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Newsflesh-Trilogie

Von: Saba
09.01.2015

Ob Autorin Mira Grant bewusst war, wie gut ihre Newsflesh-Trilogie in das letzte Jahr passen würde? Zwar wurde unsere Welt nicht von Zombies überrannt, doch enthält die Hörbuchreihe eine Menge Elemente, die das letzte Jahr geprägt haben und dies wohl auch künftig tun werden. Dazu zählen vor allem das Nachrichtengeschäft, in dem es immer härter zugeht und eine Pandemie, die verschiedenste Verschwörungstheorien hervorruft.

Die Handlung

2014 hat ein mutiertes Virus die Toten wieder auferstehen lassen, welche leider nicht friedlich mit den Lebenden koexistieren können, da ihr einziger Instinkt das Töten ist. Seit dem Ausbruch des Zombie-Virus hat sich die Menschheit damit arrangiert. Es wurden neue Sicherheitsvorkehrungen eingerichtet, die Haltung von schwereren Säugetieren ist eingeschränkt und Menschen verlassen nur noch selten ihre Häuser. Soziale Verbindungen und die Versorgung mit Informationen existieren vorrangig im Internet, wo Blogger um die Aufmerksamkeit ihrer Zuschauer buhlen. Die Angst ist ein Dauerzustand, an dem sich ordentlich verdienen lässt.

Zombieinvasion als Gesellschaftskritik

Autorin Mira Grant hat mit Zombies ein sehr einfaches und doch ungewöhnliches Mittel gewählt, das, von den lebenden Toten mal abgesehen, eine realistische Zukunftsperspektive illustriert. Es liegt eine gewisse Ironie darin, dass sie sich damals für das Jahr 2014 als Startschuss entschieden hat. Das letzte Jahr hat eindrücklich gezeigt wie die Berichterstattung über eine Pandemie statt umfassend aufzuklären häufig irrationale Ängste geschürt hat. Wie auch in der Newsflesh-Trilogie, gibt es heute tatsächlich immer weniger Reporter, die tatsächlich raus gehen, um am Ort des Geschehens zu recherchieren. Und wie auch in Grants Reihe ist das Nachrichtenwesen ein so hart umkämpfter Markt, dass in immer kürzeren Abständen irgendeine Schlagzeile veröffentlicht wird, um relevant zu bleiben.

Die Zombies spielen somit gar nicht die größte Rolle. Im Mittelpunkt stehen die Blogger, die sich in die Gefahrenzonen begeben, um nach spektakulären Storys zu suchen, und dabei Stück für Stück die wahren Hintergründe der Pandemie entdecken. Der Preis für die Wahrheit ist hoch und in einem Ausnahmezustand, der zur Normalität wird, gilt das mehr denn je. Vor allen Dingen, wenn der Großteil der Gesellschaft sich hinter Schloss und Türen verbarrikadiert, während eine handvoll Journalisten es mit der Regierung aufnimmt. Es ist einfach die Newsflesh-Reihe als nicht mehr als noch eine Geschichte einzuschätzen, die dem Zombie-Trend von vor drei bis vier Jahren entsprungen ist. Das ist gewissermaßen auch zutreffend, doch überrascht die Trilogie mit sehr präzisen gesellschaftlichen Beobachtungen.

Hier geht es zur Trilogie.

Starkes Konzept mit schwacher Ausführung

Schade ist, dass es bei dem starken Konzept sprachlich zuweilen ziemlich hapert. Das größte Problem sind vor allem die Wiederholungen. Sei es die Sehbehinderung der Hauptprotagonistin Georgia Mason, der geistige Zustand ihres Bruders (dessen Selbstgespräche ein sehr unglücklich gewähltes Erzählmittel sind), die Quoten oder die Gefahren einer Virenvermehrung in Säugetieren, die über 25 Kilogramm wiegen. Es vergehen gefühlt keine 15 Minuten, ohne das die Hörer auf altbekannte Tatsachen hingewiesen werden. Doch Sprecherin Tanja Geke ist eine tolle Besetzung für das Hörbuch und meistert die Dialoge zwischen den Geschwistern Mason vor allem im zweiten Teil sehr beeindruckend. Die Charaktere sind weniger komplex, als es die Autorin vielleicht beabsichtigt hat, wobei sie zumindest keine Scheu hat, sich von manchen zu trennen, um die Handlung voranzubringen. Alles in allem ist die Ausführung der sehr faszinierenden Idee zwar spannend und kurzweilig, aber mitunter flach und vorhersehbar. Das mag wohl daran liegen, dass die Newsflesh-Trilogie vor allem ein Unterhaltungsroman mit starken gesellschaftskritischen Elementen ist, statt andersherum.

Hier findest du ein kurzes Interview mit der Autorin.