Rita Falk - alles über die "liebevolle Mörderin"

06.03.15

Dass Rita Falk aus Bayern kommt, lässt sich nicht überhören. Ihre Heimat steckt nicht nur in ihrer Sprache, sondern auch in ihren Büchern. Ganz so, wie es sich für Regional-Krimis gehört. Nach dem Motto „Das Böse lauert an jeder Ecke“ mordet Rita Falk seit fünf Jahren literarisch in…

dem fiktiven Ort Niederkaltenkirchen, der in Niederbayern, in der Nähe von Landshut angesiedelt ist.  

Sie selbst ist gebürtige Oberammergauerin, verbrachte ihre Schulzeit in Landshut und lebt nun mit ihrem zweiten Mann, einem Polizisten, in München. Sie hat drei erwachsene Kinder. Bevor sie im Jahr 2010 mit Winterkartoffelknödel direkt ihren ersten Bestseller schrieb, war die gelernte Bürokauffrau arbeitslos. Heute ist mit Zwetschgendatschikomplott bereits ihr sechster Regional-Krimi und ihr achtes Buch erschienen.

Dabei liest die Autorin selbst gar keine Krimis, wie sie Audible im Videointerview verriet:

Ich bin ja selber kein Krimi-Fan. Also lesen tu ich Krimis generell nicht, weil ich diese Spannung einfach nicht aushalte.

Neunzig Minuten Tatort, das geht noch, aber 600 Seiten Spannung sind nichts für die Nerven der Krimiautorin.

Der typische Humor ihrer Regionalkrimis kommt beim Schreiben und auch ihre Geschichten entstehen während sie an ihnen arbeitet: „Wenn ich anfange zu schreiben ist ein ganz grober Plot vorhanden.“ Vor allem die Entwicklungen im Leben ihrer Figuren finden beim Schreiben statt, genauso wie die Aufklärung des Mordfalls ein Prozess ist. Wenn Rita Falk erst mal angefangen hat, taucht sie ganz in die von ihr geschaffene Welt ein:

Mein ganzer Tagesablauf findet dann in Niederkaltenkirchen statt.

Niederkaltenkirchen: Der Eberhofer Franz und ihm seine Welt

Nicht nur die Autorin selbst, auch ihre Fans kehren immer wieder gerne zurück in den fiktiven Ort in Niederbayern. Hier gibt es den Sportplatz mit dem Vereinsheim Rot-Weiß, eine Tankstelle, an deren Stelle früher einmal das Haus der Neuhofers stand, die jedoch entscheidende Rollen in Falks erstem Krimi spielten und nun nicht mehr unter uns weilen. Da ist das Rathaus, in dem auch die Polizei untergebracht ist, Wolfis Pub, in dem man sich abends auf ein Bier trifft und natürlich der Schweinestall, in dem der Dorfpolizist und Falks Hauptfigur Franz Eberhofer wohnt. Den ganzen Provinzkosmos von Niederkaltenkirchen auf einen Blick gibt es auf dieser Landkarte.

Der Eberhofer Franz kommt gebürtig aus Niederkaltenkirchen. Obwohl er seine Heimat für seinen Beruf verlassen hat, landet er wieder in der Provinz. Hier leben auch sein Vater, ein Alt-68er, der zu einem Joint nicht nein sagt und dabei am liebsten die Beatles hört. Hier ist seine taube Oma, die aber immer noch alles sieht und das Haus fest im Griff hat und da ist sein Bruder der Weiberheld und Schleimbeutel Leopold, der mit seiner Thailänderin Panida eine kleine Tochter hat. Eigentlich heißt die Uschi, benannt nach der Mutter von Franz und Leopold, aber Franz hat sie in Sushi umgetauft. Das passt besser wegen der Mandelaugen, findet er.

Weitere Charaktere

Ebenfalls Teil der Familie ist Eberhofers Hund Ludwig, mit dem er täglich seine Runden dreht. Und dann ist da noch die Susi, Franz’ Gspusi, die eigentlich gerne mehr wäre. Man wird schließlich nicht jünger. Doch Franz will nicht so recht und isst lieber noch einen Leberkäs` beim Simmerl, dem Retter in jeglicher Not.

Außerdem mit von der Partie: der Birkenberger Rudi, Exkollege und bester Freund vom Eberhofer Franz, der Gas-, Wasser- und Heizungsinstallateur Flötzinger und Moratscheck, der Richter am Landshuter Landgericht.

