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So verknüpft Ken Follett Fiktion und Fakten

27.09.2017

Neues Hörbuch, bekanntes Muster: Der Bestsellerautor bleibt auch in „Das Fundament der Ewigkeit” seinem Stil treu. Im Interview erklärt er, wie.

Neues Hörbuch, bekanntes Muster: Der Bestsellerautor bleibt auch in Das Fundament der Ewigkeit seinem Stil treu. Im Interview erklärt er uns, wie…

Lange mussten die Kingsbridge-Fans auf Teil 3 der Reihe warten, nun erscheint „Das Fundament der Ewigkeit“ endlich als Hörbuch – bei Audible natürlich in der ungekürzten Fassung. Bestsellerautor Ken Follett erzählt im Interview, wie er die historischen Hintergründe seiner Geschichten recherchiert und wie er es schafft, Fakten und Fiktion zu verbinden.

07 Ken-Follett Hatfield-Old-PalacecOlivier-Favre Ken Follett in Hatfield Old Palace

„Das Fundament der Ewigkeit“ ist Ihr dritter historischer Roman, der in dem fiktiven Ort Kingsbridge spielt. Was war die zündende Idee zu diesem Roman?

Ich habe herausgefunden, dass Königin Elisabeth I. Englands ersten Geheimdienst einrichtete. Sie hatte viele Feinde, die ihr nach dem Leben trachteten. Dieser Geheimdienst arbeitete äußerst effizient, machte alle Attentäter ausfindig und deckte sämtliche Verschwörungen auf. Er hat gefoltert, ließ hinrichten und beseitigte so alle Bösewichte, die die Königin umbringen wollten. Elisabeth starb im Alter von 69 Jahren als alte Dame in ihrem Bett. Und ich war so fasziniert von der Idee von Spionen und Geheimagenten, so wie wir sie aus heutigen Spannungsromanen kennen, aber eben im 16. Jahrhundert, in der Zeit von Shakespeare und Königin Elisabeth.

Wie war es, wieder in ferne Zeiten zurückzukehren?

Es fasziniert mich immer, wie das Leben in früheren Zeiten war, was man gegessen, was man getragen hat und welche Bräuche man pflegte, die sich so sehr von unseren eigenen unterscheiden. Ich habe großen Spaß daran. Ich genieße es, mich mit Personen zu beschäftigen, die wie wir sind, aber unter ganz anderen Umständen leben.

Bitte beschreiben Sie Ihre historische Hauptfigur Elisabeth Tudor

Elisabeth Tudor war eine große Persönlichkeit. Sie war nicht wirklich schön, aber sie war verführerisch und wusste ihre Weiblichkeit zu ihrem Vorteil einzusetzen. Sie war ebenso willensstark wie ihr Vater Heinrich VIII. Dieser stritt sich sogar mit dem Papst, weil der ihm nicht erlaubte, sich scheiden zu lassen. Und so folgerte Heinrich VIII: „Wir brauchen den Papst nicht, ich werde Oberhaupt der Kirche von England“. Als dann Elisabeth Königin wurde und England zu einem protestantischen Land machte, waren überall in Europa Menschen entsetzt und wollten sie beseitigen. Aber sie hat sehr geschickt agiert, sie hat vorgetäuscht, dass sie einen katholischen Prinzen heiraten könnte, und alle dachten, wenn sie einen katholischen Mann heiratet, wird er sie zur Vernunft bringen und England wird wieder katholisch. Also flirtete sie jahrzehntelang mit diesen Männern und hielt tatsächlich alle damit zum Narren.

Wie würden Sie Ihre fiktive Hauptfiguren Ned Willard und Margery Fitzgerald beschreiben?

Ned Willard ist ein junger Engländer, der für Königin Elisabeth I. arbeitet. Er ist sehr klug, er ist ein wenig idealistisch und sehr tough. Margery, das Mädchen, in das er sich am Anfang der Geschichte verliebt, ist eine strenggläubige Katholikin, was in einem protestantischen Land sehr kompliziert ist. Sie ist sehr tapfer und schmuggelt Priester nach England, was gegen das Gesetz verstößt, und würde sie erwischt, würde sie hingerichtet werden. Beide sind ineinander verliebt, aber sie können nicht heiraten, da sie katholisch ist und er protestantisch. Margery hat also zwei Konflikte in ihrem Leben: Sie möchte strenggläubig sein und die Regeln korrekten Verhaltens für junge Frauen befolgen, aber sie möchte auch Neds Frau werden. Fast ihr ganzes Leben lang befindet sie sich in diesem Konflikt.

