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Ein Plädoyer für die Jahreskarte im Fettnäpfchen-Spaßbad

27.01.2016

Singe, als ob dich niemand hört, Tanze, als ob dich niemand sieht Lebe, als gäbe es kein morgen

Jeder kennt diesen Spruch, hat ihn vielleicht selbst mal bei Facebook gepostet oder als Postkarte am Kühlschrank hängen. Das Problem dabei ist: Es gibt es doch immer wieder ein morgen. Es hat jemand zugeguckt. Nein, nicht nur das, sondern auch noch mitgefilmt und deine „Singe und Tanze, als ob“-Perfomance erfreut sich größter Beliebtheit auf Jonas Ems Youtube-Kanal. Du möchtest am Liebsten vor Scham im Boden versinken und verfluchst den Erfinder dieser dämlichen YOLO-Weisheit, an die du dich so motiviert gehalten hast. Gott, wie peinlich.

Schatz, wir müssen nach Alaska auswandern

In flagranti erwischt werden, den Vorgesetzten in der Sauna treffen, im Yogakurs pupsen und verpatzte erste Dates - es gibt so viele peinliche Situationen. Überall lauern Fettnäpfchen und jeder geht mal darin baden. Eigentlich ein Wunder, dass wir nicht alle ständig mit hochroten Köpfen durch die Gegend laufen bei all diesen Peinlichkeiten. Sollte nicht jeder von uns immer eine Notfall-Reisetasche für eine mögliche Spontan-Auswanderung nach Alaska mit sich herumtragen?

Nein. Ich finde nicht. Denn jede noch so peinliche Geschichte ist am Ende vor allem eins: lustig. Gut, zuerst lachen meist die anderen, aber früher oder später kann man dann auch über sich selbst lachen. Und sind wir mal ehrlich: Jedem passieren peinliche Dinge und wir können nicht alle in Alaska leben.

Hat das irgendjemand gesehen?

Eigentlich sind die meisten Sachen auch nur peinlich, wenn jemand zuguckt. Vor allem, wenn man diesen „Jemand“ eigentlich beeindrucken wollte. Wenn niemand mitbekommt, dass man mitten im Fettnäpfchen sitzt, ist es auch nicht peinlich.

Ich kenne viele Menschen, die sich regelmäßig auf Bühnen stellen. Leute, die das nicht machen, bewundern oft den Mut derer die es tun. Auf Bühnen wird man angestarrt. Da ist die Gefahr groß, dass man sich blamiert. Dass nicht immer alles glatt läuft, gehört dazu.

Nasse Hosen im Scheinwerferlicht

Meine Freundin Annika hat sich direkt vor ihrem Auftritt bei einem Poetry Slam einen halben Liter Apfelschorle über die Hose gekippt. Es war ein Festival-Slam mit 4.000 Zuschauern und sie hatte Apfelschorle im Schritt. Peinlich!
Andere Poetry Slammer haben Backstage ihre Hosen ausgezogen und sie mir angeboten, aber ich hatte keine Zeit mehr, also bin ich so raus. Im Scheinwerferlicht ist das dann ganz schnell getrocknet.
erzählt Annika und lacht drüber.

Lara spielt Improtheater und steht bei Auftritten ohne ein Drehbuch auf der Bühne. Sie und ihre Mitschauspieler/innen denken sich Szenen und Handlung spontan aus. Wird das nicht oft total peinlich?

„Es ist nur das peinlich, was dir selbst peinlich ist“, sagt Lara. “Und Menschen sind ganz unterschiedliche Sachen peinlich. Wenn man sich schämt, verhält man sich dementsprechend. Wenn man damit cool und humorvoll umgeht, ist eigentlich nichts mehr peinlich. Lacht man selbst als erste, gibt man auch den anderen die Erlaubnis zu lachen und die Anspannung löst sich. Sich peinliche Situationen angucken zu müssen, ist ja fast genauso unangenehm, wie sie zu erleben.”

Fremdschämen: Ich kann nicht hingucken

Das nennt sich dann Fremdschämen. Das kennt auch jeder, der mal in ein DSDS-Casting reingezappt hat oder mit angesehen hat, wie der brave Bestatter Bernd die dusselige Dirndldesignerin Desirée seiner munteren Mutter beim gemeinsamen Mettigelessen als neue Schwiegertochter vorstellen möchte. Es gibt ganze Fernsehsendungen, die nur dazu gemacht wurden, andere bloßzustellen, aber eigentlich muss nicht mal das peinlich sein.

„Das Peinlichkeitsgefühl ist ein Konstrukt, das entsteht, wenn man sein eigenes Handeln beurteilt“, sagt Improschauspielerin Lara. „Und wie man das beurteilt, hängt davon ab, wer dabei ist, wie wichtig einem die Meinung dieser Leute ist und wie man sich selbst wahrnimmt.“

Wir tendieren dazu, Peinliches zu vertuschen und es so peinlich zu machen. Dabei wird Scham anerzogen. Als Kinder sind wir alle nackt durch die Gegen gerannt ohne uns etwas dabei zu denken. Als Erwachsen müssen wir das Singen, als ob niemand zuhört und das Tanzen, als ob niemand zusieht, erst wieder lernen. In diesem Sinne: Sei peinlich und genieß es. Mit einer Jahreskarte im Fettnäppchen-Spaßbad hast du die coolsten Geschichten zu erzählen.

Peinlich für die Welt

Die witzigsten Geschichten von YouTube-Star Jonas Ems

Teaser Jonas Ems - Peinlich für die Welt

Dass peinliche Geschichten Spaß machen, hat auch Jonas Ems festgestellt. Der Youtuber sammelt peinliche Geschichten und veröffentlicht sie auf seinem YouTube-Kanal uFoneTV. Er ist damit sehr erfolgreich, hat fast eine Million Follower und sein Buch Peinlich für die Welt: Die witzigsten Geschichten von YouTube-Star Jonas Ems wurde ein Spiegel-Bestseller. Die Hörbuchversion gibt es ab dem 28.01. bei Audible. Gesprochen wurde die Sammlung peinlicher Geschichten von Jonas Ems selbst sowie Carolin Sophie Göbel und Bastian Korff. Hier könnt ihr schon mal reinhören:

Hier geht’s zum Hörbuch “Peinlich für die Welt” von Jonas Ems.

Und wenn ihr euch selber in diesen Geschichten wiederfindet, umso besser, denn im Grunde sind wir alle peinlich für die Welt.