?
Durch Zufall kam ich zum Theater. Ich hatte einen Regisseur kennengelernt, der gerade mit einer Schauspieltruppe Macbeth probte. Seine Hauptdarstellerin war abgesprungen und ich sah als Unbeteiligte bei einem Vorsprechen für die Hauptrolle zu. Der Text lag vor mir und aus jugendlichem Leichtsinn heraus sagte ich einfach so: „Das kann ich auch!“ Daraufhin sprach ich selbst vor, zum Spaß, wie ich dachte. Es hat aber so gut hingehauen, dass ich sofort mit der Gruppe proben durfte und schließlich habe ich tatsächlich Lady Macbeth gespielt.
Wow! Warst du nicht sehr aufgeregt, plötzlich auf der Bühne zu stehen?
Ich war natürlich sehr aufgeregt. Aber seltsamerweise fiel mir das Spielen und Sprechen, mich in die Rolle einfühlen, von Anfang an sehr leicht. Beim Theaterspielen habe ich auch meine Liebe zur Sprache entdeckt. Und so habe ich dann irgendwann mit dem Mikrofonsprechen begonnen. Dieser Zufall, der mich auf die Bühne gebracht hat, war ein großes Glück für mich. Sonst würde ich das,was ich jetzt tue, wohl nicht tun.
In der 9. Klasse war ich im Vorlesewettbewerb durchgefallen. Meine Lehrer würden sich heute wundern!
Waren das Lesen und das Sprechen auch Talente aus deiner Jugend? 
Ich wurde in Slowenien geboren und ging ab der dritten Klasse in Deutschland in die Schule. In der 9. Klasse hatte ich mich zum Vorlesewettbewerb beworben, war aber leider die Schlechteste und fiel daher durch. Ich denke heute würden sich die Lehrer von damals wundern, dass ich Sprecherin geworden bin.
Bist du bilingual groß geworden?
Ja, wir haben früher Slowenisch zu Hause gesprochen. Allerdings mag ich die deutsche Sprache mehr. Slowenisch fühlt sich für mich recht holprig an. Deutsch empfinde ich als eine sehr schöne, literarische Sprache. Sie ist mir viel näher, weil ich schon so lange hier lebe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich in Slowenien etwas mit Sprache gemacht hätte.
Wann hast du deinen Bürojob an den Nagel gehängt?
Ich hatte schon eine Weile Theater gespielt, allerdings nur in meiner Freizeit, als Luxus sozusagen. Eines Tages sagte eine meiner Kolleginnen im Büro in ihrem schönsten Hessisch: „Hach ja, in zwanzisch Jahren hocken ma imma noch da!“ Und da verstand ich, dass es nicht das war, was ich wollte. Es war eine Entscheidung über Nacht und am nächsten Tag habe ich gekündigt. Ich glaube, das war der schönste Tag meines Lebens!
Wird bei einem Sprecher-Casting eine besondere Ausbildung verlangt?
Nein, nach meiner Erfahrung nicht. Es kommt darauf an, was man abliefert, wenn man vor dem Mikrofon steht. Das ist das Ausschlaggebende. Keiner wollte von mir wissen, ob ich eine Sprecher-Ausbildung gemacht hatte. Ich denke, außerdem ist das erste persönliche Gespräch am Telefon sehr wichtig, denn man präsentiert sich ja direkt mit seiner Stimme.
Wie kam es zu deinem ersten Hörbuch?
Ich hatte schon einige Zeit als Sprecherin im Studio gearbeitet und eine Kollegin empfahl mich bei Lübbe Audio. So durfte ich einen Sprecherpart in einem ersten Hörbuch übernehmen. Das war damals das Hörbuch Zerbrechlich von Jodi Picoult. Da hatte ich tatsächlich ganz schön Herzklopfen aber es machte unglaublich viel Spaß. Ich habe dann mehrere Hörbücher von Karen Rose gesprochen und mittlerweile spreche ich eine ganze Reihe sehr verschiedener Hörbücher.
Denkst du noch lange an den Inhalt eines Buches, das du gesprochen hast?
Ich arbeite sehr viel und wenn ich ein Hörbuch abgeschlossen habe, dann vergesse ich den Inhalt auch sehr schnell wieder, um Platz für Neues im Kopf zu haben. Manchmal spreche ich vier oder fünf Bücher direkt hintereinander. Daher versuche ich mich immer genau darauf zu konzentrieren, was ich gerade tue.
Was findest du besonders wichtig beim Sprechen?
Ich arbeite sehr konzentriert und versuche die Stimmungen des Textes genau wieder zu geben. Wenn ich in meinem Element bin, kann es passieren, dass ich beim Lesen eine Gänsehaut bekomme. Dieses Kribbeln soll auch bei meinen Zuhörern entstehen. Dann mache ich meinen Job gut.
Man sollte seine begrenzte Zeit auf der Welt nutzen und sich nicht so viel über Kleinigkeiten ärgern.
Wir stehen im Museum gerade vor einer Installation des Weltalls. Was denkst du gerade?
Es macht mich verrückt, wenn ich darüber nachdenke, wie wir hier durch das Weltall jagen. Wir sind eigentlich so klein und man versteht, dass die eigenen Probleme ziemlich unwichtig sind. Ich denke auch, man sollte seine begrenzte Zeit auf der Welt nutzen und sich nicht so viel über Kleinigkeiten ärgern.
Im Museum stellen Kinder viele Fragen. Was würdest du antworten auf die Frage, woher man weiß, das man das Richtige tut?
Man tut das Richtige, wenn man sich in sich wohl fühlt und keine Zweifel mehr hat. Wenn man nicht mehr gegen sich selbst kämpft und sich nicht mehr so viele Fragen stellt. Ich denke heute, es ist verschwendete Zeit sich zu viele Sorgen über die Zukunft zu machen.
 Alle Hörbücher mit Sabina Godec findet ihr hier