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Auf einen Schnack mit Vera Teltz

15.01.2015

Steckbrief_vera_Teltz

Unterwegs in Berlin Kreuzberg mit Vera Teltz

Vera, du kommst ursprünglich aus dem Rheinland. Lebst du gerne in Berlin? Berlin ist in meiner Tätigkeit schon eines der großen Zentren in Deutschland und ich könnte mir im Augenblick nicht vorstellen woanders zu leben. Ich mag sehr gerne an Berlin, dass die Natur nicht weit weg ist. Ich könnte mir mittlerweile aber auch vorstellen, auf dem Land zu leben.
Was war im letzten Jahr ein ganz besonderes Hörbuch für dich? Das war ganz klar das Hörbuch Das Seelenhaus von Hannah Kent, ein ganz tolles Buch! Es spielt in Island und ich habe es zusammen mit Tobias Kluckert gelesen. Meine Stimme gab die Ich-Perspektive einer Frau wider, die des Mordes beschuldigt und zum Tode verurteilt wurde. Es geht um die letzte Hinrichtung, die in Island auch tatsächlich stattgefunden hat.

Was war für dich das Besondere an dem Hörbuch? Hannah Kent schreibt in einer überwältigenden Sprache. Auch die Umgebung, in der die Geschichte spielt, bezieht sie sehr interessant ein. Es ist ein Buch, bei dem man das Ende kennt und doch die ganze Zeit hofft, dass sich das Schicksal dieser Frau vielleicht noch abwendet. Natürlich war ich schon in der Vorbereitung sehr gerührt, doch als ich dann im Studio den Text sprach, war ich der Figur sehr nahe. Das war sehr emotional. Bücher dieser Art würde ich gerne häufiger sprechen.

Es geht nicht nur um eine schöne Stimme, man muss gerne Geschichten erzählen wollen.
Was muss ein Hörbuchsprecher deiner Meinung nach ganz besonders gut können? Ich glaube das ist ganz banal, dass man Menschen etwas erzählen wollen muss. Das ist auch das, woran man sich immer halten sollte. Es geht gar nicht nur um die schöne Stimme. Es geht um die Geschichte. Wenn man im Inhalt bleibt, dann wird es lebendig und spannend zum Zuhören.

Arbeitest du bei der Hörbuchaufnahme gerne ohne Regisseur? Ja, das genieße ich das total. Man ist in meinem Job sonst immer mit einem Regisseur zusammen. Ich finde es schön, dass ich die Regie bei der Hörbuchaufnahme selbst übernehmen kann. Natürlich muss ich dann auch für nicht so gelungene Szenen die Verantwortung übernehmen.

Worin hast du dich beim Hörbuch-Sprechen weiter entwickelt? Die Konzentrationsleistung beim Hörbuch-Sprechen ist enorm. Wenn ich beim Sprechen sitze und mich nicht bewegen kann, wird die Stimme irgendwann fest. Ich habe daran gearbeitet, das zu ändern. Wenn es auch nur Nuancen sind, ich denke, man hört es der Stimme an. Jetzt habe ich das Gefühl, wirklich weiter gekommen zu sein.

Hörbuch-Sprechen ist kein Einbahnstraßengeschäft.
Wie gehst du mit Rezensionen um? Hörbücher zu sprechen ist ja kein Einbahnstraßengeschäft. Man macht das für andere. Für den Hörer bzw. die Hörerin ist es sehr intim, denn man hört die Stimme durch die Kopfhörer unnatürlich nah am Ohr. So nah, wie man sonst nur wenige Menschen hört. Wenn man zu Beginn eines Hörbuches denkt „Die Stimme ist ja total ätzend! Die kann ich nicht hören“, dann hat das wenig mit der Sprecherin zu tun sondern ist ein sehr subjektiver Eindruck. Aber das gehört zu meinem Job. Man veröffentlicht sich selbst, da gehört es auch dazu, Lob und Kritik anzunehmen.

Lässt sich dein Beruf gut mit Kind vereinbaren? Ja das lässt sich super vereinbaren. Da schätze ich mich wirklich glücklich, denn ich kann meine Arbeit sehr flexibel einteilen. Ich habe das Gefühl, dass in der Branche viele Leute Kinder haben und einem sehr entgegen kommen. Andere haben es diesbezüglich viel schwerer und ich fühle mich in meinem Arbeitsbereich sehr gut aufgehoben.

Wo wärst du gerne cooler? Zum Beispiel bei Kritik von außen. Ich würde es viel lieber schaffen, Urteile nur aus mir selbst heraus zu treffen und unabhängig davon zu sein, was andere von mir denken.

Was kann dich an nebligen grauen Tagen lächelnd aus dem Haus treiben? Mein Pferd. Ich versuche zwei bis drei Mal pro Woche zu meinem Pferd zu kommen. Wenn wir draußen sind, egal bei welchem Wetter, und die Vögel über uns herziehen, das ist unglaublich schön. So kann ich jedem Wetter etwas abgewinnen.

Wie würde dich ein guter Freund in drei Worten beschreiben? Witzig würde ich denken, nachdenklich und selbstkritisch, quirlig und willensstark. Oh das sind mehr als drei Worte! (lacht).

Liegt bei dir eine To-do-Liste herum? Ja, die gibt es. Da steht aber vor allem drauf, was mein Freund alles machen soll. Auf meiner Langzeit To-do-Liste steht zum Beispiel „Um Versicherung kümmern“, oder „Steuer machen“, also Dinge, die ich nicht gerne mache und die ich lange vor mir her schiebe.

Was macht dir Gänsehaut? Ich hab immer dann Gänsehaut, wenn es um Gerechtigkeitsdinge geht. Zum Beispiel wenn sich eine Gruppe gegen etwas auflehnt, das ungerecht ist, dann bekomme ich wirklich überall Gänsehaut. Wenn Menschen es schaffen, gegen ihre Unterdrückung zu kämpfen, das bewegt mich sehr.

Worauf könntest du nie verzichten? Es sind keine materiellen Dinge, auf die ich nicht verzichten könnte. Wenn ich nicht mehr in die Natur könnte, das würde mich allerdings verrückt machen.

Alle Hörbücher von Vera Teltz findet ihr hier.