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Jobspezialist Jochen Mai über Karrierestrategien und die größten Fehler bei Bewerbungen

28.06.2013

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Jochen Mai arbeitete mehr als zehn Jahre bei der WirtschaftsWoche als Leiter des Ressorts Management + Erfolg, wo er schließlich Social Media Manager wurde. Nach seinem Wechsel zur Yello Strom GmbH, baute er dort sämtliche Social Media Aktivitäten des Stromanbieters auf, wie zum Beispiel auch das sehr erfolgreiche Yello Bloghaus. Mai ist regelmäßiger Kolumnist, z.B. für Die Welt, und tritt häufig als Keynote-Speaker für die Themen Social Media, Medien, Online-Reputation und Human Ressources auf. Sein erfolgreiches Buch Die Karrierebibel steht für euch ab heute im Download bereit.

Hörbücherblog: Herr Mai, welche Idee steckt hinter der Karrierebibel?

Mai: Während meiner Zeit als Ressortleiter bei der WirtschaftsWoche habe ich bestimmt 20 Regalmeter Bücher durchgearbeitet, die Karriere- und Managementthemen behandelten. Viele dieser Bücher waren jedoch meist monothematisch verfasst, die wesentlichen guten Tipps und Hinweise zum jeweiligen Thema musste man oft vielen nicht so interessanten Seiten suchen, deren Essenz wiederum beschränkte sich auf wenige Seiten. Ich dachte häufig: Das kann man kompakter machen! Ich wollte daher ein einziges Buch schreiben, das die wichtigsten und auch besten Karrieretipps schlank und präzise zusammenfasst, ohne den schmückenden Ballast drumherum. Also eine Erkenntnis für jeden Tag, jeweils auf ein oder maximal zwei Seiten verdichtet. Knapper und effizienter als in der Karrierebibel geht es nicht.

Hörbücherblog: Eine klassische Frage aus dem Vorstellungsgespräch: Hat Ihre Karrierebibel Schwächen?

Mai: Wenn Sie so wollen: Ja, schon im Konzept. Natürlich ist mir klar, dass so ein Buch nicht bei allen Karrierefragen in die Tiefe gehen kann. Die Karrierebibel ist ein übersichtliches, präzises und stark verdichtetes Nachschlagewerk. Aber wer mehr dazu erfahren will, findet in meinem Blog karrierebibel.de inzwischen weit über 6000 Artikel zu all den Aspekten, die dort ausführlicher behandelt werden.

Karrierebibel_175Hörbücherblog: Wie sollte man die Karrierebibel als Hörbuch am besten hören?

Mai: Ich würde nicht unbedingt ein chronologisches Hören empfehlen. Das Sinnvollste ist meiner Meinung nach, mit den Monaten zu beginnen, die sich am ehesten mit der eigenen beruflichen Situation decken. Wer sich in einer Bewerbungssituation befindet oder als Berufseinsteiger loslegt, sollte im Januar beginnen beziehungsweise den Februar zuerst anhören. Wer hingegen schon auf der mittleren Karrieresprosse klettert, findet mit den Tipps zu Kreativtechniken und zur Arbeitsorganisation im April oder Mai passendere Anregungen. Kurz: Man sollte das Hörbuch dort beginnen, wo es einen am ehesten in der eigenen Lebenssituation abholt.

Hörbücherblog: Können Sie uns ein Beispiel einer wirklich innovativen Bewerbung geben?

Mai: Ich habe zum Beispiel mit Christina Heller alias Punktefrau auf der re:publica genau darüber einen Vortrag gehalten, Bewerbung 2.0: So kommt der Job zu dir. Christine hatte am Jahresanfang ihre Bewerbung online auf ihren Blog gestellt und zwar mit einem Video, guten Fotos, einer Infografik, eben einer super Selbstpräsentation. Außerdem twitterte sie Ihre Bewerbung. Und sie war und ist nicht die einzige damit - aber alle waren damit sehr erfolgreich. Jeder von ihnen hatte innerhalb von wenigen Wochen mehrere Jobangebote und schließlich auch einen neuen gut bezahlten Job. Auf dem Arbeitsmarkt tut sich gerade einiges: Zu meiner Zeit haben nach dem Abitur viele meine Mitschüler 100 bis 200 Bewerbungen schreiben müssen, um überhaupt irgendwo eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch zu bekommen. Heute ist es zwar nicht gerade umgekehrt, aber diese Beispiele zeigen, was heute im Internet möglich ist: eine Bewerbung online schreiben - und viele Jobangebote bekommen. Man muss nur seine Chancen ergreifen.

Hörbücherblog: Trotz aller Tipps beklagen sich Personaler dennoch über schlechte Bewerbungen. Was machen die meisten immer noch falsch?

Mai: Erst mal sollten alle die Karrierebibel lesen bzw. hören (lacht). Im Ernst, Personaler bestätigen mir häufig, dass die Tipps der Karrierebibel richtig sind, aber zu selten umgesetzt werden. Bei Bewerbungen werden nach wie vor die klassischen Fehler gemacht: Trotz aller Hilfsmittel gibt es immer noch Anschreiben mit Tippfehlern. Andere lesen sich wie aus einer Phrasendreschmaschine. Langweilig, leblos, aussagelos. Wen soll das überzeugen? Oft werden die Anschreiben nicht einmal spezifisch auf den ausgeschriebenen Job zugeschnitten oder wenigstens auf das Unternehmen. Als Personaler bekäme ich da sofort den Eindruck, da bewirbt sich jemand, der  einfach nur den Firmennamen in der Bewerbung ausgetauscht und Massensendungen verschickt hat. Dabei sollte die Bewerbung ein flammendes Plädoyer für die eigenen Fähigkeiten, das Unternehmen und die Motivation, dort zu arbeiten, sein.

Hörbücherblog: Hätte es den Titel Karrierebibel schon gegeben, wie hätte das Buch sonst  heißen können?

Mai: In 365 Tagen zum Erfolg!

Hörbücherblog: Das kam prompt. Sie sind sich Ihrer Sacher sehr sicher, oder?

Mai: Ja, das bin ich. Ich habe den Markt wirklich lange beobachtet, viel gelesen, Jahre recherchiert. Und ich bin auch heute noch stark in der Materie drin. Zudem bekomme ich immer noch viele Zuschriften oder Kommentare auf meinem Blog, die bestätigen, dass mein Buch den Lesern in ganz unterschiedlichen Jobsituationen geholfen hat. Studenten schreiben mir, dass Ihre Bewerbung überzeugt hätte, Einsteiger wurden nach kurzer Zeit befördert, sogar Manager schreiben, sie hätten endlich die Gehaltserhöhung bekommen. Das ermutigt mich enorm. Und es ist einfach das Schönste, anderen Menschen im Job zu helfen.

Hörbücherblog: Vervollständigen Sie diesen Satz: "Was auch immer die Karrierebibel mit Ihnen macht, in jedem Fall wird sie ... "

Mai: ... Sie erfolgreicher und weiser machen.

Hörbücherblog: Vielen Dank für das interessante Gespräch, Herr Mai.

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