Reinkarnation: Reise von einem Leben zum nächsten

Josefine Andrae | 10.09.20

Manche glauben, sie hätten schon einmal gelebt – und erkunden ihre früheren Leben mittels einer sogenannten Rückführung. Was das bringen soll? Wir schauen es uns an.

Damit er nicht als wirbelloses Wesen reinkarniert wird, entscheidet er sich nach seinem Tod, den Job des Übergangsmanagers zu ergreifen. Denn D10-B4233 will lieber Punkte sammeln – für eine bessere Reinkarnation. Irgendwas muss er in seinem vorherigen Leben angestellt haben, dass sein Punktestand so miserabel ist …

Das ist die Prämisse des neuen Hörbuchs „Der Übergangsmanager“ von Karen Elste. Auch wenn die Autorin selbst nicht an Reinkarnation glaubt, wie sie im Interview mit Audible erzählt, so gibt es doch zahlreiche Menschen, die das durchaus tun – und der Meinung sind, mittels Rückführungen einen Einblick in ihre früheren Leben erlangen zu können.

Der Übergangsmanager: Besser stirbt man nicht
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Hörbuch

Der Übergangsmanager: Besser stirbt man nicht

Geschrieben von:Karen Elste
Gesprochen von:Hanno Koffler
Spieldauer:9:52
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Reinkarnation ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon 800 bis 600 vor Christus wurde das Konzept der Seelenwanderung in den ältesten hinduistischen Schriften, den Veden, festgehalten. Seither ist der Glaube an die Wiedergeburt fest im Hinduismus verankert. Demnach ist jede Menschenseele unsterblich und wandert von einem Wesen zum anderen.

Ausschlaggebend sind dabei die Taten eines Individuums, also sein Karma – „Aus guter Handlung entsteht Gutes, aus schlechter Handlung entsteht Schlechtes“, so lehren es die philosophischen Schriften des Hinduismus. Im Buddhismus spielt die Reinkarnation ebenfalls eine Rolle, aber auch abseits jeglicher Religion glauben Menschen daran, schon einmal gelebt zu haben.

„Aus guter Handlung entsteht Gutes, aus schlechter Handlung entsteht Schlechtes.“

Upanishaden (hinduistische Schriften)

Ängste aus früheren Leben

Auf dieser Annahme basiert die Reinkarnationstherapie: Sie geht davon aus, dass Probleme, die wir in diesem Leben haben, auf ein vorheriges zurückgehen. „Eine Rückführung mit karmischem Ursprung beinhaltet die Vorstellung der Wiedergeburt und dass wir schon einmal gelebt haben und wieder leben können“, so Steffen Zimpel.

Der Berliner Hypnosecoach, der nahezu 400 Rückführungen begleitet hat, erläutert: „Manchmal gibt es Ängste, für die wir in der eigenen Vergangenheit keine Auslöser finden können. Das kann die Angst vor dunklen Räumen sein, aber auch die vor bestimmten Menschen oder Gegenständen. Manche Menschen empfinden ein unangenehmes oder schlechtes Gefühl bei gewissen Dingen und können sich nicht erklären, wo das herkommt.“

Damit geht die Reinkarnationstherapie noch einen wesentlichen Schritt weiter als die Regressionstherapie. Bei letzterer geht es darum, belastenden Erfahrungen auf den Grund zu gehen, die in der frühen Kindheit oder gar schon im Mutterbauch geschehen sind. Auch Traumata, die in zweiter oder dritter Generation weitergegeben werden, können dadurch ergründet werden, meint Doktor Birgit Zottmann, Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Mieses Karma
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Hörbuch

Mieses Karma

Geschrieben von:David Safier
Gesprochen von:Nana Spier
Spieldauer:7:19
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Sowohl bei der Regressions- als auch bei der Reinkarnationstherapie kommt Hypnose zum Einsatz, die dabei helfen soll, Ängsten, Phobien und ungelösten Problemen auf den Grund zu gehen. Während die Hypnotherapie eine anerkannte Psychotherapiemethode ist, ist die Reinkarnationstherapie der Alternativheilkunde zuzuordnen.

