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Hinter den Kulissen von Locke & Key

23.02.2016

Von der Graphic Novel zum Hörspiel

Joe Hill, der Autor der sechsbändigen Reihe Locke & Key, ist in Deutschland noch relativ unbekannt. In seinem Heimatland, den USA, schafften es seine Bücher und Graphic Novels bereits auf die Bestsellerliste der New York Times. Das mag auch daran liegen, dass viele von uns deutschen Lesern sich jetzt gerade fragen: Graphic was? Graphic Novel.

Eine Graphic Novel ist ein illustrierter Roman oder ein Comic in Buchform. Während sich das Format in den USA seit den 80ern steigender Beliebtheit erfreut, gehört es bei uns noch zur Nischenliteratur. Dabei sind doch auch wir mit den Comics um Lucky Luke, Micky Maus, Donald Duck und Asterix und Obelix groß geworden.

Seit 18. Februar könnt ihr die deutsche Hörspielversion der Graphic Novel Locke & Key herunterladen, im englischen Original von Elaine Lee, übersetzt von André Mumont und bearbeitet von Kai Schwind bei Audible. Wir durften uns bereits bei der Produktion mit dem Regisseur Kai Schwind und den Sprechern Oliver Wnuk, Milton Welsh und Claude Albert Heinrich unterhalten.

Hier geht’s direkt zur Hörspiel-Reihe Locke & Key.

Familie Locke, Lovecraft Mansion, viele Schlüssel und ein Dämon

Audible: Was ist Locke & Key für eine Geschichte? Für wen ist die?

Milton Welsh: Das ist eine düstere Familiengeschichte mit fantastischen Elementen und vielen Schlüsseln. Genre: Fantasy-Horror-Crime Noir.

Oliver Wnuk: Ich würde Locke & Key so gerne meiner Tochter vorspielen, aber dazu ist sie noch zu jung.

Locke & Key ist spannend, gruselig und teilweise brutal. Daher empfiehlt sie sich für Zuhörerinnen und Zuhörer ab 16 Jahre. Es geht um die Familie Locke. Nach dem Mord am Vater der Familie, zieht die Mutter mit ihren drei Kindern Bode (7), Kinsey (16) und Tyler (17) in das Elternhaus des Vaters, Lovecraft Mansion. Hier lebt nicht nur der Onkel der Kinder, Duncan Locke, sondern auch ein Dämon. Das Besondere am Lovecraft Mansion ist, dass überall im Haus Schlüssel zu finden sind, die magische Kräfte verleihen. Es gibt einen Schlüssel, der Köpfe öffnet, einen Schlüssel, der einen das Geschlecht wechseln lässt, einen Schlüssel, der einem Flügel verleiht und einen, der dich in einen Riesen verwandelt, einen Schlüssel, mit dem man in die Vergangenheit reisen kann, einen Schlüssel, der dich zum Geist werden lässt und dann gibt es da noch den Omega-Schlüssel, der wohl machtvollste von allen.

Audible: Welchen Schlüssel aus der Geschichte würdet ihr am Liebsten benutzen?

Milton Welsh: Den Engel-Schlüssel. Der lässt dich fliegen. Eine ziemlich reizvolle Idee, wie ich finde. Und ganz ohne Check-In am Schalter, Passkontrolle und so weiter.

Oliver Wnuk: Ins Schicksal eingreifen - das sieht man ja auch in der Geschichte – geht meistens nicht so gut aus, aber Zeitreisen würden mich interessieren.

Claude Albert Heinrich: Ich würde am liebsten den Omega-Schlüssel finden, damit der Teufel ihn nicht mehr haben kann.

Claude Albert Heinrich als Bode Locke

Claude Albert Heinrich ist das Küken dieser Hörspielbesatzung. Er ist erst 9 Jahre alt und spielt Bode, den kleinsten Locke-Bruder.

Audible: Was gefällt dir an deiner Rolle am besten?

Claude Albert Heinrich: Mir gefällt an der Rolle sehr gut, dass Bode sehr neugierig und mutig ist und aufregende Abenteuer in anderen Welten erlebt. Mit dem Kopfschlüssel kann er seinen Kopf aufschließen und dann kann er z.B. Bücher reinstecken und dann weiß er sofort, was drin steht und jeder kann seine Gedanken, Wünsche und Träume sehen.

Oliver Wnuk als Duncan Locke

Oliver Wnuk ist als Schauspieler unter anderem durch seine Rolle in Stromberg bekannt. Er hat aber auch schon in einer Reihe Hörspielproduktionen mitgewirkt.

Audible: Was gefällt dir an der Hörspielschauspielerei?

Oliver Wnuk: Ich mag Hörspiel deswegen, weil ich mich ja gegen das Theater und für den Film entschieden habe und Hörspiel ist so ein Zwischending. Man hat den Text und es geht einzig und allein um die Sprache. Man kann den Körper wegschalten, den hat man nicht zur Verfügung und man fokussiert sich auf die Stimme. Das ist eine schöne Abwechslung und gibt mir die Möglichkeit, mich mit Literatur zu beschäftigen.

Audible: Hörst du selber auch gerne Hörspiele?

 Oliver Wnuk: Ich bin eigentlich erst durch meine Tochter wieder zu den unterhaltenden Hörspielen gekommen. Mit ihr höre ich das alles wieder: Die drei Fragezeichen, TKKG und auch Bibi Blocksberg. Da hab ich dann festgestellt, dass ich Bibi Blocksberg und Benjamin Blümchen mitsprechen kann.

Audible: In Locke & Key spielst du den homosexuellen Onkel Duncan. Was ist das für eine Rolle?

