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Auf einen Schnack mit Solveig Jeschke

26.02.2015

Solveig jeschke_steckbrief_640x460Solveig, wir sind hier an der Münchener Freiheit und du strahlst. Was bedeutet dir dieser Stadtteil?
Die Münchener Freiheit ist für mich der Inbegriff von München. Als ich das erste Mal hier war, wusste ich, das ist es! Einerseits gesetzt und gut situiert, andererseits sehr kreativ und aktiv. Ich unterschreibe Mails auch gerne mit Schöne Grüße von der Münchener Freiheit!
Und was hat es mit dem Café Macchiato auf sich, dem Ort, den du für unser Gespräch ausgewählt hast?
Für mich ist das Macchiato der Dreh- und Angelpunkt von München Schwabing. Hier findet man das Flair der alten und der neuen Zeiten - Geschäftsleute, Künstler und Kreative. Mittags treffe ich mich hier gern mit Freunden und Kollegen zum Essen. Es ist einer meiner Lieblingsorte in Schwabing und damit ein lebendiges Stück Alltag in meinem Münchner Leben!
Fiel es dir leicht, dich als Berlinerin in München heimisch zu fühlen?
Ich war lange Zeit unterwegs zwischen Frankfurt, Berlin und München, bin oft mit dem Job umgezogen. Jetzt habe ich das Gefühl, Wurzeln schlagen zu können. Ich empfinde mich als Weltenmensch und reise sehr gerne und auch gerne sehr weit. Mittlerweile genieße ich aber eben auch die kleineren Strukturen und bin glücklich, hier zu sein.
Ist Heimat ein wichtiges Thema für dich?
Ja, das spiegelt sich auch in den Geschichten, die ich als Dokumentarfilmerin mache. Immer wieder geht es um Identität. Was ist Heimat? Wo gehört man hin? Wie weit muss man weggehen, um Wurzeln zu finden und wie viel Wurzeln braucht man, um weit weg zu gehen? Ich liebe es sehr, wenn Filme davon erzählen.
Die Verbindung zwischen der Arbeit mit der Stimme und der kreativen Regiearbeit war für mich immer das Geschichten erzählen.
Das ist ein interessanter Punkt: Du arbeitest als Sprecherin, machst aber auch Regie bei Dokumentarfilmen. Geht das gut?
Sehr gut sogar! Die Verbindung zwischen der Arbeit mit der Stimme und der kreativen Regiearbeit war für mich immer das Geschichten erzählen. Zuerst als Sprecherin – mit einer ganz klassischen Ausbildung beim Rundfunk in Berlin. Dann als Radio-Moderatorin, Reporterin und Redakteurin ab Anfang der 1990er bei Radio Energy Berlin. Ich wollte aber weiter und ging zum Fernsehen. Und irgendwann kam dann der spannende Gedanke, vielleicht ja auch noch so richtig Regie zu studieren.
Dieser Gedanke kam dir einfach so?
Na ja, eigentlich war das für mich einfach der nächste gefühlt logische Schritt und ich wollte es zumindest mal probieren. Zu meiner Überraschung wurde ich sofort an der Filmhochschule in München angenommen. Parallel zum Studium hab ich auch da weiter bei Radio ENERGY moderiert, später dann noch bei FFH in Frankfurt, bei Antenne Bayern und beim Berliner Rundfunk. Das hat sich immer gut ergänzt. Bis heute bin ich davon überzeugt, dass alles zusammenkommt, wenn man sich traut, es fließen zu lassen.
Als Sprecherin bin ich wie ein Seismograph für das, was ein Autor schreibt.
Für Audible hast du jetzt Die Fürstin der Bettler von Peter Dempf gesprochen, kein ganz leichtes Buch, oder?
Die Fürstin der Bettler spielt um 1300 in Augsburg und es geht unter anderen um Kinderhandel im Mittelalter. Da gab es schon eins, zwei Szenen, bei denen ich dachte, hoffentlich werden sie nicht zu heftig. Bei der Umsetzung war dann aber auf jeden Fall hilfreich zu wissen, dass sich der Augsburger Autor Peter Dempf als früherer Geschichtslehrer in dem historischen Umfeld wirklich sehr gut auskennt.
Was denkst du ganz allgemein über Hörbücher?
Ich glaube nicht, dass sie das Buch jemals ersetzen werden. Aber Hörbücher sind auch für mich aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken, sie eröffnen einfach eine ganz besondere sinnliche Welt. Und ich bin überzeugt, Hörbücher helfen Menschen wirklich, in den verschiedensten Situationen Literatur zu erfahren. Das ist klasse!
Solveig, noch drei kurze Fragen: Wenn nicht Deutschland, was dann?
Home is where my heart is! In Kuba zum Beispiel: Dieses Land ist eben eine der großen Lieben in meinem Herzen. Wir haben familiäre Verbindungen nach Kuba und wenn ich dort bin, fühle ich mich definitiv immer auch ein Stückchen zu Hause.
Wenn du dir das Beste aus beiden Kulturen heraus pickst, wie würde das aussehen?
Ich liebe Kubas Grundeinstellung: Es ist nicht leicht, aber auch nicht schwer, und ich liebe in Kuba die Kunst der Improvisation und vor allem auch das viele Miteinander Reden, da geht mir das Herz auf. Ich liebe aber auch Deutschlands Struktur und Aufgeräumtheit. Vor allem schätze ich über alles unsere Möglichkeit, in Frieden zu leben.
Was möchtest du unbedingt an deine Kinder weitergeben?
Sätze, die ich gerne und oft sage, sind: „Lächele in die Welt, dann lächelt die Welt zurück.“ Und „Wenn du nicht haben kannst, was du liebst, dann liebe, was du hast.“

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