Oliver Masucci – Theatermann mit Kante

Oliver Masucci
12.04.19

Oliver Masucci spricht in Auris den Audio-Forensiker Matthias Hegel. Wenn er nicht im Studio hinter dem Mikrofon steht, ist er profilierter Theaterdarsteller und versierter Filmschauspieler.

Einmal fand Oliver Masucci es gar nicht witzig, als man ihn zu einem Casting einlud. Hitler solle er spielen. „Ich war richtig empört, als ich die Einladung zum Casting erhielt. Ich dachte: Hitler bin ich doch gar nicht“, erzählte er dem ZEIT Magazin. Dann wurden die Haare gegelt, ein Seitenscheitel gezogen und ein Schnurrbart angeklebt – fertig war der Führer. Und der halbe Italiener Oliver Masucci wurde zu Adolf Hitler in der erfolgreichen Satire „Er ist wieder da“.

Masuccis kantig-feines Gesicht und sein intensiver Blick dominiert große und kleine Leinwände. Neben „Er ist wieder da“ hat ihn auch die Netflix-Serie „Dark“ bekannt gemacht, sogar international. Doch auch, wenn man ihn nicht sieht, kann der in Stuttgart geborene Sohn einer Deutschen und eines Italieners überzeugen. Zum Beispiel als Audio-Profiler Matthias Hegel im Audibel Original Hörspiel Auris.

Das Hörspiel: eine Herausforderung

Doch bevor der Vater dreier Kinder vor Kamera und Kabinenmikrofon landete, spielte er erstmal 30 Jahre Theater: kraftvoll, wandlungsfähig, leidenschaftlich. Seit seinem 14. Lebensjahr steht der in Bonn aufgewachsene Oliver Masucci auf der Bühne. Die Initialzündung gab Die Dreigroschenoper, die seine Deutschlehrerin mit ihm und seinen Schulfreunden einstudierte. Seit 2009 ist er festes Ensemblemitglied am Wiener Burgtheater.

Masucci ist im eigentlichen Sinne ein Spieler. Theoretisieren vor dem Auftritt ist seine Sache nicht. Wie er in einem Interview mit quotenmeter.de mal verraten hat, spielt er einfach wahnsinnig gerne. „Ich mag nicht so gerne darüber reden, ich mag es lieber, einfach und sofort zu spielen.“ Und in der langen Zeit auf der Bühne habe er zumindest gelernt, wie er sich durchlässig mache und nahtlos auf das Spiel seiner Kollegen eingehe.

"Bei einem Hörspiel habe ich nur meine Stimme, um glaubwürdig zu sein. Das ist schon richtig anstrengend.“

Oliver Masucci

Auch ins Hörspiel ist er beherzt gesprungen. Es war eine Herausforderung: „Ich arbeite sonst mit meinem ganzen Körper mit der Gestik mit der Mimik. Bei einem Hörspiel habe ich nur meine Stimme, um glaubwürdig zu sein. Das ist schon richtig anstrengend.“ Aber gut anstrengend. Denn Spaß gemacht hat es dem gebürtigen Stuttgarter: „Ich habe mich sehr über die Anfrage gefreut, denn schon die Vertonung von “Er ist wieder da”, bei dessen Verfilmung ich die Hauptrolle gespielt habe, war dort ein Riesenerfolg. Jetzt wollte ich auch mal hinter das Mikrofon.“ Es wird nicht das letzte Mal sein.

Drei Fragen an Oliver Masucci

Wie würdest Du den von Dir gesprochenen Dr. Hegel beschreiben?

Hegel ist ein Psychologe, ein Intellektueller, ein so genannter Audio-Forensiker, der Kriminelle aufgrund ihrer Stimme überführt. Die Polizei holt ihn immer, wenn Sie mit den Ermittlungen nicht weiterkommt. Er hat ein außergewöhnliches Gehör: Mit diesem Gehör erstellt er Täterprofile. Er kann die Herkunft analysieren, den Beruf, das soziale Umfeld, das Alter, die Krankheiten. Er ist genialisch, aber auch arrogant. Dann gesteht er plötzlich einen Mord und kommt selber ins Gefängnis und die nicht ganz ungefährliche Suche nach der Wahrheit beginnt.

Stimmen spielen eine große Rolle in “Auris”. Was verraten uns Stimmen über einen Menschen nach deiner Meinung?

Ich bin ja Schauspieler und kein Audio-Forensiker, aber man kann natürlich aus Stimmen wahnsinnig viel heraushören, vor allen aus der Tonlage. Die Stimme verrät den Seelenzustand, ist jemand aufgeregt, ruht er in sich, will er etwas von einem. Dafür muss man den Menschen gar nicht ins Gesicht sehen. Am Telefon hört man ja zum Beispiel, ob jemand am anderen Ende lächelt oder nicht – das überträgt sich ganz allein über die Stimme

Hörst Du selber Hörspiele oder Podcasts?

Ich höre selber gerne Hörspiele, das ist für mich Luxus: Jemand anders liest mir da vor, wie früher als Kind, wenn mir die Mama vorgelesen hat. Beim Lesen fangen die Buchstaben irgendwann an zu tanzen und dann werde ich müde, weil ich mich so sehr konzentrieren muss. Aber bei einem guten Hörbuch passiert das nie, das ist praktisch weil ich viel unterwegs bin.

Auris

Autor:
Sebastian Fitzek, Vincent Kliesch, Helge May, Judith Schöll
Sprecher:
Simon Jäger, Svenja Jung, Oliver Masucci, Thomas Balou Martin, Julian Horayseck, Rauand Taleb
Spieldauer:
7:46 Std.