Neugier auf das, was vorher war

Diffusen Ängsten und Blockaden auf den Grund gehen wollte auch Ines Hermann*. Sie machte eine Hypnotherapie, weil sie ein allgemeines Gefühl der Überforderung verspürte und nicht mehr mit ihrem Alltag zurechtkam. Nach zehn Sitzungen mit einem ausgebildeten Hypnosetherapeuten fühlte sie sich wesentlich besser, doch ein Problem blieb: „Ich hatte in manchen Situationen in meiner Ehe das Gefühl, keine Luft zu bekommen und nicht atmen zu können.“

Daraufhin schlug ihr Therapeut ihr eine Rückführung vor, um herauszufinden, ob der Ursprung für ihre Atemnot möglicherweise in einem vorherigen Leben liegen könnte. „Ich bin für so etwas sowieso relativ aufgeschlossen und war neugierig, also habe ich mich darauf eingelassen“, so Hermann.

Die Neugier ist es, die viele Klienten zu Doktor Zottmann bringt, wie sie selbst berichtet. „Ich selbst bin nicht esoterisch, glaube nicht an Chakren und derartige Dinge“, betont die Heilpraktikerin. Aber auch sie hat sich schon einmal zurückführen lassen. „Ich fand das sehr interessant, welche Eindrücke und Bilder dabei aufgetaucht sind.“

Gelebte Reinkarnation: Meine unglaublichen Erfahrungen
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Hörbuch

Gelebte Reinkarnation: Meine unglaublichen Erfahrungen

Geschrieben von:Clemens Kuby
Gesprochen von:Clemens Kuby, Stefan Merki
Spieldauer:14:02
Typ:Ungekürztes Hörbuch

Doch wie funktioniert das überhaupt? Mittels Hypnose werden Klienten in einen Trance-ähnlichen Zustand gebracht, beschreibt Hypnosecoach Steffen Zimpel den Ablauf. Dabei sitzen sie entweder in einem bequemen Sessel oder liegen auf einer Couch. Je nachdem, ob der Klient bereits Hypnoseerfahrung gemacht hat, kann es mal länger dauern, mal schneller gehen, bis der Zustand erreicht ist. Zimpel bezeichnet den als eine Art Schwebezustand – aus dem man sich jederzeit selbst wieder herausbringen kann, wie er ausdrücklich betont. Außerdem wichtig: Niemand kann gegen seinen Willen hypnotisiert und unter Hypnose dazu gezwungen werden Dinge zu tun, die er üblicherweise nicht tun würde.

Reise durch die Jahrhunderte

In ebenjenem Zustand war auch Ines Hermann, die im Rahmen ihrer Hypnotherapie bereits Erfahrungen mit der Hypnose gemacht hatte, als sie zum ersten Mal in die Vergangenheit reiste. „Ich sollte beschreiben, wer ich bin, wie ich mich fühle und wie die Umgebung aussieht“, erinnert sie sich. Ziel war es herauszufinden, was ihr die Luft zum Atmen nimmt.

„Zuerst war ich relativ lange in einer Umgebung auf dem Land, mit einem einfachen Bauernhaus mit Lehmwänden und Fachwerk im Hintergrund“, erzählt die 54-Jährige. „Ich stand auf einer Wiese mit Apfelbäumen, war wie eine Bauersfrau angezogen und um mich herum waren ganz viele Kinder, die ich gerade zum Essen gerufen habe. Es war sonnig und warm, mir ging es richtig gut und ich habe mich rundum zufrieden gefühlt. Was mich bedrückt hat, konnte also nicht daher kommen.“

Danach war sie auf einem trubeligen Marktplatz im alten Griechenland. „Ich weiß noch, dass ich eine blaue Toga trug, die ich richtig schön fand“, so Hermann. Da war sie nur kurz, wie sie berichtet, bevor sie dann in eine Situation kam, die sich von Anfang an als sehr belastend angefühlt hat. „Diesmal war ich ein Mann – ein Advokat, genau genommen, der eine Frau verteidigt hat, die der Hexerei angeklagt wurde“, sagt sie. Sie erinnert sich noch genau, wie die Kleidung aussah, die sie trug: schwarze Schnallenschuhe, schwarze Pluderhosen und einen ebenso schwarzen Umhang. Es war regnerisch, windig und kalt – und tatsächlich merkte auch Hermanns Therapeut, dass sie auf einmal fror.

