„Bildschirmfreie Zeit ist jetzt besonders wertvoll“

Hendrik Gerstung | 05.06.20

Hören in Zeiten von Corona: Audible-Deutschlandchef Oliver Daniel spricht im Interview über sich verändernde Hörgewohnheiten und den Erfolg von Audio-Storytelling.

Oliver, wie hat sich die Corona-Pandemie auf das Hörverhalten ausgewirkt?

Eine Umfrage von Kantar-Emnid im Auftrag von Audible hat ergeben, dass rund 1 Million Menschen in Deutschland während der Corona-Zeit zum ersten Mal Hörbücher, Hörspiele oder Podcasts ausprobiert haben. Wir merken auch, dass sich gerade deutlich mehr Menschen für den kostenlosen Audible-Probemonat entscheiden als vor Corona. Das ist eine große Chance für uns und für die ganze Branche, weil wir derzeit viele neue Hörer erreichen. Wir hoffen natürlich, dass diese neuen Hörer Gefallen finden und bei uns bleiben.

Wie erklärst du dir, dass Hörbücher und Podcasts in der Corona-Zeit so beliebt sind?

Hörbücher, Hörspiele und Podcasts sind für viele Menschen derzeit eine wunderbare Gelegenheit, um abzuschalten. Gerade jetzt wird bildschirmfreie Zeit als besonders wertvoll empfunden.

Verändern sich derzeit Hörgewohnheiten? Wird mehr oder weniger gehört?

Wir hören von unseren Kunden, dass sie neue Wege finden, um Hörbücher in ihren neuen Alltag zu integrieren: Ein spannender Thriller ist nicht nur auf dem Weg zur Arbeit ein toller Begleiter, sondern auch, wenn man putzt, kocht, die Wäsche macht oder Sport treibt. In unserer Umfrage sagen zwölf Millionen Menschen, dass sie nun mehr und häufiger hören als vor Corona.

Was wird denn gerade besonders gerne gehört?

Wir beobachten einen Beliebtheitswandel bei den Genres: Business-Ratgeber und Science-Fiction sind im Moment viel weniger gefragt als vorher, Comedy und Hörbuch-Klassiker dagegen deutlich mehr. Zu den meistgehörten Titeln seit Ausbruch der Pandemie gehören Hörbuch-Klassiker wie die Harry Potter-Reihe oder Märchenbände. Viele Menschen entdecken also geliebte Klassiker wieder und offenbar wird auch viel im Kreis der Familie gehört. Auch Podcasts kommen sehr gut an, aktuell etwa unsere journalistische Reportage „Made in Germany“, in der wir gemeinsam mit dem SPIEGEL über das Baudebakel rund um den Flughafen BER berichten. Auch Entspannungs-Podcasts wie „Deep Sleep“ oder Wissens-Podcasts wie unser Erfolgs-Klassiker „P.M. Sag mal Du als Physiker“ werden derzeit viel gehört.

Was hat Audible während der Corona-Zeit anders gemacht?

Wir haben unterschiedliche Aktionen gestartet – in Deutschland und weltweit – bei denen man kostenlos auch ohne Audible-Abo ausgewählte Titel hören kann. Wir freuen uns über die sehr hohen Nutzerzahlen zu diesen Aktionen und erhalten extrem positives Feedback der vielen Hörerinnen und Hörer. Leider mussten auch wir die Produktion bei Audible Studios vorübergehend pausieren – wir zahlen den gebuchten Sprechern einen Teil ihres Honorars dennoch schon jetzt, um sie finanziell zu entlasten. Außerdem haben wir Live-Lesungen mit Sprechern auf Facebook und Instagram gemacht oder den Original Podcast „Bring mir was bei“ entwickelt, bei dem jede Folge bei einem anderen Produktionsteam in Auftrag gegeben wird – so unterstützen wir unsere Kreativpartner in dieser Zeit auch finanziell.

Was ist Dir in den letzten, sehr ungewöhnlichen Wochen besonders in Erinnerung geblieben aufgefallen?

Ich war beeindruckt, wie unser Team es geschafft hat, sich an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Ein Beispiel dafür ist die Premiere für unser Audible Original „AURIS 2“: Geplant war eigentlich eine Lesung im Admiralspalast in Berlin, dann aber durften wegen Corona leider keine Zuschauer kommen. Wir haben trotzdem die Autoren Sebastian Fitzek und Vincent Kliesch sowie die beiden Hauptrollen-Sprecher Oliver Masucci und Luisa Wietzorek in den leeren Admiralspalast geholt und per Livestream übertragen – am Ende haben mehr Fans zugeschaut als eigentlich in das Theater passen.

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