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Viel mehr als Kilts und Küsse: zwei Fans über den Wert von Outlander

28.11.2017

Zum Start der 3. Staffel im deutschen Fernsehen (8. November ab 20:15 Uhr auf Vox) haben sich die beiden größten „Outlander“-Fangirls im Audible Team, Silvia und Ute, zu einem Fangespräch zusammengesetzt.

Eine große Liebe durch die Zeiten. Historische Schlachten in den schottischen Highlands. Heilkunst und Hexenwerk. Piraten, politische Intrigen und Romantik pur. Die Highland-Saga von Diana Gabaldon hat eine glühende Fan-Gemeinde, die durch die TV-Serie nur noch größer geworden ist.

Zum Start der 3. Staffel im deutschen Fernsehen (8. November ab 20:15 Uhr auf Vox) haben sich die beiden größten „Outlander“-Fangirls im Audible Team, Silvia und Ute, zu einem Fangespräch zusammengesetzt.

Ute: Im Gegensatz zu mir kennst du die „Highland-Saga“ schon ziemlich lange, oder?

Silvia: Oh ja, schon circa siebzehn Jahre! Meine Schwester hat mir damals den ersten Band als Buch gegeben. Ich war skeptisch, denn historische Romane und dann noch ein Zeitreiseroman waren absolut nicht mein Genre. Was mich dann doch dazu brachte es zu lesen, war der Hinweis auf eine sagenhafte Liebesgeschichte, die über unterschiedliche Zeiten andauert. Sie hatte recht: die Serie hat mich gefesselt und seitdem lese bzw. höre ich sie immer wieder.

Ute: Ich hätte auch nicht gedacht, dass mich die Reihe so begeistern würde. Mich hat allerdings die Liebesgeschichte eher abgeschreckt. Das hörte sich so nach kitschigem Frauenroman an. Während einer fiesen Grippe habe ich dieses Jahr dann doch mal in die TV-Serie reingeschaut – und war sofort süchtig. Parallel dazu habe ich die englischen Hörbücher angefangen und bin jetzt mitten in Band 6. Seit Juli lebe ich quasi in der Welt von „Outlander“.

Silvia: Das tue ich gerade auch wieder! Als ich 2006 bei Audible anfing, habe ich natürlich Band 1 auch als Hörbuch gehört, doch ich habe gleich aufgegeben, weil die Kürzungen so schlimm waren, dass es kein Genuss mehr für mich war. Seit der 8. Band und nun auch noch rückwirkend alle anderen Hörbücher vom Argon Verlag ungekürzt vertont werden, höre ich mich gerne nochmal durch. Momentan schaue ich auch parallel die TV-Serie. Somit befinde ich mich momentan eigentlich mehr in der Welt von Jamie & Claire als in meiner eigenen.


Feuer und Stein (Outlander 1)

Feuer und Stein (Outlander 1)

Author:
Diana Gabaldon
Sprecher:
Birgitta Assheuer
Spieldauer:
37:0 Std., ungekürzt

Ute: Was mich begeistert, ist die Hauptfigur, Claire. Endlich mal eine Liebesgeschichte mit einer starken, selbstbewussten und kompetenten Frau im Zentrum, die ihren Helden mindestens ebenso oft rettet wie er sie! Ohne Claire’s Mut, ihr Wissen und ihre medizinischen Kenntnisse wäre Jamie bereits in Teil 1 gestorben…

Silvia: Mich fasziniert das Thema der Heilkunst. Gabaldon hat das Heilwissen im 18. Jahrhundert sehr gut aufgearbeitet. Wie Claire Kräuter und Tränke gegen Krankheiten und Schmerzen verwendet, ist spannend zu erleben!

Ute: Ja, und Claire’s Erfindungsreichtum kennt keine Grenzen! Eine Spritze aus den Giftzähnen einer Schlange zu basteln oder Penicillin aus verschimmeltem Brot herzustellen – das ist schon sehr clever. In einer Zeit, in der Frauen kaum einen richtigen Beruf ausübten, bekommt Claire dadurch auch einen ganz anderen Status und Respekt. Auch wenn sie aufgrund ihrer Kenntnisse immer wieder als Hexe bezichtigt wird.

Silvia: Man lernt man ja unheimlich viel über das 18. Jahrhundert. Es geht um die Highlander-Kultur, um die Intrigen am königlichen Hof in Paris und um das einfache Leben als neue Siedler in Amerika. Es geht um Schlachten, Schiffsreisen und Piraten, Indianer und die Kolonien als ein neues Land, in dem sich die Schotten neben vielen anderen Kulturen ansiedeln.

Ute: … und Gabaldon erzählt das alles als großes Abenteuer zum Mitfiebern. So unterhaltsam, detailliert und vor allem menschlich sind historische Romane selten. Weil wir eben alles zusammen mit einem unvergesslichen Liebespaar erleben.

