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Fiktive Figuren ganz privat: Die Fee (Teil 3)

23.12.2014

Ein kleiner Wink mit dem Zauberstab, ein bisschen glitzernder Staub, leises Glöckchenklingen – so stellt man sie sich  die Arbeit einer Fee vor. Dass diese um einiges anstrengender ist und warum die Zeiten, zu denen Feen drei Wünschen erfüllten vorbei sind, erzählt heute eine leicht verbitterte Fee im folgenden Interview.

In dieser Interview-Reihe sprechen wir mit den fantastischen Figuren aus tausenden unserer Lieblings-Geschichten. Es sind die Schauspieler, die unser Kopfkino täglich zu neuen unvergesslichen Erlebnissen werden lassen. Wir hören ihre Stimmen, aber sie kommen selten privat zu Wort.

Audible: Es ist unglaublich, ich treffe tatsächlich gerade eine Fee. Heißt das, ich habe jetzt drei Wünsche frei?

Fee: Einen.

Audible: Wie nur einen? Das sind doch in Geschichten sonst immer drei, oder nicht?

Fee: Das war früher. Heute muss gespart werden. Wie überall.

Audible: Ich wusste nicht, dass das auch die Magie betrifft.

Fee: Oh, doch. Also einen Wunsch.

Audible: Hmmm. Okay, ich habe mir immer gewünscht, dass ich mich von einem Ort zum anderen beamen kann. Das wäre so praktisch.

Fee: Ach, das ist doch Quatsch.

Audible: Warum?

Fee: Wenn man sich immer und überall hinbeamen könnte, hätte man nie einen Grund irgendwo nicht zu sein. Das ist doch super stressig. Jeder Geburtstag, jeder Spiele-Abend, jede Verabredung mit Leuten, die du eigentlich gar nicht treffen willst, überall müsstest du mal kurz vorbei gucken, weil du dich ja beamen kannst.

Audible: Das stimmt. Dann vielleicht Gedankenlesen können. Das wäre doch cool.

Fee: Spinnst du? Willst du dir das wirklich antun? Ihr Menschen, ihr redet doch schon ständig, auch wenn ihr eigentlich gar nichts zu sagen habt. Willst du tatsächlich auch noch diese unsinnigen Gedanken lesen können? Du hättest nie wieder deine Ruhe…

Audible: Okay, ist ja schon gut. Dann würde ich gerne die Zeit anhalten können. Um schöne Momente einzufrieren und vor zu spulen, wenn es gerade doof ist.

Fee: Och, das ist doch furchtbar langweilig. Auch der schönste Moment wird irgendwann zu lang.

Audible: Hmmm. In die Zukunft sehen können?

Fee: Echt jetzt? Liest du bei einem Buch das Ende als erstes? Guckst du bei Filmen die letzte halbe Stunde zuerst?

Audible: Nein.

Fee: Eben. Also lass den Quatsch.

Audible: Mehr fällt mir jetzt gerade gar nicht ein…

Fee: Sieh an. Wunschlos glücklich. Dann kann ich ja gehen.

Audible: Nee, Moment. Ich hätte da noch ein paar Fragen.

Fee: Du wünscht dir das ich bleibe? Wie lange?

Audible: So ’ne Viertelstunde?

Fee: Ist gebongt.

Audible: Okay, nett von dir. Also, was war denn so der absurdeste Wunsch, den du je erfüllt hast?

Fee: Oh, da muss ich überlegen. Da gab es schon einiges. So’n Held hat sich letztens einfach nur ´ne Spülmaschine gewünscht. Das fand ich schon ein bisschen verrückt. Aber gut.

Audible: Wie schafft man denn als etwa daumengroße Fee eine Spülmaschine in eine Dachgeschosswohnung zu bekommen?

Fee: Was ist das denn für eine dämliche Frage? Ich bin ein magisches Wesen. Na gut, in diesem Fall hab ich sie liefern lassen. Man muss sich nicht unnötig überanstrengen.

Audible: Ist das Wünsche erfüllen so anstrengend?

Fee: Unfassbar anstrengend.

Audible: Wie kommt es denn, dass du ausgerechnet zu mir gekommen bist?

Fee: Du hattest ein Stracciatella-Eis. Ich mag die Schokostückchen.

Audible: Verstehe. Woher kommen Feen eigentlich? Also wie entsteht so ein Fee?

Fee: Dass ich dir das erklären muss… Also, es gibt weibliche und männliche Feen und wenn die sich ganz doll lieb haben…

Audible: Ach so, schon gut. Danke. Was würdest du dir denn selbst wünschen, hättest du mal einen Wunsch frei?

Fee:

Audible: Oh, je. Bitte nicht weinen jetzt.

Fee: Das hat mich noch nie jemand gefragt.

Audible: Echt nicht?

Fee: Nein. Alle wollen immer was von mir.

Audible: Das tut mir leid. Also, was würdest du dir wünschen?

Fee: Romantik.

Audible: Romantik?

Fee: Romantik.

Audible: Okay.

Fee: Selbst Vampire bekommen heutzutage Romantik. Dunkle Blutsauger, die Jahrhunderte lang immer Horrorfiguren waren, verlieben sich jetzt in jeder Geschichte. Und wir Feen? Wir sind immer noch die billigen kleinen Dienstleister, von denen erwartet wird, dass sie jedem Horst, der ihnen über den Weg läuft drei Wünschen erfüllen. Verdienen wir nicht auch ein bisschen Liebe? Ich möchte nur einmal eine Rolle in einem Fantasy-Romance-Roman spielen, mich auch einmal verlieben.

Audible: Gut, dann wünsche ich mir für dich, dass dein Wunsch in Erfüllung geht.

Fee: Das geht nicht.

Audible: Warum nicht?

Fee: Du hast dir schon gewünscht, dass ich 15 Minuten bleibe.

Audible: Das war mein Wunsch?

Fee: Oh ja. Und er ist jetzt vorbei.

Audible: Du bist ja noch komplizierter als das Sams.

 

Anmerkung: Die Fee verschwand an dieser Stelle spurlos. Ob sie es in die Fantansy-Romance-Welt schaffte, bleibt abzuwarten. Im nächsten Teil sprechen wir mit einer Figur, die dort ganz groß im Geschäft ist, dem Vampir.