Josefine Preuß hat eine neue Rolle: Übergangsmanagerin

Josefine Andrae | 01.06.21

In „Die Übergangsmanagerin“ spricht Josefine Preuß eine junge Frau, die frisch Verstorbenen den Weg ins Jenseits weist. Was viele irritiert: Der Tod ist eine Frau! Im Interview erzählte Josefine Preuß dem Audible Magazin, was sie an Karen Elstes kluger Geschichte so begeistert hat.

Josefine, kannst du uns kurz zusammenfassen, worum es in dem Hörbuch geht?

„Die Übergangmanagerin 2“ ist eine Fortsetzung von „Der Übergangsmanager“. Übergangsmanager sind diejenigen, die Leute abholen, um sie ins Jenseits zu bringen und ihnen den Übergang zu erleichtern. Das Besondere an Übergangsmanagern finde ich, dass sie halb Mensch, halb tot sind. Sie führen ein ganz normales Leben, müssen auch wohnen, essen, duschen, schlafen, können sich aber unsichtbar machen. Das ist schon cool. Im zweiten Teil erzählen wir das aus der Sicht von Fine, die im ersten Teil selbst abgeholt wurde. Sie darf in ganz Berlin immer mal wieder verschiedene komische, tragische, traurige, aber auch lustige Übergänge machen. Da begegnen ihr unglaublich viele tolle, verzwickte Charaktere.

Was hat dich daran gereizt, den weiblichen Tod zu spielen?

Wenn ich eine Anfrage und damit ein Buch bekomme, dann streiche ich immer mit dem Daumen über die Blätter und mache irgendeine Seite auf. Das war in diesem Fall die Szene mit Sven Krüger, dem Fußballfan, der sagt, er kann jetzt nicht sterben, weil morgen Union gegen Pauli spielt. Ich lag vor Lachen zu Hause auf dem Boden, bei dieser so vollkommen aus dem Zusammenhang gegriffenen Szene. Dann wollte ich wissen, worum es geht, habe das Buch gelesen und sofort zugesagt. Mich hat an diesem Projekt die Thematik gereizt, die so schön leichtfüßig, aber nicht leichtsinnig mit dem schwierigen Thema „Tod“ umgeht. Außerdem lebt dieses Hörbuch von den Episodenrollen, von der Aufmachung – und die Geschichte an sich finde ich toll. Auf so eine Idee muss man erst einmal kommen, dass es so etwas wie das Übergangsmanagement gibt.

Die Übergangsmanagerin: Der Tod steht ihr gut
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Hörbuch

Die Übergangsmanagerin: Der Tod steht ihr gut

Geschrieben von:Karen Elste
Gesprochen von:Josefine Preuß
Spieldauer:7:48
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Kannst du uns mehr zu deiner Figur Fine erzählen?

Fine ist ein sehr komplexer Charakter, weil man weiß, dass sie aus ihrem vorherigen Leben nichts wissen darf. Trotzdem ist sie ein normaler Mensch mit Gefühlen, mit Erinnerungen, mit Emotionen und sie ist schon sehr konsequent in den Ansichten. Sie hat kein Problem damit ihre Meinung zu äußern, gerade gegenüber den Leuten, die ihr nicht glauben, dass sie der Tod ist oder dass der Tod auch endlich mal weiblich ist. Da kann sie schon aus der Haut fahren. Sie ist trotzdem ein Menschenfreund, was ich toll finde. Bei aller Unklarheit, die ihr eigenes voriges Leben betrifft, ist sie trotzdem in ihrer Art den Job auszuführen, sehr klar. Das mag ich sehr an ihr.

Inwiefern unterscheiden sich männliche und weibliche Übergangsmanager?

Fine macht, glaube ich, nicht so viel anders als ihre männlichen Kollegen. Sie ist einfach nur eine Frau und muss sich dementsprechend behaupten, weil viele erstmal nicht wahrhaben wollen, dass der Tod auch weiblich sein kann.

Der Übergangsmanager: Besser stirbt man nicht
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Hörbuch

Der Übergangsmanager: Besser stirbt man nicht

Geschrieben von:Karen Elste
Gesprochen von:Hanno Koffler
Spieldauer:9:52
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Wie bereitest du dich vor, wenn du ein Hörbuch einsprichst?

Meine Vorbereitung für solche Hörbuchaufnahmen besteht darin, das Buch komplett in- und auswendig zu kennen, es also öfter zu lesen – einmal für mich in Ruhe, dann ein paar Passagen laut, um zu gucken, welche Stimme man welchem Charakter geben kann. Dann mache ich mir sehr viele Gedanken über die einzelnen Figuren und schreibe sowas wie eine kleine Rollenbiografie, um auch in kurzen Sprechdialogen viel vermitteln zu können. Die Vorbereitung besteht auch darin darauf zu achten, eine Woche vor der Aufnahme die Stimme zu schonen, damit man überhaupt antreten und einlesen kann. In diesem Fall war auch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Dirk Wilhelm ganz toll, der super Ideen für die Rollen hatte – sei es nur eine Färbung in der Stimme oder ein kleiner Dialekt.

Was ist für dich die größte Herausforderung bei Hörbuchaufnahmen?

Die größte Herausforderung bei Hörbuchaufnahmen – und generell – ist bei mir immer das Wort „eben“ (lacht). Weil es bei mir automatisch ein „ebend“ wird. Das sage ich immer vorab und auch bei den Aufnahmen zur Übergangsmanagerin wurde zwei-, dreimal verlangt, dass ich doch bitte „eben“ lesen soll. Das ist für mich tatsächlich immer noch ein Ding, das kriege ich auch nicht raus. Wenn man schnell über die Zeilen liest, dann rutscht einfach mal so ein „ebend“ heraus. Ansonsten keine große Herausforderung, sondern wirklich schön an einem Hörbuch ist für mich, dass man jede Figur zum Leben erwecken darf. Zum Beispiel Kevin, ein Freund aus dem Übergangsmanager, der richtig doll berlinert. Das sind Sachen, da kann ich mich schön dran reiben. Das mache ich gerne, aber ich sehe es nicht als Herausforderung.

Hörst du selbst gerne Hörbücher?

Ich bin der Typ, der immer noch gerne selber liest. Ich brauche ein Buch, ich brauche Papier, ich brauche den Geruch von Papier. Tatsächlich ist sind Hörbücher und Podcasts bisher total an mir vorbeigegangen. Auch beim Autofahren, wo ja viele sagen, dass es total entspannend ist, dabei ein Hörbuch zu hören … das könnte ich, glaube ich, nicht. Da bin ich zu aufmerksam im Straßenverkehr dabei. Nein, ich bin tatsächlich so, dass ich gerne selber lese. Umso schöner aber, ein Hörbuch einlesen zu dürfen, damit das andere hören.

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