Oliver Wnuk: Duncan versucht, die zerworfene und schicksalsgeplagte Familie wieder auf die Bahn zu bringen und für sie da zu sein. Er hat aber auch seine eigene Geschichte.

Milton Welsh als Detective Mutuku

Milton Welsh ist ebenfalls schon lange als Filmschauspieler tätig. Seit seiner Rolle in der Hörspielversion von Sebastian Fitzeks Passagier 23 startet er auch in diesem Bereich durch.

Audible: Was reizt dich an dieser Arbeit?

Milton Welsh: Ich schlüpfe nun mal gerne in Rollen. Sei es vor der Kamera beim Drehen oder im Studio beim Synchron, auf der Bühne beim Theater. So verhält es sich auch beim Hörspiel, es ist halt meine Passion und Leidenschaft - mein Beruf.

Audible: In was für eine Rolle schlüpfst du bei Locke & Key?

Milton Welsh: Detective Mutuku, ein leidgeprüfter aber bodenständiger Mensch, auf der Suche … das Unfassbare fassbar zu machen. Tough und gleichzeitig anrührend. Ein einsamer Stier gewissermaßen.

Ein Kampf um Leben und Tod

Das Lovecraft Mansion stellt Familie Locke vor einige Herausforderungen. Tyler und Kinsey müssen sich nicht nur mit den typischen Teenagerproblemen herumärgern, sie müssen auch den Mord an ihrem Vater verarbeiten, sich um ihre dem Alkohol verfallene Mutter und den kleinen Bruder kümmern und den machthungrigen Dämon in Schach halten. Dabei entdecken sie nicht nur die Schlüssel und die Geschichte des Hauses, sie finden auch heraus, was hinter ihrer eigenen Familiengeschichte steckt und erfahren Dinge, die vor einer langen Zeit geschehen sind. Ihre Geschichte wird zu einem Kampf um Leben und Tod, der vieles von ihnen abverlangt und einige Opfer fordert.

Regisseur Kai Schwind

Kai Schwind ist der Regisseur der deutschen Hörspielversion von Locke & Key und hat ebenso am Drehbuch mitgearbeitet. Er beschreibt Locke & Key als klassisches Hörspiel mit modernen Elementen. Es wird aber etwas unkonventioneller erzählt, da es sich bei der Vorlage eben um eine Graphic Novel handelt.

Audible: Wie schreibt man ein Comic in ein Hörspiel um? Ist das vielleicht sogar einfacher, weil man durch die Sprechblasen genau weiß, wer wann was sagt?

Kai Schwind: Nicht unbedingt einfacher, weil das Medium ganz andere Herausforderungen hat. Im Comic werden Figuren mit einem Bild und einer Sprechblase eingeführt. Im Hörspiel muss man die mehr vorbereiten. Das macht der Sprecher durch die Stimme. Die Etablierung von Situationen ist im Comic viel deutlicher und sichtbarer und das muss im Hörspiel länger vorbereitet werden.

Audible: Was ist das besondere und unkonventionelle an dieser Produktion?

Kai Schwind: Hier sind viele gewagte Schnitte drin. Man springt in Zeit und Raum, was man dem Hörer aber auch zumuten kann. Das ist das Spannende - dass man Hörspiel auch ein bisschen anders versuchen kann. In Deutschland haben wir ja eine große Hörspielkultur und viele sind an die Erzählweise der 80er gewöhnt, mit Erzähler und so. Auf diesen konnten wir größtenteils verzichten. Die Figur Benjamin Locke übernimmt das am Anfang und berichtet aus der Vergangenheit.

Audible: Locke & Key besteht ja aus sechs Bänden. Werden die jetzt alle am Stück aufgenommen?

Kai Schwind: Ja, wir nehmen die alle am Stück auf. Das ist ein großes Pensum. Wir machen hier eigentlich jeden Tag 12 Stunden Schichten und haben insgesamt 28 Aufnahmetage. Bei den Hauptrollen ist das ein bisschen entspannter. Da verbringt man dann ein paar Tage nur zu zweit im Studio, aber es gibt eben auch die Szenen, wo man dann fünf, sechs Leute im Studio hat, die schreien und toben müssen und das braucht Zeit.

Audible: Du hast die Rollen des Stückes auch besetzt. Wonach hast du dir die Leute ausgesucht?

Kai Schwind: Ich wollte das Stück mit Leuten besetzen, die so quer durch die Medien bekannt sind, also nicht nur Synchron-Leute oder Theater- oder Film oder Fernsehleute, sondern durchmischt. Das ist ein bisschen ein Risiko, weil man mit unterschiedlichen Perfomance-Styles zu tun hat. Es kommt aber ganz gut zusammen und macht das Ganze lebendiger.

Fazit und Trivia

 Locke & Key ist tatsächlich ein lebendiges, etwas unkonventionelles Hörspiel mit klassischen Elementen geworden. Oliver Wnuk hat sich nach der Produktion vorgenommen, auch mal eine Graphic Novel zu lesen und auch Kai Schwind sagt, er habe jetzt noch mal in den alten Tim und Struppi Comics geblättert und festgestellt, was da noch so alles drin steckt.

Joe Hill schreibt übrigens unter einem Pseudonym. Sein richtiger Name lautet Joseph Hillstrom King und die Bücher seines Vaters sind nicht nur in den USA auf Bestsellerlisten. Könnt ihr erraten, um wen es sich dabei handelt?

Lust auf Locke & Key?

Die sechsteilige Hörspiel-Reihe Locke & Key gibt es seit kurzem ungekürzt bei Audible. Übrigens könnt ihr euch sogar die erste Folge von Locke & Key gratis anhören.