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Ivar Leon Menger über Thriller-Hörspiele

18.10.2012

Ivar Leon Menger auf der Buchmesse 2012_600

“Einfach drauf los geht für mich nicht.” Der Autor Ivar Leon Menger weiß genau, was es bedeutet, Spannung aufzubauen. Seine Hörspiele spannen die Nerven an, dass es knistert. Mengers Hörspiel-Serie Darkside Park bekam etliche Preise und Menger selbst scheint in vielen Berufen zu Hause zu sein. Ich sprach mit dem Multitalent über seinen Weg zum Thriller-Hörspiel. Auf der Messe liefen wir uns ein paar Tage später erneut über den Weg.

Hörbücher-Blog: Herr Menger, seit wann schreiben Sie eigentlich Hörspiele?  Ivar Leon Menger: Ja, wie kam das? Eigentlich hatte ich Design studiert und bin dann als Trainee in die Werbung eingestiegen. Als ich dann mit dem Werbetexten begann, habe ich vor allem Funkspots geschrieben, machte aber auch schon kleine Werbefilme. Ich wechselte dann in die Regie und war weiter für Werbespots zuständig. Mein erster Kurzfilm wurde auf der Berlinale 2002 als bester Kurzfilm ausgezeichnet, da hatte ich natürlich große Lust weiterzumachen und schrieb wie wild Drehbücher.

Hörbücher-Blog: … und bekamen Lust auf Hörspiele? Der PrinzessinIvar Leon Menger: (Lacht) Ja, Sie wollten ja wissen, warum ich Hörspiele schreibe: definitiv über Umwege, wie Sie sehen. Ich schrieb also weiter Drehbücher in der Annahme, daraus auch Filme machen zu können. Überall, wo ich die Bücher vorstellte, wurde ich jedoch abgelehnt. Das war ziemlich deprimierend. Ich beschloss aus meinem Filmskript ein Hörspiel zu machen. Ich hatte über die Werbefilm- und Funkproduktion Kontakt zu sehr guten Sprechern, so konnte ich dann aus meiner Idee ein Hörspiel machen, Der Prinzessin.

Hörbucher-Blog: Und was passierte dann? Ivar leon Menger: Irgendwann klingelte das Telefon, eine große Produktionsfirma war am anderen Ende. Jens Warwrczeck hatte mich empfohlen und nun fragte man mich, ob ich mitmachen wollte.

Hörbücher-Blog: Das klingt ja mysteriös. Mitmachen? Wobei? Ivar Leon Menger:  Ja, genau das habe ich mich auch gefragt. Ich wusste anfangs wirklich nicht worum es ging, und man sagte mir auch nichts, bevor ich eine Verschwiegenheitserklärung unterschrieben hatte. Es ging schon sehr geheimnisvoll zu. Aber dann klärte sich alles und schließlich erfuhr ich, dass es um die Drei ??? ging und man mich in das Autorenteam aufnehmen wollte.

Hörbücher-Blog: Wow, das Telefon klingelte, Sie wurden gefragt, ob Sie für die Drei ??? schreiben wollten und die Sache rollte? Ivar Leon Menger: Naja, (lacht), so in etwa. Auf jeden Fall lernte ich auch Oliver Rohrbeck näher kennen und erzählte ihm von meinen Ideen. Wir haben dann gemeinsam Dodo entwickelt und später produzierte ich mit der Lauscherlounge die Serie Darkside Park.

Hörbücher-Blog: Wie gehen Sie vor, wenn Sie ihre Storys schreiben, zum Beispiel bei der Serie Darkside Park? Darkside ParkIvar Leon Menger: Ich gehe immer von mir selbst aus und versuche meine Geschichten so zu schreiben, wie ich sie selbst gerne hören würde. In der Werbung habe ich Geschichten in 20 Sekunden erzählen müssen, das ist eine gute Schule. So habe ich gelernt, Plot-orientiert zu arbeiten. Aber wir sind ja viele Autoren bei Darkside Park, das ist das Tolle. Ich finde auch Hörspielautoren sollten etwas besser sichtbar sein, irgendwie sind sie in diesem Genre immer weit hinter der Inszenierung und den Sprechern.

Hörbücher-Blog: Wie finden Sie denn ihre Autoren? Ivar Leon Menger: Mittlerweile stellen sich häufiger Autoren bei uns vor. Wir arbeiten grundsätzlich mit Teams und das läuft auch sehr gut. Das freut mich deswegen besonders, weil ich jetzt auf der Seite der Produzenten sitze und nun anderen Menschen eine Chance geben kann.

Hörbücher-Blog: Wie sehen Besprechungen aus? Sind Sie ein harter Kritiker? Ivar Leon Menger: Nein, überhaupt nicht. Jeder soll seine Handschrift behalten, das ist doch gerade das Schöne an dieser kreativen Arbeit im Gegensatz zur Werbung. Aus meiner Sicht sollte jeder Autor eines Hörspiels bekannt sein und ganz vorne dran stehen. Name nach vorn, so kann man Autorenkult schaffen, das ist mein Ziel und das ist neu im Hörspielbereich.

Hörbücher-Blog: Bekommen Sie auch mal Zweifel, was ihre Geschichte betrifft – wie war das zum Beispiel bei Ihrem Hörspiel Plan B? Plan BIvar Leon Menger: Erst einmal setze ich das Ende fest – das ist mein Fundament. Bei Plan B war meine Idee eigentlich ein Film, das Fenster zum Hof war mein Vorbild. Als ich mich dann hinsetzte und einen Thriller entwickelte, kannte ich ja meinen Twist von Anfang an. Nur so konnte ich die Fallhöhe höher schrauben und auf mein Ziel zuschreiben. Einfach drauf los geht für mich nicht. Ich mache erst den Plot, dann das Gerüst, dann kommt der Rest.

 

Hörbücher-Blog: Ein ziemlich cooler Rest, ich hoffe wir bekommen bald mal wieder etwas davon ab! Danke für das Gespräch, Herr Menger.