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Auf einen Schnack mit Tanja Geke

03.09.2015

Ich habe Tanja Geke in ihrem Traumgarten am Stadtrand von Berlin getroffen.

Steckbrief Tanja GekeTanja, du bist eine sehr beliebte und vielbeschäftigte Sprecherin. Sprichst du im Augenblick mehr Hörbücher oder mehr Synchron?

Im Augenblick teil sich das ziemlich gleichmäßig auf. Das TV-Sprechen teilt sich auf in Synchron und Dokumentationen. Dafür bin ich öfter beim NDR und manchmal auch beim ZDF. Was man dann an einem Tag ganz genau spricht, erfährt man erst sehr kurzfristig, aber ich liebe diese Abwechslung!

Du weißt eventuell am Anfang der Woche noch nicht, wo du überall arbeiten wirst?

Ja, beim Sprechen für Synchron, Werbung oder für eine Doku ist das so. Hörbücher werden natürlich weiter im Voraus geplant. Ich habe mich an dieses Timing mittlerweile sehr gewöhnt und mag das auch so. Keine Woche ist wie die andere und es kommt keine Langeweile auf. Natürlich hat das auch seine Nachteile: Einen Arzttermin zu planen ist zum Beispiel gar nicht so leicht.

Gibt es eine Schauspielerin, die du besonders gerne synchronisierst?

Die belgische Schauspielerin Cécile de France zum Beispiel. Mich fasziniert ihr Spiel sehr. Wenn man eine Schauspielerin längere Zeit synchronisiert, lernt man viele Details genau kennen. Man studiert Mimik und Gestik ganz genau, um zu erkennen, was da gerade geschieht. Cécile de France und ich, wir sind uns irgendwie ähnlich, daher spreche ich sie auch sehr gerne.

Ist es für dich ein Unterschied, ob du eine europäische oder eine amerikanische Schauspielerin synchronisierst?

Ja, da ist meiner Meinung nach definitiv ein Unterschied. Aber ich spreche keine großen Rollen in Blockbustern und habe keinen großen Vergleich. Zoë Saldaña habe ich zwar schon mehrmals synchroniert, doch in Avatar war sie ein blaues Wesen, in einem anderen Fantasy Film war sie ein grünes Wesen. Das lässt sich schlecht mit anderen Filmen vergleichen.
Auch eine TV-Werbung kann mich beim Sprechen total flashen, wenn sie gut gemacht ist!

Bist du eigentlich sehr selbstkritisch?

Ja, leider sehr. Beim Synchronsprechen habe ich häufig das Gefühl, der Schauspielerin nicht gerecht zu werden. Das ist wohl das Kreuz, das man im Synchron tragen muss. Ich denke immer, es ginge besser.

Lass uns über deine Hörbücher sprechen. Bei welchem Titel hattest du Gänsehaut?

Ehrlich gesagt, Gäsenhaut habe ich oft bei den Aufnahmen. Ein ganz besonderes Hörbuch war für mich Ich. Darf. Nicht. Schlafen. von S. J. Watson. Es geht um eine Frau, die aufwacht und feststellt, dass sie eine Amnesie hat und über Nacht alles vergisst. Das war in der Tat Gänsehaut pur. Ein ganz anderes Hörbuch, das ich toll fand, war Die Frauen von Carcassonne von Kate Mosse. Ich mag es, wenn Geschichten auf mehreren Ebenen erzählt werden und Die Frauen von Carcassonne hatte auch eine mystische Erzähllinie. Am Schluss musste ich sogar heulen, weil es mich so ergriffen hat. Mich können ganz unterschiedliche Genre total begeistern, auch eine TV-Werbung kann mich beim Sprechen total flashen, wenn sie gut gemacht ist!

Was denkst du, wenn eine neue Folge einer deiner festen Hörbuch-Serien herauskommt?

Ganz ehrlich? Ich freue mich jedes Mal! Mit J.D. Robb und der Eve Dallas Reihe ist es wie bei einem Treffen mit einer alten Freundin. Ich freue mich auf die festen Charaktere: Eves Mann, der Butler, der bei ihnen wohnt und natürlich Eves beste Freundin, die liebe ich, weil sie einfach verdammt cool ist!

Wie motivierst du dich, wenn du mal keine Lust auf deinen Job hast?