Silvia: Nach deinen Lieblingsfiguren muss ich dich dann wohl nicht fragen, oder?

Ute (lacht): Nein, und ich glaube, JEDER wird da Claire und Jamie nennen. Aber es gibt auch unzählige weitere denkwürdige Figuren. Vom diabolischen Bösewicht Black Jack über Jamie’s gewitzten französischen Ziehsohn Fergus bis hin zur blinden, aber eisern über eine Plantage regierenden Tante Jocasta.

Silvia: Mir fällt da der Chinese Mr. Willoughby ein. Er ist eine sehr tragische Figur und hat unendlich viel Wissen, z.B. über Akkupunktur, was er an Claire weitergibt. Oder Ian Fraser, der Mann von Jamies Schwester Jenny, weil er einer der loyalsten Personen im Buch ist.

Ute: Über Claire haben wir schon geredet. Jamie ist natürlich genauso beeindruckend: charismatisch, ein geborener Anführer, und für Claire trotz des konservativen Rollenverständnisses seiner Zeit ein respekt- und hingebungsvoller Partner. Und natürlich sieht er auch noch umwerfend aus. Gottes Geschenk an die Frauen, sozusagen.

Silvia: (grinst) Das würde ich glatt unterschreiben. Was für ein starker, gutaussehender, gebildeter Mann! Egal, wo er hinkommt, die Menschen schauen zu ihm auf, hören auf seine Meinung und folgen ihm. Ganz oft kann er zusammen mit Claire die Menschen und Meinungen manipulieren um seine Interessen durchzusetzen. Und natürlich kommt auch die Leidenschaft nicht zu kurz!

Ute: Ein heißes Thema: Sex. Ich möchte mal behaupten, dass Gabaldon einige der schönsten und auch witzigsten Liebesszenen geschrieben hat, die ich kenne. Dabei stellt sie Klischees auf den Kopf. In Teil 1 ist es die bereits verheiratete und fünf Jahre ältere Claire, die Jamie in der Hochzeitsnacht entjungfert und ihm so einiges beibringt. Sehr kritisch ist allerdings das Thema „Vergewaltigung“, das sich quer durch alle Bücher zieht. Es gibt irgendwann kaum noch eine wichtige Figur, die NICHT Opfer sexueller Gewalt wurde. Gabaldon musste sich deswegen viel erklären.

Silvia: Das gilt auch für ihre Darstellung von Homosexualität. Sie zeigt einerseits mit Jonathan Randall einen brutalen Menschen, der die Macht seiner beruflichen Stellung missbraucht, um sich ausleben zu können. Demgegenüber stellt sie später den zarten, gutaussehenden Lord John Grey, der heimlich und aus der Ferne schmachtet, sich aber nicht ausleben kann.

Ute: Ich war ja nervös, wie die TV-Serie damit umgehen würde. Aber die Skriptschreiber haben bisher viel Fingerspitzengefühl bewiesen. Überhaupt mag ich die Adaption sehr. Langatmige Buchpassagen wurden gerafft, dazu kommen eine kinoreife Produktionsqualität und treffsicheres Casting: Caitriona Balfe als Claire und Sam Heughan als Jamie haben eine tolle Chemie. Dafür gehen auf dem Bildschirm natürlich der Detailreichtum und der Blick in die Köpfe der Figuren verloren.

Silvia: Ich mag die Hörbücher lieber, weil ich da meiner eigenen Vorstellungskraft folgen kann. Am besten gefallen mir übrigens Band 1 und 2, wie sich die beiden begegnen, sich nach und nach ineinander verlieben und herausfinden, dass sie die zweite Hälfte des anderen sind. Oft genug riskiert der eine sein Leben, um den anderen zu retten. So z.B. in Band 4, als Jamie eines Abends im Winter in North Carolina vom Jagen nicht zurückkommt. Claire macht sich auf in die Wildnis und findet Jamie, der mit verrenktem Rücken draußen im Schnee erfroren wäre. Das hört sich alles total überhöht und kitschig an, aber es wärmt mir trotzdem das Herz.

Ute: Da sagst du was. Mein Lieblingsteil ist der 3., der jetzt gerade im Fernsehen kommt. Voller Abenteuer, und unsere beiden müssen sich über einen Zeitraum von zwanzig Jahren getrennt voneinander durchschlagen. Als sie sich in der berühmten Druckerei-Szene endlich wiedersehen, wäre ich fast mit Jamie zusammen in Ohnmacht gefallen! Die zwei sind und bleiben das Herz und die Seele der Saga, auch wenn ab Band 4 ihre Tochter Brianna und deren Mann Roger mit ins Zentrum rücken.

