Autor Jörg Maurer spricht über Regionalkrimis

Jennifer Wilken | 24.10.11

Obacht! - Lehrt uns nicht nur der sonntägliche Tatort. Wo tratschende Nachbarn, kauzige Dörfler und öde Landschaften aufeinandertreffen, ist auch in der deutschsprachigen Kriminalliteratur Vorsicht geboten. Was bitte lässt sich herrlicher erschüttern, als heimatliche Idylle?

jörg maurer alpenkrimi

Update Juni 2017: Wir haben uns in einem langen Blogartikel mit ausführlicher Datenanalyse und vielen Autoreninterviews noch intensiver mit dem Phänomen Regionalkrimis im Hörbuch-Format beschäftigt - hier klicken und das Interview mit Jörg Maurer über seinen neuen Alpenkrimi weiterlesen.

Schrecklich amüsant - Regionalkrimis

Schwarzwald, Eifel und Rheinland sind keine sicheren Pflaster, seit Autoren und Autorinnen wie Nele Neuhaus, Petra Busch, Rita Falk und Jacques Berndorf den Tatort Gartenzaun neu beleben. Denn das Schöne am Regionalkrimi ist nicht das Verbrechen an sich. Vielmehr sind es die feinen Eigenheiten, regionalen Bräuche oder auch spezifische Umgebungsbeschreibungen, die für Identifikationsmomente bei

Leser- und Hörerschaft sorgen. Das macht den Regionalkrimi zu einem besonders lebhaften Subgenre der Kriminalliteratur, das über die nötige Spannung auch an Witz nicht fehlen lässt, wenn wir uns etwa bei Erzählungen in breiter Mundart liebevoll selbst vorgeführt fühlen.

Jörg Maurer über Kriminalliteratur mit Humor

Audible Magazin: Herr Maurer, Ihre Kriminalromane spielen stringent in Bayern. Ist die Region um Garmisch-Patenkirchen so ein gefährliches Pflaster?

Jörg Maurer: In Garmisch bin ich geboren und aufgewachsen. Das erspart natürlich viel Recherchearbeit und ist beim Schreiben ein großer Vorteil. Dann habe ich viele Jahre in München gelebt. Ich habe also den Innen- und Außenblick auf die Region. Würden meine Krimis in der Bretagne spielen, müsste ich dort leben, um die Geschichten ebenfalls so authentisch zu gestalten.

Jörg Maurer: Da ich nicht in Mundart schreibe, sind meine Krimis auch in anderen Regionen beliebt. Das merke ich auch bei meinen Lesungen. Viele kennen mich bereits durch meine Arbeit als Musikkabarettist, die sind mehr an der Satire interessiert, als die spezifische Umgebung wiederzuerkennen. Ich habe durchaus auch Leser in Kiel oder Bozen.

Audible Magazin: Erleben wir gerade denn einen Boom des Regionalkrimis?

Jörg Maurer: Naja, eigentlich ist doch jeder Krimi immer auch ein Regionalkrimi, ob in Garmisch oder L.A. - irgendwo muss die Geschichte schließlich spielen. Wir erleben vielmehr einen Boom des Kriminalromans. Krimifans lesen und hören außerdem sehr viel. Da besteht also ein Markt, der entsprechend bedient wird. Allerdings mache ich mir um’s Marketing beim Schreiben eher wenig Gedanken. Im Vordergrund steht für mich die Unterhaltung.

Audible Magazin: Aber vom Kabarett zur Kriminalliteratur ist es schon ein ganz schöner Sprung…

Jörg Maurer: Tod und Teufel waren schon immer auch Themen in meiner Arbeit als Musikkabarettist, von daher lag das gar nicht so fern. Allerdings sind meine Bücher ja nun auch nicht gerade Psychothriller. Eigentlich schreibe ich schon, seit ich 12 Jahre alt bin. Daneben bin ich ein großer Leser und habe vor allem auch schon immer gerne Kriminalliteratur gelesen. Irgendwann war mir klar: Ich möchte ein Buch schreiben, das mir auch selbst Spaß machen würde.

Audible Magazin: Damit fallen Ihre Geschichten in gewisser Weise aus dem Genre. Für Ihre Krimis sollte man schon eine Vorliebe für schwarzen Humor mitbringen…

Jörg Maurer: Es ist natürlich immer eine Gratwanderung zwischen Ernst und Komik. Gerade dieser Kontrast - dieses Süß-Sauer beim Schreiben - das macht mir großen Spaß. Dadurch dass ich meist parodistisch schreibe, gewinne ich mit meinen Büchern aber auch viele neue Leser, die vorher mit Krimis gar nichts anfangen konnten. Natürlich versteht mein Stammpublikum, das mich als Kabarettist kennt, die Geschichten noch einmal ganz anders.

Audible Magazin: Womit wir bei Ihren Lesungen wären, die ja auch nicht gerade „gewöhnlich“ verlaufen….

Jörg Maurer: Schriftsteller sind nun mal nicht automatisch gute Vorleser, Schauspieler hingegen manchmal einfach zu perfekt. Ich wollte einen Mittelweg finden, daher wechseln sich musikalisches Programm und Vorlesen bei mir ab. Da profitiere ich natürlich von meiner Bühnenerfahrung. Lesen können die Menschen die Bücher schließlich auch alleine Zuhause. Ich versuche schon Abwechslung zu bringen, z.B. eine Passage aus dem Buch am Klavier ganz neu zu interpretieren.

Audible Magazin: War das auch die Motivation, die für Sie dahinter steckte, Ihre Hörbücher selbst zu lesen?

Jörg Maurer: Dabei habe ich mich schon vom Verlag beraten lassen. Hätten die gesagt, dass ein Schauspieler oder professioneller Sprecher diesen Job besser macht, dann wäre das für mich auch kein Problem gewesen. Als der Verlag vorschlug, das Hörbuch selbst zu lesen, war das für mich allerdings schon eine ganz neue Hausnummer! Auf der Bühne macht man schließlich mal eine Pause, improvisiert oder holt tief Luft. Das fällt ihm Studio natürlich alles weg; Tonmeister hören ja jeden Schmatzer.

Inzwischen schaffe ich das Einlesen immerhin aber schon in 5 Tagen, statt in einer Woche. Hinter einem Hörbuch steckt schon viel Arbeit, die man am Ende gar nicht mehr so wahrnimmt. Aber der Aufwand lohnt sich, denn es macht mir wirklich viel Spaß!

Vielen Dank für das Interview! Wir hoffen auf weitere rabenschwarze Krimis aus den Bergen!

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Copyright Headerfoto & Foto im Artikel: © Gaby Gerster

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