„Dann gab es einen Cut und ich war plötzlich selbst angeklagt und wurde zum Tode verurteilt“, so Ines Hermann. „Ich stand auf einem Podest mit einem Galgen und mir wurde eine Schlinge um den Hals gelegt. Dann wurde der Strick zugezogen.“ Das war der Moment, in dem ihr Therapeut sie zurückholte.

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Hörbuch

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Geschrieben von:Lodro Rinzler
Gesprochen von:Pascal Breuer
Spieldauer:3:54
Typ:Gekürztes Hörbuch

Rückführung mit potenziell traumatischem Ausgang

„Gerade für Leute, die sehr sensibel sind und eine lebhafte Fantasie haben, kann so ein Erlebnis sehr traumatisch sein“, warnt Birgit Zottmann. Ein „qualifizierter Therapeut“ sei deswegen besonders wichtig. Hypnosecoach Steffen Zimpel berichtet von Sitzungen, im Rahmen derer Klienten in Leben zurückgeführt wurden, in denen sie als Soldat im Krieg gemordet haben, Nationalsozialist oder Kindermörder waren. „Da ist es besonders wichtig, die Leute zurückzuholen, ohne dass sie sich schlecht fühlen“, so Zimpel.

Ines Hermann empfand ihre Rückführung als traumatisch: „Das hat mich richtig aus der Bahn geworfen. Es hat sich so real angefühlt, dass ich richtig Angst hatte.“ Eine weitere Rückführung hat sie seitdem nicht mehr gemacht. Dennoch hat sie aus dem Erlebnis etwas für sich mitgenommen: „Ich wusste auf einmal, dass ich aus der Situation, die ich in meinem jetzigen Leben als einengend wahrgenommen habe, unbedingt rauskommen muss.“

Aus dem vorherigen für dieses Leben lernen

Steffen Zimpel, der selbst schon seine vergangenen Leben erkundet haben will, ist jedenfalls fest vom positiven Nutzen von Rückführungen überzeugt: „Ich habe sehr viele Antworten bekommen, die mein Leben bereichert haben. Für mich ist das Fakt, schon mehrfach gelebt zu haben.“ Der Sinn hinter den Reinkarnationen liegt seiner Meinung nach darin, dass wir als Seelen mit jedem Leben dazulernen.

„Für mich ist das Fakt, schon mehrfach gelebt zu haben.“

Steffen Zimpel

Ein ähnliches Gefühl hat auch Ines Hermann aus ihrer Rückführungserfahrung mitgenommen: „Ich konnte der Situation, die mir die Luft genommen hat, in meinem vorherigen Leben nicht entkommen, aber in meinem jetzigen Leben konnte ich das. Das hat mir das Gefühl gegeben, dass es eine universelle Balance gibt, dass sich alles wieder ausgleichen wird.“ Sie fügt hinzu: „Ich glaube auf eine seltsame Art und Weise, dass man in einem Leben ist, um bestimmte Dinge zu lernen und um dazu zu lernen.“

Wissenschaftlich belegen lässt sich der Nutzen der Reinkarnationstherapie nicht – genauso wenig wie sich beweisen lässt, dass Seelen tatsächlich von Mensch zu Mensch wandern. Birgit Zottmann gibt zu, dass sie dem selbst skeptisch gegenüber steht. Ines Hermann findet jedenfalls: „Man kann auch Liebe wissenschaftlich erklären, aber wollen wir wirklich, dass wir restlos alles wissenschaftlich begründen können?“

Dass es Reinkarnation gibt, steht für Karen Elstes Übergangsmanager außer Frage – ansonsten müsste er ja nicht so hart an der Verbesserung seines Punktestands arbeiten. Ob es ihn beruhigen würde zu wissen, was er in seinem vorherigen Leben Schlimmes angestellt hat? Vielleicht, denn – wie heißt es doch so schön? – „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht.“

  • Name von der Redaktion geändert
Aktuelles
Die Geister, die ich rief – Nachrichten aus dem Jenseits

Gespenster aller Art sind ja besonders im Herbst hoch im Kurs. Mancher ist sogar der Meinung, dass die Toten unter uns weilen. Andere glauben, das sei totaler Quatsch. Anlässlich der Veröffentlichung des Audible Originals „Der Übergangsmanager“ hat sich unsere Autorin Josefine Andrae zusammen mit einem Medium auf eine Reise in die Jenseitswelt begeben. Eine sehr persönliche Reportage.