Was meine Arbeit betrifft, kommt schlechte Laune nicht in Frage. Klar gibt es mal Momente, in denen ich sage, ich will nicht, aber ich kann mich ganz gut motivieren. Wenn ich vor dem Mikrofon stehe und das rote Licht angeht, funktioniere ich, da bin ich sehr diszipliniert.

Du bist auch als Sängerin aufgetreten, wann können wir das wieder erleben?

Das frage ich mich auch! Früher habe ich in mehreren Bands gesungen, mittlerweile ist keine übrig geblieben. Es wurde zeitlich immer schwerer, Probezeiten zu finden. Vor einiger Zeit habe ich bei der Produktion Radio Rotzenrol von Kai Lüftner mit gemacht und dann habe ich noch für eine Zeichentrickserie einen Song gesungen, der in der Serie läuft. So etwas würde ich gerne öfter machen, das fand ich toll!

Gibt es etwas an deinem Beruf, das du gerne ändern würdest?

Ich würde mich gerne nie wieder um den Papierkram kümmern müssen, die mit dem Job zusammen hängen! Außerdem besteht im Synchron leider immer mehr Zeitdruck. Das würde ich gerne ändern, denn das raubt sehr viel von dem Schönen, was in diesem Beruf möglich ist. Beim Hörbuchsprechen habe ich tatsächlich weniger Stress als früher, weil ich weniger Zeit brauche, um einen Text zu lesen, das genieße ich.

Du lebst seit Langem zusammen mit Sprecher Simon Jäger am Stadtrand von Berlin. Wie viel Stadtmensch steckt noch in dir?

Ich bin höchstens noch mit einem Zeh ein Stadtmensch. Ich habe zwar noch eine Wohnung in Mitte, aber das ist eher die Stadtwohnung für meine Eltern, die mittlerweile in Schweden leben. Ich liebe es jetzt, einen Garten zu haben. Wenn schönes Wetter ist, fange ich an, dort irgendwo herum zu zupfen. Das macht mir wahnsinnig Spaß. Ich kann auch sehr stolz sein, wenn dann Pflanzen nach dem Winter wieder kommen, das ist toll.

Du hattest früher Angst vor Hunden und bist nun ein Herz und eine Seele mit deinem Hund Pina. Wie kam das?

Ich hatte tatsächlich früher Angst vor Hunden, aber dann habe ich den Hund einer Freundin gehütet. Dieser Hund hat mich von meiner Hundeangst geheilt und ich wollte selbst gerne einen Hund. Eine Kollegin brachte aus einem Griechenland-Urlaub zwei Hunde mit und fragte mich, ob ich einen der beiden Welpen haben wollte. So kam Pina in mein Leben und es ist ohne sie nicht mehr vorstellbar.

Wie warst du eigentlich mit 20?

Mit 20 habe ich noch vom Schauspiel geträumt und Bio studiert. Mit 20 wäre ich mir nicht sicher gewesen, ob es funktioniert, als Schauspielerin zu überleben, aber damals war mir Geld total egal.

Was würde die 20-jährige Tanja heute von dir denken?

Ich glaube, ich wäre stolz auf mich, dass ich meinen Traum durchgezogen habe und tatsächlich davon leben kann. Das ist keine Selbstverständlichkeit in dem Beruf und darüber bin ich sehr dankbar. Vielleicht würde ich mir als 20-Jährige einen Schups geben, so dass ich jetzt auch noch Musik mache und meine Freizeit besser nutze.

Tanja, noch drei kurze Fragen: Wie würdest du deinen Job in drei Adjektiven beschreiben?

Abwechslungsreich, herausfordernd, manchmal auch befriedigend!

Hast du ein extrem peinliches Lied auf deinem Handy?

Ich hab ne Menge uncooler Musik auf meinem Handy. Wahrscheinlich ist mir gar nicht bewusst, wie peinlich das eigentlich ist.

In 30 Jahren bist du…

eine glückliche, zufriedene Rentnerin, die nur noch Dinge macht, die ihr Spaß machen. Ich stelle mir das Rentnerleben eigentlich sehr schön vor! Ich würde dann auch gerne noch arbeiten, aber eben auf eine andere Art und ohne diesen Stress.

Alle Hörbücher mit Tanja Geke findet ihr hier.