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Ole Brandenburg und sein Legobaukasten für Landkarten

29.04.2013

Ole Brandenburg und sein Legobaukasten für Landkarten Klicke jetzt auf die Karte und wirf einen Blick auf die Stationen des Hörbuchs “In 80 Tagen um die Welt” © Ole Brandenburg

Wir haben uns mit Ole Brandenburg getroffen, weil wir seine Geschäftsidee gut finden. Es muss ja nicht immer alles explizit mit Hörbüchern zu tun haben.

Hörbücher-Blog: Was für eine Idee steckt hinter „Stepmap“? Ole: Die Idee ist schon etwas älter, von 2006 oder 2007. Damals gab es natürlich schon googlemaps und andere Kartensoftware, die man kaufen konnte. Uns war das allerdings alles zu kompliziert. Auch googlemaps fanden wir eher umständlich. Wir wollten das einfacher machen und haben eine Art Legobaukasten für Landkarten erstellt. Ürsprünglich war die Idee, dass Privatleute damit ihre Reisen dokumentieren: In welchen Ländern war ich schon? Wo möchte ich hin? Also etwas für das Urlaubsfotoalbum oder als Poster für die Wand. Wir finanzieren uns selbst, deswegen war es auch geplant irgendwann gewerbliche Kunden anzusprechen.

Ole Brandenburg und sein Legobaukasten für Landkarten

Hörbücher-Blog: Wisst ihr wer und wie eure Karten jetzt genutzt werden? Ole: Ja, Reiseveranstalter nutzen unsere Karten zum Beispiel für Kataloge. Außerdem verwenden Nachrichtenagenturen unser Tool, wenn es da, sagen wir mal, um ein Erdbeben in Argentinien geht, gibt es meistens im Hintergrund eine Karte. Und das sind unsere klassischen Schulbuchkarten, ohne 3D-Animation oder Streetview. So sind wir in 70-80 Redaktionen in Deutschland vertreten, unter anderem nutzt die dpa unser Tool, die BILD-Zeitung, die FAZ, der Focus, das Hamburger Abendblatt. Mit diesen Kunden machen wir unseren Umsatz, aber von der Anzahl unserer User sind 90% Privatleute, die ihren Urlaub illustrieren und ihre Karten auf facebook und Blogs posten. Und die letzte Gruppe, die auch sehr aktiv ist, das sind Schüler, Studenten und Lehrer. Unser Anspruch an das Tool ist: Es ist für jeden leicht zu bedienen, man muss nichts runterladen und für Schüler, Studenten, Lehrer und Privatpersonen ist es kostenlos.

Hörbücher-Blog: Du hast mal eine Karte zum Hörbuch „In 80 Tagen um die Welt“ gebastelt. Was können Karten und was ist das Schöne an ihnen? Ole: Oh, Karten können eine ganze Menge. Im Unterschied zu Textnachrichten  haben sie den großen Vorteil, dass sie sprachübergreifend sind. Wenn ich einem Deutschen, Franzosen, Amerikaner und einem Australier eine Durchschnittskarte zeige, dann können die damit eigentlich alle etwas anfangen. Karten sind also sprachübergreifend, kulturübergreifend und zeitlos. Man kann auf einer Karte auch komplexe Informationen viel einfacher darstellen, als wenn man sie in einem Fließtext aufschreibt. Vieles ist so schneller verständlich. Ohne Karte  müsste man sich da sonst dumm und dusselig reden.

Und persönlich blättere ich immer noch gerne in meinem Diercke Weltatlas oder gucke mir an, was die Leute für kreative und vielseitige Dinge mit unserem Tool machen. Du kannst so die Welt erkunden ohne dein Zimmer zu verlassen.

Hörbücher-Blog: Dabei hast du dein Zimmer schon oft verlassen, bist unter anderem in Saudi Arabien aufgewachsen und lebst jetzt in Australien. Im Videoclip auf eurer Seite heißt es „Erzähle deine eigene Geschichte mit einer eigenen Landkarte“. Wie sieht denn deine Landkarte aus? Ole: Moment, die kann ich dir zeigen. Der „derzeitige Standort“ stimmt allerdings nicht mehr. Da müsste man jetzt Australien grün machen.

Ole Brandenburg und sein Legobaukasten für Landkarten Oles persönliche Karte
Hörbücher-Blog: Würdest du sagen Landkarten lesen ist genauso spannend wie Bücher lesen? Ole: Wenn ich ehrlich bin, sind Bücher schon noch schöner, weil da die Phantasie angeregt wird. Ein Buch ist ja kein Bild, auf das du einfach draufguckst, ein Buch ist eine fortlaufende Geschichte. Eine Karte kann auch eine Geschichte erzählen, finde ich. Sie kann ein Buch schön ergänzen, gerade bei historischen Romanen, „Der Medicus“ von Noah Gordon zum Beispiel. Da reist die Hauptfigur von England nach Persien und das ist ja eine richtig lange Route quer durch Europa. Das Buch hab ich drei oder viermal gelesen, absolut genial.

Hörbücher-Blog: Okay, letzte Frage. Du wohnst in Brisbane und siehst dir auf Landkarten tagtäglich die ganze Welt an. Wo ist denn dein Lieblingsort? Ole: Oh das ist schwer. Also Brisbane finde ich wunderwunderschön, weil es zwar eine große Stadt ist, man aber nicht so ein Großstadtfeeling hat. Außerdem ist es hier sehr warm, wir haben viel Sonne, du hast den Strand um die Ecke. Aber interessant fand ich auch San Francisco, weil mich das so ein bisschen an Berlin erinnert. Das ist sehr liberal, sehr bunt, auch abgefuckt an manchen Ecken. Und ich fand auch ein paar kleinere Städte im Norden von Schottland sehr schön. Da ist es halt kalt (lacht). Also, wenn ich mich entscheiden müsste, jetzt auf der Stelle, würde ich sagen Brisbane, dicht gefolgt von San Francisco.

Hörbücher-Blog: Alles klar. Vielen Dank für das Gespräch und viele Grüße nach Brisbane.