Diese Figuren aus der Feder von Rita Falk erleben nun also schon ihr sechstes Abenteuer zusammen. Zeit, diese Mal in der richtigen Reihenfolge vorzustellen:

Rita Falks Bücher der Franz Eberhofer Serie in der richtigen Reihenfolge

1. Winterkartoffelknödel (2010)

2. Dampfnudelblues (2011)

3. Schweinskopf al dente (2011)

4. Grießnockerlaffäre (2012)

5. Sauerkrautkoma (2013)

6. Zwetschgendatschikomplott (2015)

Der Hannes und die Funkenflieger

Neben den Regionalkrimis schrieb Rita Falk im Jahr 2012 auch einen Roman mit dem Titel Hannes. Hier geht es um die Freundschaft von Uli und Hannes, der nach einem schweren Unfall nicht nur im Krankenhaus, sondern auch im Koma liegt. Uli weicht nicht von seiner Seite. „Mich hat der Spagat zwischen Leben und Tod, Bangen und Hoffen, weiterleben und trotzdem Anteil nehmen sehr berührt“, schreibt Michele Reble in ihrer Rezension. 2014 erschien dann ihr zweiter Roman Funkenflieger, ein Familiendrama über eine ungewollte Schwangerschaft. Rita Falk kann also nicht nur unterhalten, sondern ebenso unter die Haut gehen.

Hörbücher und Verfilmungen

"Also wie ich erfahren hab, dass der Christian Tramitz das Hörbuch spricht, war ich natürlich ehrfürchtig", sagt Rita Falk im Interview. Sie ist absolut begeistert von dieser Sprecher-Wahl. Sie und ihr Mann mussten beim Hören ihrer Geschichte so sehr lachen, dass sie während einer Autofahrt rechts ran fahren mussten.

Tramitz selbst hatte beim Einsprechen zwar erstmal Angst vor dem dicken Stapel Papier vor ihm, war aber gleichzeitig fasziniert vom Charakter Eberhofers.

Im Dezember 2013 lief dann mit Dampfnudelblues die erste Verfilmung nach einem Bestseller von Rita Falk im Fernsehen. Winterkartoffelknödel folgte im Jahr darauf. Die Rolle des Eberhofer Franz spielt nicht Christian Tramitz, sondern Sebastian Bezzel. Wer den Film in den Kinos verpasst hat, bekommt ihn jetzt auf DVD.

Beim Gucken des ersten Filmes hatte Rita Falk übrigens Gänsehaut.

Von leisen Schmunzlern zu lauten Lachanfällen

„Bei dieser Autorin fühlt man sich schnell an die eigene verschrobene Familie erinnert, über deren Ticks man nie hat lachen können“, heißt es auf krimi-couch.de. Und auch Leselupe.de stimmt da zu: „Als Figur wird der Eberhofer seht schön herausgestrichen. Sein Privatleben wird von allen Seiten beleuchtet. Es ist ein bodenständiges Leben in einer merkwürdigen Familie mit Vater und Bruder.“

Der Eberhofer ist einer wie du und ich mit dem Unterschied, dass er zusätzlich zu all den Alltagsproblemen auch noch Mordfälle aufklären muss. Das tut er allerdings auf eine unterhaltsame Art und Weise und mit Rita Falks bissigem Humor:

Die Autorin lässt den Eberhofer selbst erzählen, so wie ihm der Schnabel gewachsen ist: umgangssprachlich und mit bayerischem Dialekt. (Leselupe)

Der kommt interessanterweise vor allem „im ganz hohen Norden“ sehr gut an, sagt Rita Falk. „Also so Hannover, Hamburg, die Ecke, die sind die Hardcore-Fans“, sagt sie.

Das Feedback beim Lesen kann regional sehr unterschiedlich ausfallen, erzählt sie. Aber egal ob leise Schmunzler oder laute Lachanfälle, Rita Falk liest überall gerne. Als nächstes am 12. und 13. März 2015 auf der Buchmesse in Leipzig. Das wird sicher wieder eine Mordsgaudi, denn:

Niemand mordet in der deutschen Krimilandschaft so liebevoll und ironisch wie Rita Falk

heißt es im Autorenprofil von Rita Falks Webseite und da können wir nur zustimmen.

 

 


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