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Payback von Mike Nicol

01.06.2012

UPDATE: Das ungekürzte Hörbuch ist nun online. Deshalb gehen ab heute, 4.6.12, alle Links auf das kostenpflichtige Produkt. Die einstündige Hörprobe ist nicht mehr erreichbar.

Die jüngere, dunkle Geschichte Südafrikas ist hierzulande von WM- und Urlaubseindrücken überwuchert. Im kollektiven Bewusstsein herrschen die idyllischen Bilder eines fernen Urlaubsparadieses.

Dass das Land am Kap der guten Hoffnung nicht nur eine brutale und düstere Vergangenheit hat, sondern sich unter der Oberfläche noch immer der Konflikt zwischen Schwarz und Weiß, Arm und Reich, Townships und Villenvierteln schwillt, dafür ist die Thriller-Literatur aus Südafrika ein ausgezeichneter Indikator.

Vor wenigen Jahren schwappte eine Welle großartiger Thriller-Autoren aus Südafrika nach Deutschland. Bei allen stilistischen und inhaltlichen Unterschieden beziehen die Romane von Autoren wie Deon Meyer, Roger Smith oder Malla Nunn ihre Besonderheit und Kraft vor allem aus den Druckverhältnissen Ihrer Heimat, dem brutalen Unterschied zwischen Ideal und Realität im Land nach der Apartheid.

Mike Nicols Payback steht ganz in dieser Tradition und ist ein echtes Highlight der gegenwärtigen Thriller-Literatur. Nicol, der vor allem in seiner Heimat als Romancier, Essayist und Lyriker bekannt ist, hat sich mit „Payback“ in die Gefilde des Hard-Boiled-Thrillers gewagt um ein echtes Juwel hervorzubringen.

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Der Plot

Mace Bishop und Pylon Buso sind Ex-Waffenschmuggler, die inzwischen einen Sicherheitsservice für reiche Touristen aus Europa und Amerika betreiben. In den Befreiungskämpfen standen Sie auch mal auf der gerechten Seite der Apartheids-Gegner, waren aber sonst beim Verkauf ihrer Ware nicht allzu wählerisch. Aus diesen düsteren Tagen stammt auch ein gemeinsames, vermeintlich geheimes Konto auf den Cayman-Inseln, dass den beiden Veteranen den Ruhestand sichern soll. Beide steigen langsam die soziale Leiter herauf, der weiße Mace immer eine halbe Stufe über dem schwarzen Pylon, haben Familie und Häuser in beschaulichen Vororten.

Doch plötzlich melden sich die Geister der Vergangenheit: Ein Partner aus alten Zeiten hat noch einen Gefallen bei den beiden gut, da er über ihr Geld auf den Caymans Bescheid weiß. Widerwillig müssen Sie in den halbseidenen Drogensumpf Kapstadts hinabsteigen und einen Drogendealer und Clubbesitzer vor einer militanten Anti-Drogen-Organisation beschützen, die nicht davor zurückschreckt, ihre Ziele mit Bombenattentaten durchzusetzen. Zwischen den abgründigen Gestalten dieses Milieu taucht die mysteriöse Anwältin Sheemina February auf, die Rache an Mace Bishop üben will, ohne dass dieser wüsste wieso. Es entspinnt sich eine knallharte Rachegeschichte, die Mace und Pylon mit ihrer eigenen verdrängten Vergangenheit konfrontiert.

“Payback” kennt kein simples Gut/Böse-Muster. Alle Charaktere haben Ihre „guten“ Gründe und jeder hat Schuld auf sich geladen. Es gibt kein unschuldiges Opfer und den abgrundtief bösen Psychopathen, vielmehr ist jeder mit seiner eigenen Psychose und der dazugehörigen dunklen Vergangenheit geschlagen. Mehr als nur einmal fragen sich die Protagonisten Mace und Pylon, ob die Kaltblütigkeit, die sie gegen ihre Gegner an den Tag legen, überhaupt noch normal ist.

Überhaupt ist dieser Thriller voll von sinistren und undurchsichtigen Charakteren, von der koksenden Leihmutter bis zum stotternden Drogendealer. In diesen Charakteren spiegelt sich der Zustand ihres Landes, der geprägt ist von Unverzeihbarem, unterdrückter Wut und explosionsartig ausbrechender Gewalt. Der Autor versucht nicht Geschichtslehrer zu spielen, sondern erschafft über seine Charaktere einen tiefen Einblick in die Zustände seiner Heimat.

Womöglich ist „Payback“ nicht die beruhigendste Reiselektüre an das Kap der guten Hoffnungen, dafür ist er aber ein erbarmungslos spannendes Stück Thriller-Literatur, das sich jeder, der in diesem Genre auf etwas Neues wartet, anhören sollte.

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