Auf einen Schnack mit Josef Vossenkuhl

Gabriele Reis | 21.06.16

Ja, als man mich fragte, dachte ich sofort „Interessantes Thema!“. Ich recherchierte dann etwas über den Autor Jörg Kastner und war umso interessierter. So begann eine sehr schöne Arbeit für...mich. 12 Bände habe ich schon eingesprochen, aber demnächst werden weitere Bände erscheinen und ich freue mich schon darauf!

Spielen war schon als kleiner Junge ein Faible von mir, schon in der Grundschule machte ich das gerne. Später auf dem Gymnasium gab es eine Theatergruppe und natürlich war ich auch dabei. Wir durften damals im Stadttheater und später auch auf größeren Bühnen auftreten, doch so ganz entscheiden konnte ich mich noch nicht. Musik war mir zunächst eigentlich wichtiger. Dann aber sah ich mit 15 den Peter Gorski Film Faust und war völlig hin und weg. Dieser Film hat mich wirklich nachhaltig beeindruckt.

Ich machte zunächst eine ganz normale Schauspielausbildung und spielte Theater. Dann sammelte ich einige Erfahrungen beim Dreh und begann auch ab und zu damit Filme zu synchronisieren. Allerdings stand ich aus irgendwelchen Gründen mit dem Synchronisieren immer etwas auf Kriegsfuß. Hörbücher zu sprechen machte mir von Anfang an sehr viel mehr Spaß.

Nein, ich bin ja kein Bayer, zum Glück! Natürlich habe ich nichts gegen die Bayern, ich bin ja in Süddeutschland aufgewachsen. Doch meine anderen Wurzeln liegen nahe der holländischen Grenze in Aachen. So wuchs ich als Kind mit einem alemannischen Dialekt, so etwa wie Schwizerdütsch, auf. Andererseits war ich in den Ferien regelmäßig bei der Familie nahe der holländischen Grenze, wo die sprachlichen Einflüsse ganz andere waren.

Ja absolut! Ich hab immer gerne und viel gelesen, vor allem Heldensagen wie die Ilias, von Homer. Solche langen Texte schrecken mich also keinesfalls ab, ich liebe sie vielmehr. Außerdem bin ich mit Schallplatten aufgewachsen. Kennen Sie noch Harald Pages? Er war mein großes Vorbild als Märchenerzähler. Wenn ich diese knarzige Baritonstimme hörte, konnte ich alles um mich herum vergessen. Später bin ich mit meinem Kassettenrecorder und meinem Mikrofon herumgelaufen und habe Geräusche und meine eigene Stimme aufgenommen, oder ich habe Interviews gemacht, das fand ich immer sehr lustig.

Ich würde schon sagen beim Hörbuch. Manchmal überschneiden sich auch Termine, denn eine Hörbuchproduktion kann auch mal länger als eine Woche dauern, während zum Beispiel das Sprechen einer Doku meist nach einem Tag erledigt ist. Beim Hörbuch mag ich ganz besonders die Entwicklung der Charaktere. Ich lasse mich sehr gerne von der Geschichte aufsaugen und treiben. Mir macht es Spaß, den Spannungsbogen der Geschichte mit meiner Stimme aufrecht zu halten.

Ich empfinde es als eine gewisse Form von Professionalität, mir diese Frage gar nicht erst zu stellen. Es geht ja nicht darum, wie ich die Geschichte bewerte, sondern wie ich sie spreche. Wenn mir eine Textstelle zunächst seltsam erscheint, versuche ich sie für mich zu entschlüsseln. Ich sage mir immer: Der Autor hat sich ja etwas dabei gedacht und es ist nicht die Aufgabe des Sprechers zu werten, sondern den Text gut zu interpretieren.

Ich empfinde den Beruf nach wie vor als sehr modern. Es gibt doch immer wieder neue Stoffe und auch unter dem Gesichtspunkt der Sprache ist der Beruf interessant. Das Tolle ist, dass uns der Stoff nie ausgeht und es daher immer etwas zu tun gibt. Es gibt zwar schon Maschinen, die sprechen, aber ich glaube, eine menschliche Stimme kann man mit keiner Maschine der Welt nachahmen oder ersetzen. Der Trend Hörbücher zu hören hat viele Möglichkeiten: Streamen, downloaden, speichern, das ist doch alles hochmodern!

Ein befreundeter Autor, der im Hauptberuf Rechtsanwalt ist, arbeitet gerade an einer Geschichte für die ARD. Er setzt sich mit dem Thema des Faschismus auseinander und in dieser Geschichte geht es im Grunde um den Nazi in einem selbst geht. Das beschäftigt auch mich und ich unterstütze ihn bei diesem Projekt. Dann gibt es noch ein Theaterstück, das ich gerne als Hörstück inszenieren möchte. Es heißt „Die Scheune“ und es geht um Häftlinge, die durch einen SS-Offizier in eine Scheune gezwungen werden, wo sie verbrannt werden. Es sind diese ernsten Themen, die im Augenblick meine mir wichtigen Projekte ausmachen.

Früher war ich vielleicht etwas unentschlossen. Doch ich war mir nie zu schade, irgendeinen Job anzunehmen, egal in welchem Bereich. Mein Schicksal hat dann offenbar gewollt, dass diese Jobs immer etwas mit Theater oder Film zu tun hatten und so war ich lange Zeit frei, ungebunden und konnte machen, was ich wollte.

Na ja, mit der Verantwortung für eine Familie wächst natürlich auch der Existenzdruck in so einem Beruf. Die Angst, dass es mal nicht weitergehen könnte, war und ist natürlich immer da. Ich würde lügen wenn ich sagen würde: Es ist alles immer ein totaler Selbstläufer. Wenn man ein Engagement über ein oder sogar zwei Jahre irgendwo hat, muss man sich in dieser Zeit bewähren. Das kann manchmal zum Kampf werden, aber ich nahm und nehme es leicht und versuche mein bestes zu geben.

Natürlich! Das will ich machen und das werde ich machen. Wenn ich was anderes machen wollte, würde ich wahrscheinlich im Büro sitzen, aus dem Fenster gucken und meinen Chef verfluchen. Oder wenn ich selbst Chef wäre, würde ich mir denken... Was für ne Woche!

Flexibel zu sein ist wohl das wichtigste! Ich denke, er sollte wertfrei, kreativ, offen, freundlich und sympathisch. Und wenn es so gewünscht ist, eben nicht, dann ist man eben genau das Gegenteil! (lacht).

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