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Nora Gomringer zu Gast bei Denis Scheck

20.03.2018

Die Künstlerin Nora Gomringer sorgt derzeit mit #avenidaswall für Aufmerksamkeit. Im Audible Original Podcast bei Denis Scheck verrät sie mehr.

Der Audible Original Podcast „Unüberhörbar. Mit Denis Scheck“ ist eine ganz besondere Perle in unserem vielfältigen Podcast-Programm – insbesondere natürlich für alle Hörbuchfans. Literaturkritiker Denis Scheck bespricht wöchentlich mit einem eingeladenen Gast dessen Lieblings-Hörbücher. Wer zuhört, bekommt nicht nur großartige neue Titelempfehlungen, sondern erfährt noch viel mehr über den Gast und wie Hörbücher, deren Geschichten und Lehren den Gast durch das Leben begleiten.

Nun war Nora Gomringer zu Gast bei Denis Scheck. Wie viel Spaß die beiden bei der Aufzeichnung hatten, verrät das Beitragsbild, dass die beidem bei einem Selfie-Foto im Auto auf dem Weg zum Aufnahmestudio zeigt. Hört rein und erfahrt mehr über Nora Gomringer, eine wirklich interessante Person des aktuellen kulturellen Zeitgeschehens.

Bachmannpreisträgerin und Spoken-Word-Artistin

Nora Gomringer ist Dichterin, Spoken Word-Artistin und Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin mit Wohnsitz in Bamberg. Die vielseitige Künstlerin wurde 1980 im saarländischen Neunkirchen geboren. Ihre Eltern sind der bolivianisch-schweizerischere Schriftsteller Eugen Gomringer und die Germanistin Nortrud Gomringer. Aufgewachsen mit sieben Brüdern, beginnt Nora Gomringer nach ihrer Kindheit in Wurlitz bei Rehau eine musikalische Ausbildung am Musical Institute in Manchester. Im Jahr 1996 wird das fränkische Bamberg ihr neuer Wohnsitz - noch heute ist Bamberg der Lebensmittelpunkt für die Poetry Slammerin. Doch zunächst zieht es Gomringer in die USA. In Lititz im Bundesstaat Pennsylvania absolviert Nora Gomringer Ende der 90er ihren High-School-Abschluss, gefolgt von einem Praktikum in Los Angeles bei der Academy of Motion Picture Arts and Sciences und am Leo Baeck Institute in New York zu Beginn der Nullerjahre.

Als Spoken-Word-Artistin wird Gomringer in Deutschland bekannt

Im Jahr 2010 übernimmt Nora Gomringer in Bamberg die Leitung des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia. Ihre Lyrik wird vielfach ausgezeichnet. Mit einem Prosatext gewinnt sie schließlich 2015 in Klagenfurt den Ingeborg-Bachmann-Preis für Ihren Wettbewerbsbeitrag ‚Recherche’ über den Tod eines 13-Jährigen, der vom Balkon eines Hochhauses in den Tod stürzt. Die Bachmann-Jury ist begeistert über den vielstimmigen Text voller Anspielungen, der seine Spannung aus den ständigen Perspektivwechseln bezieht. Zum neuem Stern am Poetry- und Lyrik-Himmel in Deutschland wird Gomringer vor allem durch die starke und kluge Präsenz, die immer wieder in ihrer Kunst zu finden ist.

Ein Gedicht von Nora Gomringers Vater sorgt derzeit für Furore

Seit sechs Jahren ist ein Gedicht von Eugen Gomringer der lyrische Blickfang an der Außenfassade der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Doch zu Beginn des Jahres 2018 setzte sich der Asta des Instituts für eine jährlich stattfindende Aktualisierung der Fassade ein - mit einem lyrischen Werk des jeweils aktuellsten Preisträgers der Hochschule. Eugen Gomringers Gedicht ‚Avenidas’ entstand 1951 und begründete die Konkrete Poesie. Die Übersetzung aus dem Spanischen lautet: “Alleen / Alleen und Blumen / Blumen / Blumen und Frauen / Alleen / Alleen und Frauen / Alleen und Blumen und Frauen und ein Bewunderer”. Kritiker des Gedichts werfen Gomringer Sexismus vor, da Frauen lediglich als Objekte dargestellt würden. Schnell sorgte der Fall deutschlandweit für eine Debatte, ob es sich hier um eine berechtigte Kritik oder überzogene politische Korrektheit handele.

Nora Gomringers Instagram-Aktion trägt den Titel #avenidaswall

Auch Eugen Gomringers Tochter findet es bemerkenswert, was in sechs einfache und harmlose Worte alles hineingelesen und interpretiert werden kann. Mit Guerilla-Kunst sorgt sie deshalb gerade auf Instagram für frischen Wind in der Debatte um das Gedicht ihres Vaters. Gemeinsam mit dem Grafiker Sebastian Magnus ließ die Poetry-Slammerin Sticker des Gedichts anfertigen. Bei ihren Lesereisen ins In- und Ausland verschenkt Gomringer diese einfach weiter. Ihr Ziel: Das plötzlich wieder in die öffentliche Wahrnehmung gerückte Gedicht soll von den Menschen im Land mit einem ganz neuen Blick betrachtet werden - durch Klebeaktionen an öffentlichen Orten in Gemeinden oder Städten. Dabei wurden auch Umweltaspekte berücksichtigt, denn die aufmerksamkeitsstarken Sticker lassen sich ganz einfach und unkompliziert wieder entfernen, ohne jegliche Rückstände. Der Erfolg gibt Nora Gomringer Recht. Eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Menschen hat die Sticker bereits vorab bestellt. Kein Wunder also, dass die Bilder-Galerie #avenidaswall auf Instagram wächst und gedeiht.

Mehr über Nora Gomringer erfahrt ihr in der aktuellen Folge des Audible Original Podcasts „Unüberhörbar. Mit Denis Scheck“.


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