Wie schaffen Sie es, Fakten und Fiktion so wunderbar zu vereinigen?

Ich muss natürlich herausfinden, was tatsächlich in der Vergangenheit passiert ist und wer was getan hat. Zum Beispiel wissen wir, wer den Geheimdienst von Königin Elisabeth geleitet hat. Das war Francis Walsingham, und wir kennen auch die Namen von ein oder zwei seiner Mitarbeiter, aber eben nicht von allen. Ich kann also keine fiktive Person zum Leiter des Geheimdienstes machen, weil diese geschichtlich überliefert ist, aber ich kann eine fiktive Figur zu einem seiner Geheimagenten machen, weil er viele Mitarbeiter hatte. So baue ich dann meine fiktive Person in die wahre Geschichte ein. Und diese Person muss Dinge tun, die im tatsächlichen Leben passiert sind und sich natürlich an alle geschichtlich belegten Gepflogenheiten richten. Und so kann der Leser sicher sein, dass alles, was er über die historische Person liest, der Wahrheit entspricht und alles über die fiktive Person meiner Fantasie entsprungen ist.

Wie finden Sie Ihre Themen?

Ich glaube, die meisten Autoren halten fortwährend Ausschau nach Themen, und ich tue das sicherlich immer, wenn ich ein historisches Buch lese oder Romane anderer Autoren, wenn ich im Theater bin oder im Kino oder wenn ich Zeitungen oder Zeitschriften lese. Dann frage ich mich, ob das nicht vielleicht eine Story wäre. Manchmal, wenn ich den Roman eines anderen Autors lese, denke ich, ich wünschte, das wäre mir eingefallen. Oder wenn er etwas geschrieben hat, das nicht so gut war, dass ich die Geschichte besser erzählt hätte. Ich glaube, dass wir Autoren alle oft denken: „Daraus könnte ich vielleicht etwas machen“.

Neugierig geworden?

Auf audible.de haben wir für euch eine kostenlose, 48 Minuten lange Hörprobe von „Das Fundament der Ewigkeit“, gelesen von Kingsbridge-Stammsprecher Tobias Kluckert.

Außerdem gibt´s mehr spannende Einblicke in die Arbeit von Ken Follett in diesem Videointerview mit ihm:

Videointerview mit Ken Follett

Das Fundament der Ewigkeit

Das Fundament der Ewigkeit

Author:
Ken Follett
Sprecher:
Tobias Kluckert
Spieldauer:
37:7 Std., ungekürzt

Nach "Die Säulen der Erde" und "Die Tore der Welt" der neue große historische Kingsbridge-Roman des internationalen Bestsellerautors Ken Follett.

Noch immer wacht die altehrwürdige Kathedrale von Kingsbridge über die Stadt. Doch die ist im Widerstreit zwischen Katholiken und Protestanten zutiefst gespalten. Freundschaft, Loyalität, Liebe... nichts scheint mehr von Bedeutung zu sein. Die wahren Feinde sind dabei nicht die rivalisierenden Konfessionen. Der eigentliche Kampf wird zwischen denen ausgefochten, die an Toleranz und Verständigung glauben, und den Tyrannen, die ihre Ideen den anderen aufzwingen wollen - koste es, was es wolle.

Ned Willard wünscht sich nichts sehnlicher, als Margery Fitzgerald zu heiraten. Doch der Konflikt entzweit auch sie, und Will verlässt Kingsbridge, um für die protestantische Prinzessin Elizabeth Tudor zu arbeiten. Als diese wenig später Königin wird, wendet sich ganz Europa gegen England. Um in dieser heiklen Situation früh vor Mordkomplotten, Aufständen und Angriffen der konkurrierenden Mächte gewarnt zu sein, baut die scharfsinnige Monarchin mit Neds Hilfe den ersten Geheimdienst des Landes auf. Die kleine Gruppe geschickter Spione und mutiger Geheimagenten ermöglicht es Elizabeth I. in den nächsten fünfzig Jahren, an ihrem Thron und ihren Prinzipien festzuhalten. Die Liebe zwischen Ned und Margery scheint jedoch verloren zu sein, denn von Edinburgh bis Genf steht ganz Europa in Flammen.


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