Silvia: Das hört sich jetzt so an, als wäre die Highland-Saga nur etwas für Frauen. Die Bücher sind ja ganz klar von einer Frau geschrieben und sprechen eine weibliche Zielgruppe an. Trotzdem denke ich, dass auch Männer die Bücher von Gabaldon mögen, wegen der harten schottischen Raubeine und der Schlachten…

Ute: Ich kenne einige Männer, die die Reihe auch lieben. Wusstest du übrigens, dass man die „Outmander“ nennt? Ein Freund von mir hat alle Bücher gelesen. Er ist großer Schottland-Fan, und ich glaube auch, dass er einen richtigen „man crush“ auf Jamie hat. Ich selbst habe vor kurzem meinen Mann mit der TV-Serie angesteckt. Er liebt historische Serien und mag es, dass Claire eine „richtige Frau“ ist. Ich bin mir sicher, dass er mich nach dem Ende der 3. Staffel nach den Hörbüchern fragen wird, weil es wissen möchte, wie es weitergeht. Die deutschen Hörbücher werden ja von zwei verschiedenen Sprecherinnen gelesen. Welche würdest du denn empfehlen?

Silvia: Die gekürzten Hörbücher und der ungekürzte Band 8 wurden von der Synchronstimme von Julia Roberts, Daniela Hoffmann, gesprochen. Ich mag sie sehr als Sprecherin, doch muss ich sagen, dass ich die Stimme von Birgitta Assheuer mittlerweile noch besser finde. Sie betont etwas akzentuierter und ich habe das Gefühl, dass sie jedes Hörbuch sehr gut vorbereitet. Dazu gehören auch Ortsnamen oder Personennamen. Wie sieht es denn mit den englischen Hörbüchern aus, Ute? Sind die gut?


Ute: Oh, und wie! Alle Teile werden von Davina Porter vorgelesen. Auf Englisch kommen die unterschiedlichen britischen Akzente zum Tragen. Jamie’s grollendes Highland-Schottisch mit seinen gerollten „r’s“ hört sich z.B. ganz anders an als Claire’s klassisches Oxford-Englisch. Das geht auf Deutsch alles verloren. Außerdem sind die englischen Hörbücher alle ungekürzt.

Silvia: Warst du eigentlich selbst schon mal in Schottland?

Ute: Nein, und das muss ich unbedingt! Wie ich gehört habe, kannst du mir da ein paar tolle Tipps geben.

Silvia: Ja! Nachdem ich so viel über die Highlander in den Büchern erfahren hatte, wollte ich unbedingt mal nach Schottland und habe mir eine Wanderreise rausgesucht, die nicht weit von Inverness startete. Natürlich habe ich mich auch auf die Spuren der Frasers begeben. Inverness ist jetzt nicht die schönste Stadt, aber es gab schon interessante Spuren, denen man folgen konnte. Auf dem Friedhof habe ich viele Gräber der vorkommenden Clanmänner gefunden.

Inverness

Auch das Moor von Culloden, wo die Schotten von den Engländern niedergemetzelt wurden, habe ich besucht. Heute ist das eine große Wiese, auf der es viel zu sehen gibt. Wege und Fahnen in verschiedenen Farben zeigen der Verlauf der Fronten der beiden Streitmächte. Tafeln erklären, wo welcher Clan stand. Gedenksteine markieren die Gräber der Clans und ihrer Helden.

Auch am „Craigh na Dun“ kam ich nicht vorbei. Leider ist dieser Steinkreis reine Fiktion. Er wurde nur für die TV-Serie als Kulisse gebaut. Trotzdem lieferten die Clava Cairns bei Inverness, die vor 3.000 oder 4.000 Jahren entstanden, die Inspiration für Gabaldon. Dort bin ich dann mit einem öffentlichen Bus hingefahren und musste noch einige Kilometer lang zu Fuß laufen, bis ich selbst davorstand. Solche mystischen Stätten haben immer eine besondere Faszination für mich und mit ein bisschen Fantasie war ich schnell wieder in der Geschichte drin.

Steinkreis01 Steinkreis02

Ute: Hach, da bin ich aber neidisch! Immerhin bin ich früher schon mal in North Carolina gewesen, wo Claire und Jamie in den Büchern die Siedlung Frasers‘ Ridge aus dem Nichts aufbauen. Vielleicht mag ich deshalb Buch 3 und 4 auch so gerne. Und meinem Mann habe ich bereits angedroht, dass ich ihm zu Weihnachten einen Kilt schenke. Seit der mitbekommen hat, was für einen Effekt dieses Kleidungsstück auf weibliche Outlander-Fans hat, scheint er gar nicht mal so abgeneigt. (lacht)

Seid ihr auch schon Outlander-Fans? Was gefällt euch besser: die (Hör)bücher oder die TV-Serie? Wir freuen uns, mit euch zu diskutieren und zu schwärmen - von Fan zu Fan!