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Country noir - Wo Blut dicker ist als Wasser (englisch)

24.06.2015

Where All Light Tends To Go

In a place where blood is thicker than water and hope takes a back seat to fate, a young man wonders if he can muster the strength to rise above the only life he's ever known.

Hier geht es zu ‘Where All Light Tends To Go’ von David Joy.

Country Noir. Diese Genre-Bezeichnung steht für karge, abgelegene Roman-Settings mit eigenbrödlerischem Volk, das Kautabak kauend auf staubige Stiefelspitzen spuckt. Die Sprache ist so hart und rau wie das Land. Humorlos. Dreckig. Erbarmungslos.

Das ist auch die Welt, in der der 18-jährige Jacob seinem mit Meth dealenden, gewalttätigen Vater den Rücken frei halten muss. In dem kleinen Ort in den Appalachians, tief in den Bergen von North Carolina, hat jeder der Einheimischen Leichen im Keller: Wo Arbeitslosigkeit herrscht und kaum ein Kind die Schule beendet, lebt man vom Crystal Meth – oder man stirbt daran. Während Jacob’s Vater mit gnadenloser Hand ein Mini-Drogenkartell unter den Augen der Sheriffs führt, verbringt Jacob’s Mutter die Tage zugedröhnt im Nebel der Droge.

Für Jacob selbst scheint es keinen Weg aus diesem Leben zu geben. Seine Hoffnung: Dass wenigstens das Mädchen, das er liebt, dieser Hölle entkommen kann. Vielleicht schaffen sie es ja doch zusammen? Dann aber wird Jake von seinem Vater in eine Spirale aus Gewalt und Tod hinein gezogen. Es sieht düster aus…

Düster ist auch der Schreibstil von Autor David Joy. Er spart nicht mit Kraftausdrücken in den Dialogen. Seine Beschreibungen, aus der Sicht von Jacob, sind roh und schmutzig. Dennoch – und das liegt auch am dickflüssigen Carolina-Singsang von Sprecher MacLeod Andrews – hat diese Sprache eine Melodie, eine dunkle Poetik. Die Bilder, die Joy malt, spielen sich im Kopf mit der Ästhetik eines Tarantino-Filmes ab. Blut und Gewalt sind hässlich, aber man kann sie in soghafte Worte packen, die nicht loslassen.

Sprecher mit 'southern drawl'

Die Hoffnungslosigkeit durch Jacob’s Blick ist wie eine Faust in der Magengrube. MacLeod Andrews gibt ihm eine Stimme, die sich frühzeitig gealtert anhört. An den heftigen Dialekt muss man sich ranhören, wenn man noch nie mit den Spielarten des ‚southern drawl‘ tun hatte. Das ist nichts für Anfänger. Aber es macht das Hörbuch zu einer düsteren Ballade.

Für Fans von Breaking Bad und Leser von Winter’s Bone ein gefundenes Fressen. Für Neulinge mit Mut zum Hartgesottenen möglicherweise eine Entdeckung. Literarisch geht auch mit Dreck an den Stiefeln, das beweist David Joy mit diesem Debut. Im Hintergrund meint man fast, ein Banjo spielen zu hören.

Hier geht es zu ‘Where All Light Tends To Go’ von David Joy.